Die IT-Woche 12

26. März 2021, 15:35
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Neben einer neuen CTO-Stelle sorgten Dramen um das EPD, einen RZ-Betreiber und das "elektronische Impfbüchlein" für Gesprächsstoff in der Schweizer IT-Welt.

Das Drama um OVHcloud geht weiter

Eigentlich wollte der französische Cloud-Betreiber OVHcloud keine Stellung mehr nehmen, bis die Untersuchungen zum Brand vom RZ Strasbourg 2 (SBG2) abgeschlossen sind. Doch die Krisenkommunikation musste wieder aufgenommen werden, nachdem es am Abend des 19. März Probleme in einem Batterieraum von SGB1 gab. Es sei zu Rauchentwicklung gekommen, die man schnell unter Kontrolle gebracht habe. Das Feuer in SBG2 habe "wahrscheinlich die Batterien beschädigt, aber der Rauch begann erst 10 Tage später", meldete Octave Klaba, Gründer und Vorsitzender von OVH, auf Twitter. Der nun betroffene RZ-Teil werde nicht mehr in Betrieb genommen. Stattdessen sollen die Server zu anderen OVH-RZs verlagert werden.

EPD-Betreibergesellschaft Axsana ist in finanzieller Schräglage

Das elektronischen Patientendossiers (EPD) hätte laut Gesetzgebung bis Mitte April 2020 bereit sein müssen. Nun ist es immer noch nicht live. Dafür ist die langwährende Geschichte über dessen Einführung ein Kapitel reicher. Es findet sich im Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Kantonrats Zürich. Dort heisst es, die Gesellschaft Axsana befinde sich in einer prekären finanziellen Situation. Diese betriebt eine der Stammgemeinschaften, die im dezentralen Projekt regional die EPD anbieten. Axsana befindet sich je zur Hälfte in Besitz der öffentlichen Hand und von Verbänden von Spitälern und Ärzten. Genaueres zur finanziellen Schräglage findet sich im Bericht nicht. Dort heisst es zur noch laufenden Prüfung, die GPK bringe "ihre Besorgnis über die Intransparenz" sowie "der eng begrenzenten Steuerungsmöglichkeiten des Kantons zum Ausdruck". Dennoch soll es nun neues Geld geben. Die 8 beteiligten Kantone gewähren der Gesellschaft 1,7 Millionen Franken als rückzahlbares Darlehen.

Elektronisches Impfbüchlein: Schuldzuweisungen und Hilfsangebote

Kürzlich wurde aufgedeckt, dass die Plattform "meineimpfungen.ch" mindestens 9 Lücken in der Benutzeroberfläche aufweist. In der Folge wurde der "schweizerischen elektronischen Impfausweis" vom Netz genommen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bedauert die Datensicherheitslücken. Die Verantwortung für den Fehler trage aber die private Stiftung, welche das schweizerische elektronische Impfbüchlein anbietet und betreibt. Insgesamt flossen bisher 2,15 Millionen Franken in den Ausbau, die Werbung und den Unterhalt der Seite. Mittlerweile haben sich diverse Kritiker aber auch Helfer zu Wort gemeldet. Nach dem "Grounding" brauche es nun innerhalb von drei Monaten eine neue Lösung, sagte etwa FDP-Nationalrat Marcel Dobler (SG), Vizepräsident der ICT-Standortinitiative Digitalswitzerland.

Online-Apotheke Zur Rose sucht CTO

Die Zur Rose Group will sich zu einer Tech-Company wandeln und sucht dafür einen CTO. Wie die Online-Apotheke auf Anfrage bestätigte, wird die Stelle neu geschaffen. Der Stellenausschreibung ist zu entnehmen, dass der oder die künftige CTO in der Geschäftsleitung angesiedelt sein wird. Erwartet wird von der neuen Führungskraft, dass sie die Tech-Organisation der Zur Rose Group auf das nächste Level hebt. Gesucht wird dafür eine "Inspirationsfigur", die einen "Silicon Valley Spirit" implementiert. Das Aufgabenfeld umfasst unter anderem die Definition der gruppenweiten Ziele der IT-Architektur und die Umsetzung der Tech-Governance "mit dem Fokus auf eine unternehmerische, kundenorientierte und visionäre Entwicklung des Geschäfts". Ausserdem soll eine flexible, sichere und skalierbare Konzernplattform für die Geschäftsbereiche E-Commerce, Marketplace, Professional Services, PaaS und Ökosystemlösungen aufgebaut werden.

Solarwinds: Hacken Montag - Freitag, 8 - 20 Uhr

Die Schweizer Cybersecurity-Firma Prodaft hat nach eigenen Angaben auf die Server einer Hackergruppe zugegriffen, die mit dem Solarwinds-Angriff in Verbindung stehen soll. Die Gruppe wird "Silverfish" genannt und sei nachwievor aktiv. Gefunden habe man eine "extrem ausgeklügelte Cyber-Attacke" einer "extrem gut organisierten Hackergruppe" auf 4720 Ziele in Nordamerika, Australien und Europa. Zu den erfolgreich kompromittierten Behörden und Firmen gehören laut Prodaft eine US-Behörde mit drei Buchstaben als Namen, mindestens 5 weltweit führende IT-Hersteller und Lösungsanbieter, drei Polizei-Netzwerke, mindestens 4 weltweit anerkannte IT-Security-Anbieter, Dutzende von Finanzdienstleistern, Flughafenbetreiber, einer der weltweit führenden Hersteller von Covid-19-Tests und andere mehr. Es handle sich samt und sonders um Ziele im Bereich kritische Infrastruktur, darunter aus 6 europäischen Ländern.

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