Die Schweiz liebt Microsoft

12. August 2010, 14:39
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Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser ist happy. "Seine" Schweizer Niederlassung schlägt den Konzern bei weitem. "Die Schweiz" kauft nun Microsoft-Produkte für mehr als einer Milliarde Franken. Pro Jahr.

Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser ist happy. "Seine" Schweizer Niederlassung schlägt den Konzern bei weitem. "Die Schweiz" kauft nun Microsoft-Produkte für mehr als einer Milliarde Franken. Pro Jahr.
Die Schweiz ist eine Goldgrube für den US-Software-Konzern Microsoft. Dies ging aus einigen Zahlen hervor, die der sichtlich stolze Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser (Foto) heute Morgen an einem Medienanlass in Zürich präsentierte.
Gemäss Waser schloss Microsoft Schweiz das Geschäftsjahr (per Ende Juni) wesentlich besser ab, als der Konzern und als andere, vergleichbare Länderniederlassungen in Europa. Microsoft Schweiz sei nun in Sachen Umsatz auf Rang sechs im EMEA-Raum (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) und auf Rang 14 aller Microsoft-Niederlassungen weltweit, sagte Waser. Damit dürfte die Schweiz das Land mit den weltweit höchsten Ausgaben für Microsoft-Produkte pro Kopf sein.
Gemäss Waser konnte Microsoft den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 15 bis 16 Prozent steigern. Die "Softies" setzten damit in der Schweiz nach unserer Schätzung etwa 1,1 Milliarden Franken um - pro Kopf der Bevölkerungen geben "wir" (Private, Firmen und Behörden) jährlich also etwa 140 Franken für Windows & Co. aus. Doch Microsoft kassiert nicht nur, Microsoft gibt auch aus. So beschäftigt der US-Konzern heute 500 Mitarbeitende in der Schweiz - mit steigender Tendenz. So sind aktuell 28 Stellen bei Microsoft Schweiz offen und bis Ende Juni 2011 will Waser total 53 zusätzliche Stellen besetzen. Ausserdem wollen die Redmonder (endlich) auch eigene Lehrlinge ausbilden, versprach Waser.
Starkes Wachstum im Government-Sektor
Besonders gut scheint es Microsoft Schweiz im öffentlichen Sektor zu gehen. Hier konnten Waser und seine Leute (und Microsoft-Partner) den Umsatz vor allem bei kleineren und mittelgrossen Behörden (Spitäler, Gemeinden) gemäss Waser um volle 33 Prozent steigern. Der langanhaltende Knatsch scheint den Wallisellern also nicht geschadet haben.
Überhaupt fällt die Diskrepanz zwischen Berichterstattung und Realität in Sachen Microsoft auf. Während wir Medien sich auf Flops wie Windows Vista konzentrieren, erobert Microsoft gewisse lukrative Märkte praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit. So konnte Microsoft gemäss Waser den Umsatz mit der Telekommunikations-Serverlösung OCS (Office Communication Server) im Enterprise-Segement (100 grösste Schweizer Firmen) um 70 Prozent (!) steigern.
Auch bei Datenbanken habe Microsoft Marktanteile gegenüber der Konkurrenz (IBM, Oracle) mit einem Umsatzwachstum von 11 Prozent gewonnen, sagte Waser. Eine Aussage, die wir nicht überprüfen können und die von Oracle und IBM wohl bestreiten würde.
Kostenlose Online-Software ab Oktober
Selbst im Online-Segment, in dem Microsoft bekanntlich Mühe bekundet, hat man in der Schweiz gemäss Waser Erfolg. So haben sich gemäss Waser 100'000 Menschen eine neue Hotmail-Adresse mit der .ch-Endung besorgt und fast alle (85 %) der hierzulande benützten Instant-Messaging-Clients stammten von Microsoft.
Wieviel Kunden in der Schweiz kostenpflichtige Online-Services - Microsoft unterscheidet zwischen IaaS (Infrastruktur-), PaaS (Plattformen-) und SaaS (Software-as-a-Service) benützen, sagten weder Waser noch Christoph Zogg, der bei Microsoft Schweiz für Entwickler und Betriebssysteme zuständig ist. Es seien in der Schweiz "mehrere hundert" Firmen, die eine Online-Version der Microsoft-Produkte mieten, so Zogg.
"Die Nachfrage wird auch in der Schweiz stark steigen. Doch es braucht Vertrauen," so Zogg. Dieses Vertrauen soll durch kostenlose Online-Dienste gesteigert werden. So gibt es ab Oktober eine kostenlose Online-Version von Microsoft Office ("Office Web Apps"). (Christoph Hugenschmidt)

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