Die IT-Woche 48

3. Dezember 2021, 15:44
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Ein Datenklau bei Volvo, Mehrkosten für ein IT-Grossprojekt, die schwierige Suche nach IT-Forensikern und die E-Vignette sorgten für Diskussionsstoff in der Schweizer IT-Welt.

Ransomware-Bande meldet Angriff auf Autohersteller Volvo

In einer im Darknet veröffentlichen Mitteilung erklärte die Ransomware-Bande Snatch, die Volvo Car Corporation (VCC) angegriffen zu haben. Auf seiner von inside-it.ch eingesehenen Darknet-Website veröffentlichte sie Screenshots von angeblich gestohlenen Daten aus dem Volvo-Hack, aber noch keine Angaben zur Grösse des entwendeten Datensatzes. Auch eine Forderung an das Unternehmen hat Snatch nicht publiziert. Auf unsere Anfrage bestätigt Volvo den Angriff nicht, dementiert ihn aber auch nicht. In einem kurzen Statement heisst es: "Volvo Cars kommentiert keine Spekulationen über mögliche Cybersicherheitsangriffe, nimmt aber alle potenziellen Bedrohungen seiner Cybersicherheit und Diebstähle seines Eigentums ernst."

Noch 2 weitere Jahre mit der Klebe-Vignette

Laut der federführenden Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) ist die Einführung der E-Vignette "im Verlauf des Jahres 2023 geplant". Zwar werde es künftig auch noch eine Klebevignette geben, aber parallel dazu auch die elektronische Variante. Das Parlament habe in der Wintersession 2020 mit der Revision des Nationalstrassenabgabegesetzes den Weg freigemacht für die Einführung der freiwilligen E-Vignette, so die EZV. Neu sei bei der E-Version, dass die ans Kontrollschild statt ans Fahrzeug gebunden sei. Bezogen werden könne sie "voraussichtlich über einen Webshop". Fragt sich, wieso sich die für 2022 versprochene E-Vignette nun nochmals verzögert. Die EZV dazu: Man habe "stets kommuniziert, dass die elektronische Vignette frühestens 2022 erhältlich sein wird. In der Zwischenzeit hat sich der Zeitplan konkretisiert".

Kanton Bern schafft rechtliche Grundlagen für digitale Verwaltung

Der Kanton Bern und die bernischen Gemeinden sollen elektronisch kommunizieren. Der Grossrat hat das Gesetz über die digitale Verwaltung einstimmig angenommen. Dieses verankert als Zielsetzung, dass die Abläufe der Behörden im Kanton schrittweise und möglichst vollständig digitalisiert werden. Das "Primat des Digitalen" stiess im Grossrat auf breite Zustimmung. Dadurch solle die Kommunikation einfacher, schneller und effizienter werden, lautete der Tenor. Dazu gehört etwa die Regelung, wonach Personendaten soweit möglich für alle Behörden nur einmal erhoben werden sollen. Zwar besteht kein Rechtsanspruch darauf, allgemeine Behördeninformationen – wie zum Beispiel Gesetze – auf Papier zu erhalten. Doch kann jede Person eine Papierkopie verlangen, wenn sie glaubhaft macht, dass ihr die Einsicht in die digitale Form nicht möglich oder nicht zumutbar ist.

ASALfutur kostet weitere 14 Millionen mehr – Projekt­ende endlich in Sichtweite

Im Oktober 2022 soll ASALfutur eingeführt werden; der Projektabschluss ist für 2023 geplant. Werden die Termine eingehalten, werden die IT-Systeme der Arbeitslosenversicherung nach 29 Jahren tatsächlich noch abgelöst. Wie die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in ihrem aktuellen Bericht feststellt, wird das 2013 gestartete Projekt ASALfutur aber nochmal 14 Millionen teurer. Die Mehrkosten sind laut EFK unter anderem auf zusätzliche Anforderungen, das Heranziehen externer Spezialisten und die Pandemie zurückzuführen. Nach aktuellem Wissensstand hat die Ablösung der IT-Systeme, über die seit 1993 Leistungen an Arbeitslose oder Kurzarbeitende ausbezahlt werden, bereits an die 150 Millionen Franken gekostet, wie diverse Zuschläge aus der Vergangenheit zeigen. ASALfutur wird mindestens 5-mal teurer als ursprünglich geplant: Das unter dem Namen ASALneu gestartete Projekt hätte eigentlich nur 22 Millionen Franken kosten sollen.

Cybercrime-Zentrum Baselland: "Suche nach geeigneten Personen ist schwierig"

Die Baselbieter Polizei sucht zwei Teamleiter für die IT-Forensik ihres Kompetenzzentrums Cybercrime. Dieses hatte bereits Anfang April 2020 seinen Betrieb aufgenommen, nachdem das kantonale Parlament jährliche Ausgaben von 2,1 Millionen Franken bewilligt hatte. Richtig in die Gänge kam die Rekrutierung für das Zentrum vorerst allerdings nicht und das Problem besteht offenbar weiter. Mittlerweile ist das Zentrum zwar auf 14 Positionen aufgestockt, wie dies in der Vorlage des Parlaments vorgesehen ist. Ein Polizeisprecher räumt auf Nachfrage allerdings ein: "Die Löhne wurden nicht angehoben und die Suche nach geeigneten Personen gestaltet sich schwierig. Bis jetzt konnten insbesondere jüngere Personen gewonnen werden, welche den Teamgeist im Kompetenzzentrum Cybercrime sehr schätzen sowie eine spannende und erfüllende Tätigkeit bevorzugen." Wie lange das funktioniere, müsse sich weisen, so der Sprecher. Nun werden erfahrene IT-Forensiker für die Kaderpositionen gesucht.

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