Die IT-Woche 6

7. Februar 2020 um 16:30
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Die E-ID, eine peinliche Microsoft-Panne und eine Cyberattacke bei Bouygues sorgten in der Woche 6 für Diskussionsstoff in der Schweizer IT-Welt.

Das lange Warten auf die E-ID

Das Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E-ID) kommt vor das Volk. Der Gesetzesentwurf sorgt bereits seit längerer Zeit für Diskussionen. Im Zentrum steht die Verteilung der Aufgaben zwischen Staat und Wirtschaft. Das Bundesgesetz sieht staatlich anerkannte elektronische Identifizierungsmittel vor, die von privaten Unternehmen herausgegeben werden können. Die Initianten des Referendums argumentieren, dass die Sicherung der Identität eine staatliche Kernaufgabe bleiben und nicht in die Hände von privaten, profitorientierten Unternehmen fallen soll. In der Schweiz bündelt die Schweizerische Informatikkonferenz (SIK) die Interessen der IT-Organisationen der öffentlichen Verwaltungen von Bund, Kantonen, Städten und Gemeinden. Wir haben mit SIK-Geschäftsleiter Urs Jermann über die E-ID gesprochen.

Ransomware: Kommunikation bei Bouygues noch immer lahmgelegt

Letzte Woche legte eine Cyberattacke die Kommunikation des Baukonzerns Bouygues lahm. Betroffen sind auch die rund 5700 Mitarbeiter der Tochterfirmen in der Schweiz. In einem internen Schreiben ist die Rede davon, dass mit Priorität an der Wiederherstellung des Outlook-Messagings sowie dem Zugriff auf die Dokumentendatenbank und Applikationen gearbeitet werde. Die Ransomware wurde am 30. Januar entdeckt. Mittlerweile haben sich offenbar auch die Urheber der Attacke gemeldet: Eine Gruppe von Hackern hat Berichten zufolge ein Lösegeld von 10 Millionen Dollar gefordert und gedroht, Dokumente zu veröffentlichen. Die Gruppe, die behauptet, hinter den Angriffen zu stehen, war bislang vor allem in den USA, Italien und Deutschland aktiv. 

Der technische Betreiber von Edulog heisst Elca

Für gut 1,7 Millionen Franken hat sich Elca den technischen Betrieb, den Unterhalt der Schnittstellen und die Integrationsleistungen von Edulog gesichert. Edulog ist Teil der Digitalisierungsstrategie der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). In das System sollen zwischen 1,1 bis 1,5 Millionen digitale Identitäten sowie einige Hundert Identitäts- und Dienstleistungsanbieter integriert werden können. Mit Beginn des neuen Schuljahres im kommenden Sommer werden die ersten fünf Kantone das neue System nutzen. Laut EDK sollen in drei Jahren alle Kantone auf Edulog setzen. Allerdings können die Kantone selbständig bestimmen, ob und wann sie es einsetzen.

Peinliche Panne lässt Microsoft Teams mehrere Stunden ausfallen

Am Nachmittag des 5. Februars ist Microsoft Teams für mehrere Stunden ausgefallen. Der Konzern hatte offenbar vergessen, ein Security-Zertifikat zu verlängern. In der Folge des abgelaufenen TLS-Zertifikats konnten die Apps keine HTTPS-Verbindung mehr zu den Servern herstellen. Berichte zufolge konnte die Chatfunktion nicht mehr verwendet werden, während andere Dienste wie Mail, Kalender oder auch Office noch funktionierten. "Wir haben festgestellt, dass ein Authentifizierungszertifikat abgelaufen ist, was zu Problemen bei der Nutzung des Dienstes geführt hat", so Microsoft auf Twitter. Einige Stunden später konnte Redmond das Problem lösen, doch kostete die peinliche Panne einige Häme auf Twitter.

Neuer Leitfaden für Verwendung von OSS in der Verwaltung

Das Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) hat die "IKT-Teilstrategie Open Source" aus dem Jahr 2005 überarbeitet. Der neue "Strategische Leitfaden Open Source Software in der Bundesverwaltung" bietet Hintergrundwissen und gibt Empfehlungen für die Nutzung und Weiterverbreitung von OSS ab. Beispielsweise wird auf die Themen Support, verschiedene Lizenz-Formen oder die User-Akzeptanz eingegangen. CH Open begrüsst den neuen Leitfaden. Der Verein zeigt sich erfreut, dass gemäss Praxisleitfaden die Bundesstellen bis auf weiteres eigenständig über die Freigabe von Open Source Software entscheiden können, womit die heutige Praxis formell als korrekt bestätigt wird.

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