Die (IT-)Dinge, die da kommen werden

30. November 2010, 17:03
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Gartners Top-Prognosen: Von Cybersabotage, umsatzabhängigen CIO-Löhnen, Fremdlingen in der Wolke und anderen gar schröcklichen und wunderbaren Zukunftsaussichten.

Gartners Top-Prognosen: Von Cybersabotage, umsatzabhängigen CIO-Löhnen, Fremdlingen in der Wolke und anderen gar schröcklichen und wunderbaren Zukunftsaussichten.
Gartners Marktforscher schauen Jahr für Jahr ausgiebig in ihre Kristallkugeln (und Hunderte von Excel-Tabellen) und extrahieren daraus nach bestem Wissen und Gewissen Zukunftsprognosen. Am Schluss des Jahres wählt Gartner jeweils aus den am fundiertesten scheinenden Ideen die nach Relevanz, Auswirkungen und - Gartner ist da ganz ehrlich - auch nach Publikumswirksamkeit "stärksten" Voraussagen für seine Topliste aus.
Und hier nun ohne Umschweife zu diesen Voraussagen zum Ausklang des Jahres 2010.
- Bis 2015: Cyberkrieg gegen ein G20-Land
Bis 2015, so Gartner, wird mindestens eines der G20-Länder einen heftigen und auch folgenreichen Online-Angriff erleben, der seine Infrastruktur zeitweise lahmlegt und längerfristig schädigt. Ein solcher Angriff könnte sich gegen mehrere Bereiche, wie das Finanzsystem, chemische und nukleare Anlagen und Mobilfunknetzwerke gleichzeitig richten. Eine über Wochen lahmgelegte Börse allein würde beispielsweise langfristige Auswirkungen nach sich ziehen, auch wenn sie nicht, was ebenfalls wahrscheinlich wäre, gleich zum Sturz der Regierung führt.
- Bis 2015: IT-Umsatz bestimmt CIO-Löhne
Mehrere aktuelle IT-Trends, beispielsweise "kontextbewusste" CRM-Systeme, IT-gestütze Innovation, die Erkennung von Marktmustern oder die Nutzung von sozialen Netzwerken können potentiell direkt den Umsatz eines Unternehmens erhöhen: Bis 2015 werden sich Geschäftsführungen und Verwaltungsräte von Grosskonzernen so sehr daran gewöhnt haben, dass sie einen Grossteil des Lohnes von zukünfigen CIOs von neuen IT-Einkünften aus solchen und ähnlichen Projekten abhängig machen.
- Bis 2015: Ein Viertel weniger Service
Die IT-Serviceindustrie wird immer reifer und damit produktiver, während gelichzeitig vor allem Cloud-Computing die Einführung von Automatisierungstools für Serviceaufgaben noch weiter beschleunigt. Insgesamt werden so die für die diversen IT-Standardservices eingerechneten Arbeitsstunden bis 2015 im Schnitt um ein Viertel sinken.
- Bis 2015: Auch Nicht-IT-Services kommen aus der Cloud
Immer mehr Nicht-IT-Unternehmen bieten ihre Services direkt über die Internet-"Wolke" an. Bis 2015 wird, glaubt Gartner, bereits rund ein Fünftel der 500 grössten Unternehmen der Welt Cloud-Provider im weiteren Sinne sein. IT-Abteilungen können dadurch ihre Rolle als "Business-möglich-macher" weiter stärken, indem sie beispielsweise den internen Verbrauch und die Zuteilung dieser Services überwachen. Gleichzeitig erhalten sie neue Konkurrenz, weil die Cloud-Provider nebenbei auch einen Teil der zum jeweiligen Businessprozess gehörenden IT-Services übernehmen werden.
- Bis 2014: Unternehmensapplikationen auch auf privaten Geräten.
Der Trend dazu, Unternehmensapplikationen zu "mobilisieren" und den Zugang darauf auch über private Geräte, insbesondere Notebooks und Smartphones, zu ermöglichen, ist bereits in vollem Schwange. Bis 2014 könnte die Benutzung privater Geräte bereits von 90 Prozent der Unternehmen erlaubt werden. Der Grund ist, dass viele Angestellte die Benützung von privaten Geräten bevorzugen, die sie auch für andere Zwecke einsetzen können als die eingeschränkten traditionellen "Business-PCs".
- Bis 2013: Tablets schon (fast) überall
In wenigen Jahren werden vier Fünftel aller IT-Abteilungen User supporten müssen, die Tablets verwenden. Das iPad ist nur ein Vorbote einer riesigen Welle von Media-Tablets in verschiedensten Grössen und mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Bedienungskonzepten. Gemeinsam dürfte ihnen sein, dass sie eher zum Zugriff auf Informationen dienen werden als zu deren Erstellung. Die Support-Anforderungen werden sich allerdings je nach Unternehmen stark unterscheiden.
- 2015: Ein Zehntel der Online-"Freunde" sind keine Menschen
Eine Unternehmens-Präsenz in sozialen Medien reicht vom reinen "Reinhören" über das Verbreiten eigener Nachrichten bis zur eigentlichen Konversation mit Communities und Individuen. Gegenwärtig sind die meisten Unternehmen höchstens bei Schritt eins oder zwei angelangt, während Schritt 3 zu aufwendig scheint. Bis in ein paar Jahren, glaubt Gartner, werden aber soziale "Bots" – also Softwaretools - dazu fähig sein, mindestens in Teilbereichen eine "personalisierte" interaktive Kommunikation mit Individuen und Communities zu übernehmen. (Hans Jörg Maron)

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