"Die Orbit ist ein Gemischtwarenladen"

15. Mai 2009, 12:41
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Wenig Trauer um die Orbit bei den Ausstellern. Neuer 'Community36-Event wird interessiert, aber kritisch beäugt.

Wenig Trauer um die Orbit bei den Ausstellern. Neuer 'Community36-Event wird interessiert, aber kritisch beäugt.
Am letzten Tag der diesjährigen Orbit ging es heute morgen noch einmal rund zu und her. Zumindest am Eingang für Mobile-Ticket-Besitzer staute sich der Besucherverkehr zeitweilig - bis jeder den QR-Code auf seinem Handy wiedergefunden hatte. Fragt man die Aussteller, dann ist die Besucherzahl allerdings gering. So gering, dass sich viele ernsthaft überlegt haben, ob sie nächstes Jahr überhaupt wieder an der Orbit oder deren Nachfolgeveranstaltung auftreten sollen. Mit der Ankündigung von Orbit-Chef Giancarlo Palmisani von gestern abend, die Orbit in der heutigen Form aufzugeben', einen "Event" mit einer Dauer von 36 (Nonstop-) Stunden aufzuziehen, sehen diese Überlegungen, zumindest bei einigen, wieder anders aus.
Klar ist, dass die wenigsten Aussteller der Orbit nachtrauern. Zwar sei es schade, dass die einst so stolze IT-Messe nun von der Bildfläche verschwinde, doch das habe sich seit längerem abgezeichnet, so der allgemeine Tenor. Ein namentlich nicht genannt sein wollender Exponent eines ERP-Herstellers sagte denn auch, dass einzig und allein ein noch laufender, mehrjähriger Vertrag der Grund dafür sei, dass man überhaupt noch präsent ist. Schliesslich sei die Messe heute mehr denn je ein Gemischtwarenladen und verweist dabei auf den Massanzug-Macher, den "Entkalker" und den Massagematten-Anbieter in den Messehallen. Und verglichen mit der Topsoft sei die Anzahl der Leads an der Orbit verschwindend klein. Dafür habe es umso mehr Trophäen-Sammler, Rentner und - Journalisten.
Nicht ganz so tragisch sieht es Viktor Kaiser vom Spreitenbacher Softwarehersteller ISCL. Zwar spürt auch er einen Rückgang der Interessenten, dafür schätzt er die Einbettung seines Stands in den Startup-Themenpark des Instituts für Jungunternehmer. Die Besucher des Themenparks seien nämlich sehr viel Technologie-affiner als das "normale" Publikum. 'Community36' sieht er aber als "Aufbruch zu etwas neuem", denn es sei "offensichtlich, dass das Messekonzept durch etwas neues abgelöst werden müsse".
Der Personalvermittler Hays schlägt in die gleiche Kerbe. "Nach dem bisherigen Verlauf der Messe freuen wir uns, dass es ein neues Konzept gibt, mit der die Messe neu durchstarten will", so Oliver Wippich, Supervisor Recruitment Management bei Hays. Man sei zwar aufgrund der Erfahrung des letzten Jahres auf die sinkende Besuchergunst vorbereitet gewesen, trotzdem ist Wippich nicht wirklich zufrieden. Die angekündigte 'Community36' werde man aber sicher auf Kosten und Nutzen prüfen.
"Nicht euphorisch, aber sehr zufrieden", zeigt sich hingegen Michael Schmidt, Country Manager Switzerland von Citrix. "Sehen Sie sich um, wir haben viele Interessierte an unserem Stand", sagt Schmidt und zeigt stolz auf die tatsächlich in grossem Masse besetzten Stände der dreizehn Partner, die in den Citrix-Stand integriert sind. Und er macht auch bereits Zukunftspläne: Sollte 'Community36', wie angekündigt, tatsächlich auch während der Nacht stattfinden, will er ein Server-Stress-Tests und "viel spannendes mehr" durchführen. Auf dass die Technik-Geeks kein Auge mehr zu tun… (Tom Brühwiler)

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