Die IT-Woche 40

8. Oktober 2021, 15:24
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Schwachbrüstige PCs, mangelnde IT-Ressourcen, falsche Netzwerkkonfigurationen und KI-Verbote sorgten für Diskussionsstoff in der Schweizer IT-Welt.

Windows 11 läuft doch auf schwachbrüstigen PCs

Microsofts neues Betriebssystem stellt hohe Hardware-Anforderungen, so dass Windows 11 auf vielen Computern gar nicht installiert werden kann. Wir hatten berichtet, dass knapp die Hälfte aller Firmenrechner dementsprechend noch nicht "fit" für eine Installation ist. Auf einer neu veröffentlichten Supportseite raten die Redmonder nach wie vor ausdrücklich vor einer Installation von Windows 11 auf Rechnern ab, die die Minimalanforderungen nicht erfüllen. Konkret schreibt Microsoft, dass Geräte, die "trotz fehlender Hardware-Ressourcen auf Windows 11 upgedatet werden, die Garantie auf weitere Updates inkl. Security verlieren können." Dennoch liefert Microsoft nun eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie das neue Betriebssystem auch trotz nicht erfüllter Minimalanforderungen installiert werden kann. Notwendig ist demnach ein kleiner Hack in der Registry.

Mangelnde IT-Ressourcen verzögern Armee-Projekt

Die Fertigstellung des Flugfunk-Bodensystems 2020 (FBS) der Armee verzögert sich und wird an einem Standort gar sistiert. Der Grund: Probleme mit IT-Ressourcen und -Koordination. Das System wird für die Sprachkommunikation zwischen zivilen und militärischen Flugzeug-Besatzungen und den Partnern am Boden genutzt. In der Armeebotschaft 2018 sind dafür 126 Millionen Franken budgetiert, wie einem Bericht der Finanzkontrolle zu entnehmen ist. Diese ortet "dringenden Handlungsbedarf" bei Portfolio-Management, Informatik-Koordination und integrierter Gesamtplanung. In ihrem Bericht konstatiert die EFK, dass der IT-Dienstleister der Armee FUB neben einer nicht erfolgten Abnahme des Systems auch fix zugesicherte Ressourcen nicht geliefert habe. Aus ihrer Sicht sei es "befremdlich, dass die fehlenden finanziellen Mittel der FUB zur Beschaffung geplanter und dringender externer Ressourcen erst nach massiven negativen Auswirkungen auf einzelne Projekte beim Armeestab und der Armeeführung thematisiert werden", heisst es schliesslich deutlich.

Falsche Netzwerkkonfiguration setzte Facebooks Services ausser Gefecht

Ein stundenlanger Ausfall von Facebook, Instagram und Whatsapp diese Woche geht auf einen Netzwerkfehler zurück. Dies gab Facebook per Blogpost bekannt. Demnach mussten für sämtliche Dienste des Techkonzerns fehlerhafte Konfigurationen angepasst werden. Der Komplettausfall für die rund 3,5 Milliarden Nutzer sei entstanden, weil die Änderung die Backbone-Router betraf, die für den Verkehr zwischen den Rechenzentren zuständig sind. Der Ausfall der Backbone-Server soll einen Kaskadeneffekt ausgelöst haben, eine Verbreitung der Störung über das gesamte Netzwerk. Nicht nur die Services für Kunden wurden davon in Mitleidenschaft gezogen, auch interne Tools und Systeme funktionierten nicht mehr, wie Facebook einräumt. Dies war offenbar auch der Grund, warum sich die Störung über mehr als 6 Stunden hinzog. Laut Aussagen eines Facebook-Mitarbeiters musste man auf Linkedin, Zoom oder Discord ausweichen.

EU-Parlament fordert klare Verbote beim KI-Einsatz

Die EU will den Einsatz von KI regulieren und hat dazu im April 2021 einen Gesetzesentwurf vorgelegt. Nun hat das Europäische Parlament in einer allerdings nicht bindenden Resolution für ein vollständiges Verbot der biometrischen Massenüberwachung gestimmt. Um Diskriminierung zu bekämpfen und das Recht auf Privatsphäre zu gewährleisten, fordern die EU-Abgeordneten strenge Regeln, was den KI-Einsatz in der Strafverfolgung angeht. Die Abgeordneten weisen etwa darauf hin, dass KI-gestützte Identifizierungssysteme bereits jetzt ethnische Minderheiten, LGBTI-Personen, ältere Menschen und Frauen in höherem Masse falsch identifizieren. Dies sei insbesondere im Zusammenhang mit der Strafverfolgung und der Justiz bedenklich.

Post übernimmt die SwissSign Group komplett

Die Post wird zur alleinigen Besitzerin der SwissSign Group. Bislang gehörten der Post 17% des auf digitale Identitäten spezialisierten Unternehmens. Bisher war es ein Joint Venture von bundesnahen Betrieben, Finanzunternehmen, Versicherungsgesellschaften und Krankenkassen. Der E-ID-Dienst von SwissSign werde bisher von über 1,6 Millionen Kundinnen und Kunden der Post als Login genutzt. Nun wolle man diesen Zugang in den eigenen Händen halten und weiterentwickeln, heisst es von der Post. Das staatsnahe Unternehmen wird mit der Übernahme zu einem führenden Anbieter in den Bereichen Identitäts-, Zertifikats- und Signaturdienstleistungen.

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