Die IT-Woche 51

18. Dezember 2020, 16:50
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Ein grosser Google-Ausfall, ein Malware-Angriff, Outsourcing und das IT-Unwort des Jahres sorgten für Diskussionsstoff in der Schweizer IT-Welt.

Der Grund für den grossen Google-Ausfall

Am 14. Dezember fielen international viele Services von Google aus. Fast eine Stunde waren etwa Google Drive, Gmail und Google Calendar für Dutzende von Millionen User weltweit nicht zu erreichen. Laut der Status-Page von Google wurden weltweit sowohl die Google Cloud Platform als auch Google Workspace für 50 Minuten in Mitleidenschaft gezogen. Der Konzern teilte am Tag darauf den Grund mit: Das Tool, das den Authentifizierungs-Systemen automatisch Speicherkontingente zuweist, hat nicht korrekt funktioniert. Nachdem die Authentifizierungs-Systeme die Speichergrenze erreicht hätten, habe das Tool diesen nicht automatisch mehr Platz eingeräumt. Die Folge: Die Authentifizierungs-Systeme fanden keinen freien Speicher mehr und versagten ihren Dienst. Worauf man nicht mehr auf die Services zugreifen konnte, für die man sich authentifizieren musste. Betroffen waren demnach auch Dienste, die nicht von Google selbst angeboten werden, aber auf deren Authentifizierung setzen.

Huber + Suhner von Cyberattacke lahmgelegt

Huber + Suhner, Hersteller von Steckern und anderen Komponenten für optische und elektronische Netzwerke, wurde in der Nacht auf den 14. Dezember von einer Cyberattacke getroffen und weitgehend lahmgelegt. Erpresser behaupten, über Daten der Firma zu verfügen; die Firma sagt, es gebe keine Beweise dafür. Nachdem der Angriff entdeckt wurde, habe man weltweit sämtliche Arbeitsstationen via die zentrale IT deaktiviert und die Produktion in allen Werken unterbrochen. Nur wenige Tage später war das Unternehmen daran, in Zusammenarbeit mit dem Outsourcing-Partner für IT-Infrastruktur und weiteren Experten alle deaktivierten Systeme weltweit etappenweise zu prüfen und wieder in Betrieb zu nehmen.

VP Bank sourct Teile der IT aus

Die VP Bank sourct 2 Bereiche ihrer IT aus. Dies ist Teil der soeben verabschiedeten Gesamtstrategie 2026. Das Outsourcing umfasst sowohl die IT-Infrastruktur wie das Application Operation der VP Bank. Dabei will das Institut auf Cloud-Services und eine Open-Banking-Plattform setzen. Man wolle mit dem Outsourcing keine Kosten sparen, erklärt ein Banksprecher auf unsere Anfrage, sondern technologisch mithalten können. Das Ziel der Strategie sieht vor, die VP Bank zum Wealth Management Service Provider weiterzuentwickeln. "Die Technologien werden gezielt genutzt, um die Beziehung zwischen dem Kunden und der Bank zu intensivieren und das Kundenerlebnis zu erhöhen."

Ist "Agile" das richtige ICT-Unwort 2020?

Unsere Leser finden mit klarer Mehrheit, "Agile" sei "überbewertet, für jeden Quatsch aufgeführt, eine Ausrede für eine nicht existente Definition und ein Freipass zum Chaos." Deshalb haben sie es zum "ICT-Unwort 2020" gewählt. "Die Wahl überrascht mich ehrlich gesagt nicht", sagt Mischa Ramseyer von Pragmatic Solutions. Der Agile-Experte ist nicht ganz allein, das zeigen die Antworten von 5 weiteren Schweizer Fachleuten. Konsolidiert man die Erfahrungen und Erläuterungen der erfahrenen Agile-Coaches, -Dozenten und -Anwender lautet das Fazit: Wer nicht aufpasst und nachdenkt beim Einsatz von Agile-Methoden, kann so ziemlich alles falsch machen, was man falsch machen kann. Aber das ist auch beim klassischen "Wasserfall" so. Wer das "Agile Manifest" liest, findet darin vielleicht auch ein Grundprinzip, das aus der 2020er-Frustration helfen könnte: "In regelmässigen Abständen reflektieren, wie man effektiver werden kann und sein Verhalten entsprechend anpassen."

10?! Dirk Lindemann, Direktor des BIT

Monatlich beantworten namhafte Schweizer IT-Persönlichkeiten 10 Fragen, die man ihnen selten oder gar nicht stellt. Dieses Mal gab uns Dirk Lindemann, Direktor des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation, Auskunft. Der erfahrene Bundesinformatik-Chef erklärt einiges über die Zukunft des CIO, das Tempo des Wandels und das CC in Mails. So sagt er etwa zu überschätzten Technologien: "Ich würde hier Blockchain nennen. Nicht weil die Technologie an sich nicht überzeugen würde, sondern weil der Nutzen erst entsteht, wenn sich unterschiedliche Partner, die bisher allenfalls noch nie zusammengearbeitet haben, zusammenschliessen, um daraus gemeinsam Nutzen zu ziehen. Daher braucht es immer jemanden, der an die Sache glaubt und Vorinvestitionen tätigt, auch wenn der Nutzen dann an einer anderen Stelle entsteht. Nur, wer macht den ersten Schritt?"

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