Die Notebook-Revolution kommt aus Chur

28. Oktober 2008, 16:47
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Jannis Widmers Dreamcom lanciert ein Notebook mit einzigartiger Ergonomie. Der Clou: Der Bildschirm kann in der Höhe verstellt werden.

Jannis Widmers Dreamcom lanciert ein Notebook mit einzigartiger Ergonomie. Der Clou: Der Bildschirm kann in der Höhe verstellt werden.
Jannis Widmer (Foto) ist ein Mann, der noch Träume hat. Die Verwirklichung seines Traums, nämlich Notebooks zu entwickeln und herzustellen, braucht Geld - viel Geld. Dass er dieses Geld gefunden hat, ist ein Wunder. Doch die Geschichte von vorne:
Widmer startete 1999 im zarten Alter von neunzehn und mit der väterlichen Unterstützung von PC-Guru Röbi Weiss den Vertrieb von NEC-Notebooks in der Schweiz. Der Versuch scheiterte, denn die Schweiz war dem japanischen Riesen zu klein und und zu unwichtig, um die passenden Produkte rechtzeitig zu liefern.
2004 stellte Widmer dann auf Assemblierung um. Notebook-Assemblierer kaufen so genannte "Barebones" (fertige Notebooks ohne Harddisk und Prozessoren) und bestücken diese dann noch mit einigen wenigen Komponenten. Der Differenzierungsfaktor zu den etablierten Marken ist gering - entscheidend ist der Preis.
Doch Widmer wollte nicht assemblieren, er wollte herstellen, also beim Engineering und Design der Geräte mitreden. Die Entwicklung eines Notebooks braucht Zeit und Geld. Geld fand Widmer nach mühevoller Suche - wer glaubt schon daran, dass eine Schweizer Kleinfirma erfolgreich Computer entwickeln und vermarkten könne? - bei drei reichen Privatinvestoren und im Venture-Capital-Arm der Zürcher Kantonalbank. Zeit - sprich Engineering-Kapazitäten - fand er bei der taiwanischen Firma Wistron, einer der weltweit nur noch vier grossen Notebook-Fabrikanten. Mit von der Partie war auch Hartmut Esslinger, der Gründer des kalifornischen Entwicklungsbüros Frog Design. Insgesamt 50 chinesische Ingenieure haben an der Entwicklung des ersten ergonomischen Notebooks der Welt während 18 Monaten gearbeitet, erzählte Widmer gestern an einer Medienveranstaltung in Zürich.
Laptop und trotzdem aufrecht sitzen
Der Clou am "Dreacom 10", wie die erste Serie heisst, ist der in der Höhe verstellbare Bildschirm. Dieser ist an einer Schiene befestigt und kann - nicht ganz mühelos zwar - auf Augenhöhe geschoben werden.
Damit ist eines der grossen Probleme vieler Leute, die keinen festen Arbeitsplatz haben, zum Beispiel Berater, gelöst: Man kann an seinem Notebook arbeiten ohne dauernd nach unten blicken zu müssen und sich langsam aber sicher Rückenprobleme einzuhandeln.
Raffinierte, aber schwere Dockingstation
Eine weitere gute Sache ist die leichte Zugänglichkeit der Harddisk und der Batterie. Die HD kann entnommen werden, ohne dass man das Gerät öffnen müsste. Zum "Dreamcom 10" gibt es zudem eine ebenfalls einzigartige Dockingstaton. Diese hat ein Drehgelenk, womit man das Notebooks wie zwei gegeneinander gelehnte Spielkarten aufstellen kann (kleines Bild Startseite). Zudem hat die Docking-Station Platz für zwei weitere Harddisks, eine Zusatz-Batterie und Slots für ExpressCards und zusätzliche Videoanschlüsse (HDMI und SPDIF).
Die technische Raffinesse hat aber ihren Preis: Das Dreamcom 10 ist nicht eben leicht: Fast fünf Kilogramm wiegen Computer und Dockingstation zusammen. Ausserdem hält die Batterie nicht sehr lange, nämlich nur gerade zweieinhalb (Test von c't) bis drei (Firmenangaben) Stunden.
Schön grosse Schalter und andere Goodies
Ebenfalls gefallen haben uns die schön grossen Schalter oberhalb der Tastatur. Da gibt es zwei für das Ein- oder Ausschalten einer Internet-Telefonieverbindung (Skype, Cisco, Alcatel) und je einen für die drahtlosen Verbindungen.
Ebenfalls integriert ist ein Fingerabdruck-Leser und das Gerät hat einen Chip für die Datenverschlüsselung. Zudem hat das Notebook einen Slot für die PIN-Karte eines Mobilfunkbetreibers, kann also auch über UMTS / HSDPA auf das Internet gelangen. In Deutschland gibt es diese Option zusammen mit einer Karte von T-Mobile. Ob ein solches Bündel mit einem Schweizer Mobilfunkanbieter zustande kommt, ist noch nicht klar. Er stehe in Verhandlungen, sagte Widmer gestern.
Modelle und Preise
Bis heute gibt es drei Modelle des "Dreamcom 10": "Home", "Business" und "Professional", die günstigste Version soll 2'499 Franken kosten, während die teuerste auf 3'499 zu stehen kommt. Eine separate Dockingstation kostet in Deutschland 199 Euro, der Schweizer Preis ist noch nicht festgelegt.
Winzige Firma, Produktion in China
Dass der unter dreissig-jährige seinen Traum eines "eigenen" Notebooks verwirklichen konnte, ist eine Art Schweizer Industriewunder. Doch "herstellen" heisst nicht "produzieren". Dreamcom hat gerade mal je vier Mitarbeitende in Chur und Deutschland sowie drei in Taiwan. Produziert wird das Gerät in China in der Nähe von Shanghai. Auf die Frage, ob er die Arbeitsbedingungen kenne, unter denen das Notebook seiner Träume hergestellt wird, gibt Widmer ehrlich Auskunft. Die Bedingungen bei Wistron selbst seien recht gut und die kenne er auch. Doch wie es um die Arbeitsplätze der Zulieferer der über 3000 Komponenten eines Notebooks bestellt sei, das könne er unmöglich kontrollieren. (Christoph Hugenschmidt)

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