Die Schattenseiten der Open-Source-Welt

26. März 2020, 15:20
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Aufruhr im JavaScript-Ökosystem, weil der Hauptentwickler für die zentrale Komponente CoreJS offenbar hinter Gitter sitzt.

Seit Anfang Jahr steht die Frage im Raum, wie es mit CoreJS weitergehen soll. Die zentrale Javascript-Komponente für Projekte wie Angular hat ihren Hauptentwickler verloren. Dieser wandert laut dem 'Linux Magazin' wegen eines Verkehrsdelikts ins Gefängnis.
Zwar würden laut Github 75 Menschen offiziell an dem Projekt arbeiten, doch zeige eine Detailanalyse, dass es nur einen Hauptentwickler namens Zloirock gebe. Bei den anderen Helfern handle es sind mehr oder weniger um einmalige Codebeiträger. Damit stünden nun viele Projekte und indirekt Millionen von Nutzer, die CoreJS als eine Kernkomponente nutzten, vor einem ernsthaften Problem.
Auf 'entwickler.de' wird Zloirock mit dem Klarnamen Denis Pushkarev vorgestellt. Er habe bereits am 11. Januar in einer Diskussion auf Github mitgeteilt, in den nächsten Tagen ins Gefängnis zu müssen, weil er nicht die "notwendigen Geldmittel" auftreiben konnte, um die Haftstrafe zu vermeiden.

Der Fall zeigt ein typisches Open-Source-Dilemma

CoreJS biete sogenannte Polyfills an, wird erklärt, die eine neue Funktionalität per Workaround auch für ältere Browser verfügbar machten. Sie seien beispielsweise nötig, damit Angular auch in etwas älteren Browsern laufe. Es handle sich also um eine für Entwickler nicht besonders attraktive aber dennoch zentrale Bibliothek für Javascript-Projekte, umschreibt das 'Linux Magazin' die Bedeutung.
Der Ausfall des Maintainer von CoreJS illustriere ein typisches Open-Source-Dilemma: Viele Entwickler erwarten von unbezahlten Maintainern, ihr zentrales Projekt mitsamt seinen zahlreichen Abhängigkeiten im Alleingang permanent zu betreuen.
Noch deutlicher wird das Problem, wenn man weiss, dass der russische Entwickler von CoreJS mehrfach darauf hingewiesen hat, dass er eine Anstellung sucht. Zudem suchte er über Patreon Spender, die seine Arbeit finanzieren. Gegen diese massive Eigenwerbung hätten Entwickler auf Github protestiert, die Open Source für einen strikt nicht-kommerziellen Raum halten. Entwickler, die mit ihrem Code Geld verdienen möchten, seien fehl am Platz.
Also hätte Pushkarev das Projekt an andere übergeben müssen: "Doch auch das ist oft keine Lösung, wie die Zahl der verwaisten Projekte im Javascript-Umfeld zeigt", resümiert der Bericht im 'Linux Magazin'.
Wie es in Sachen CoreJS weiter geht, ist noch nicht ganz klar. Vorgeschlagen wurde, dass die OpenJS Foundation hilft. Diese hat sich 2019 unter den Fittichen der Linux Foundation gegründet und zählt als zahlende Mitglieder unter anderem Google, IBM, Microsoft und Joyent. Ob das geschieht, ist derzeit noch offen. Vorerst soll sich immerhin ein Entwickler mit Zugang zum Repository gemeldet haben, der etwas Zeit investieren will, um kritische Bugs zu reparieren und Updates zu ergänzen. Nur sei das auf Dauer keine Lösung, so das 'Linux Magazin'.

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