Die Revision der GeBüV ist in der Politik angekommen

17. Januar 2022, 14:29
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Jetzt ist der Bundesrat gefragt. Er soll laut einer Motion der Kommission des Nationalrats die Digitalisierung der Buchführung in KMU erleichtern.

Die Diskussion um die vollständige Digitalisierung der KMU-Buchhaltung ist nun beim Bundesrat angekommen. Eine Motion der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats fordert die Geschäftsbücherverordnung (GeBüV) anzupassen, um die Digitalisierung der Buchführung zu erleichtern.
Für einmal scheint es schnell zu gehen, denn problematisiert wurde das Thema erst durch eine Petition im letzten Sommer. Damals hat Thomas Brändle, der Gründer und CEO des Buchhaltungs-Software-Spezialisten Run my Accounts, eine entsprechende Petition lanciert. Am 11. November 2021 war der von 759 Unterzeichnern mitgetragene Vorstoss im Bundeshaus abgegeben worden. Mit an Bord der Schweizer Verband für Rechnungslegung und Controlling, Swiss Fintech und der Wirtschaftsverband Swico, so Brändle damals in einem Blog-Beitrag.
Bereits in der Wintersession nahm sich nun die Politik des Themas als Motion an. Dabei war Brändle als Experte für die Formulierung der Motion zugezogen worden, bestätigt er in einem kurzen Telefonat gegenüber inside-it.ch.
Und wenn es so weitergeht, können die Änderung schon bald vorgenommen sein. So bestätigt FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger als Mitglied der Kommission für Rechtsfragen, dass aktuell vorgesehen sei, die Motion in der anstehenden Frühjahrssesseion zu behandeln. Da die Anpassungen eine Verordnung betreffen, bestehe auch die Möglichkeit, dass der Bundesrat die GeBüV-Anpassungen von sich aus vornimmt. Ob das geschieht, sei derzeit aber noch offen. Falls das geschehe, wäre die Motion hinfällig und müsse nicht mehr durch die parlamentarischen Mühlen.
So verwundert es nicht, dass die Motion der Petition in weiten Teilen entspricht. Konkret geht es darum, durch die GeBüV-Revision eine KMU-taugliche digitale Version der Buchhaltung zu ermöglichen. "Unterlagen sollen ohne digitale Signatur oder ähnlichen Verfahren auf veränderbaren Datenträgern aufbewahrt werden können, sofern der Nachweis des Ursprungs und der Unverändertheit über die Grundsätze ordnungsmässiger Buchführung" erbracht werden kann, fordert die Kommission. Eine digitale Signatur von Belegen oder der Einsatz ähnlicher Verfahren sollen freiwillig sein, heisst es in der Motion weiter.
Das heute geforderte Verfahren zur Digitalisierung der Buchhaltung sei für die "meisten KMU zu teuer, zu komplex und zu riskant". Nur ganz wenige KMU seien finanziell, organisatorisch oder technisch in der Lage, einen digitalen Archivierungsprozess der den aktuellen Anforderungen würde, zu betreiben.
Brändle hatte die hier angesprochen Problematik gegenüber inside-it.ch so erklärt: Selbst weitverbreitete KMU-Buchhaltungs-Software würden nicht über die fürs GeBüV-konforme Speichern nötige Scan-Lösung mit dem entsprechenden Datenmanagement verfügen. Das Verfahren dafür aufzugleisen, koste mehrere zehntausend Franken.
Brändle resümiert denn auch, dass die heutige GeBüV die Digitalisierung der Buchhaltung verhindert. An diesem Punkt setzt auch der Auftrag an den Bundesrat an. Denn die digitale Buchhaltung eröffne den KMU erhebliches Potential und könne den Standort Schweiz stärken, meinen die Motionäre.
Sie nennen insbesondere 3 Vorteile: Würden Belege digital ausgetauscht, könnte in der Buchhaltung wesentlich mehr automatisiert werden. Das verringere die Administrationskosten deutlich. Zudem könnten finanzielle Informationen anhand digitaler Belege einfacher, schneller und präziser aufbereitet werden. "Die so geschaffene finanzielle Transparenz erlaubt es, wichtige Entscheidungen über die Zukunft des KMU auf einer solideren Zahlenbasis zu fällen". Schliesslich verweist die Motion noch darauf, dass der Papierverbrauch reduziert und die Umwelt weniger belastet werde.

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