Die Schweiz verzeichnet in der Pandemie einen Rekord an Startup-Investments

9. Dezember 2021, 15:14
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Eine neue Studie zeigt allerdings: Im internationalen Vergleich gerät die Schweizer Startup-Szene trotz einigen guten Aspekten ins Hintertreffen.

Die Coronakrise hat die Startup-Schweiz weniger hart getroffen, als zunächst befürchtet: Während die Neugründungen im Hightech-Sektor 2020 stabil blieben, nahmen die Gründungen in den ersten neun Monaten 2021 wieder um 5,1% zu. Dies steht in starkem Kontrast zur Finanzkrise nach 2008, die eine mehrjährige Flaute für das Startup-Ökosystem mit sich gebracht habe, heisst es im heute publizierten "Swiss Startup Radar".
Dennoch verzeichnen die Autoren der Studie eine Zurückhaltung bei den Neueintragungen in das Handelsregister: Nach dem Einbruch im Frühling 2020 habe es gedauert, bis die Zahlen wieder auf normalem Niveau gewesen seien. Und auch 2021 werde das Wachstum der Hightech-Gründungen hinter den Gründungen über alle Bereiche zurückbleiben, konstatieren sie. Zugleich sei auch die Anzahl der Konkurse im Sektor deutlich angestiegen: Während die Anzahl der Hightech-Unternehmen, die aus dem Handelsregister gestrichen worden sind, 2020 noch stabil blieb, zog sie 2021 deutlich an. Unter dem Strich schrumpfte die Zahl der im Bereich tätigen Jungunternehmen.
Zugleich stieg die Summe der Investments stark an, so dass der 2019 erzielte Rekord an Investitionen von 2,3 Milliarden Franken bereits in den ersten neun Monaten 2021 geknackt worden ist. Bloss: In vergleichbaren Nationalökonomien war der Trend noch stärker, so dass die Schweiz an Boden verloren hat. Und zwar fiel der Standort von Rang 5 im Jahr 2019 auf Rang 12 zurück. Gemessen wurden dafür die Risikokapital-Investitionen in Prozent der Wirtschaftsleistung eines Landes: Hier kommt die Schweiz noch auf unter 0,2%. Mögliche Gründe identifizieren die Autoren in der Abhängigkeit von ausländischem Kapital, das sich offenbar in der Krise und unter dem Eindruck der Reisebeschränkungen stärker auf den jeweils inländischen Markt fokussierte.
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Anzahl Investments nach Herkunft Investor Quelle: Pitchbook / Startupticker.ch / HEC Lausanne
Dafür haben sich Schweizer Investoren stärker beteiligt. Die Summe, der an Finanzierungsrunden beteiligten Schweizer Venture-Capital-Zusammenschlüsse und privaten Investments ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. In frühen Finanzierungsrunden steht die Schweiz auch sehr gut da. Dies wirkt sich aber nicht positiv auf das Wachstum der Firmen aus. Denn die Summen in späteren Finanzierungsrunden liegen deutlich tiefer als in Ländern wie Schweden oder Grossbritannien und Deutschland. Sprich: In den frühen Phasen der Firmengründung herrscht grosse Dynamik, während diese in den Wachstumsphasen erlahmt, was den Abstand zu vergleichbaren Ländern vergrössert.
Das Fazit der Autoren des Swiss Startup Radars ist klar: "Das Schweizer Startup-Ökosystem steht vor der Aufgabe, das Wachstum zu beschleunigen, die Digitalisierung umzusetzen und die Diversität zu erhöhen". Letzteres soll den Fachkräftemangel, der auch im hiesigen Startup-Umfeld ein grosses Thema ist, entschärfen. Anders als bei der Genderdiversität sieht es bei den ausländischen Firmengründern aus: Die Zahl der ausländischen Spezialisten im Management von hiesigen Startups liegt hoch, die Schweiz zieht viele Gründer und Fachleute an.
Der Swiss Startup Radar (PDF) wird vom 'Startupticker' publiziert. Die Untersuchung erscheint seit 2018 jährlich. Zu den behandelten Hightech-Sektoren gehören neben der ICT auch Chemie und Pharma, Elektronik, Automobilindustrie und die Produktion weiterer Güter. 

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