Die Schweizer ICT-Branche ist in der Innovation spitze

27. November 2020, 16:16
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Konjunkturforscher der ETH zeigen, dass es in der Schweiz in Sachen Innovation aufwärts geht. Die Sektoren schneiden aber sehr unterschiedlich ab.

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) hat eine Studie zur Innovationskraft der Schweizer Wirtschaft präsentiert. Gesamtwirtschaftlich sei ein weiterer Rückgang des Anteils der Firmen zu beobachten, die in der Forschung und Entwicklung (F&E) aktiv seien, heisst es in der Studie zunächst. Zugleich sei aber der Anteil des Umsatzes, der für F&E ausgegeben wird, mit 3,6% auf einem neuen Höchststand. Das heisst, dass sich höhere Ausgaben auf weniger Unternehmen verteilen.
Zugleich gebe es aber wieder mehr Unternehmen in der Schweiz, die tatsächlich Innovationsleistungen erbringen würden. Und zwar über alle Bereiche hinweg: Produkte, Prozesse, Marketing und Organisation, wie Martin Wörter, Co-Autor der Studie, an der Präsentation unterstrich. Dies bedeutet erstmal einen Unterbruch des vorherigen Trends. Die weitere Entwicklung sei aber angesichts der Coronakrise sehr ungewiss, heisst es in der Studie. Die Zahlen der KOF stammen aus den Jahren bis 2018, sie zeigen also generelle Tendenzen vor dem Einbruch im Frühling dieses Jahres.
Unternehmen, die Prozessinnovationen hervorbringen würden, seien gesamtwirtschaftlich schon zum wiederholten Male zahlreicher geworden. Der Anteil jener, die aufgrund von Prozessinnovation die Produktionskosten senken konnten, sei jedoch im Vergleich wieder auf ein früheres Niveau gesunken. Dies nachdem dieser seit 2008 gewachsen war. Die Erklärung der KOF: Der Kostendruck habe im Vergleich zu den schwierigen Jahren nach der Weltwirtschaftskrise und dem "Frankenschock" etwas nachgelassen und das Kostensenkungspotenziale sei vorerst ausgeschöpft.
Hemmnisse für die Innovation sind hohe Kosten, fehlende Eigen- und Fremdmittel, lange Amortisationsdauer sowie leichte Kopierbarkeit der Erzeugnisse. Neu findet sich in der Spitzengruppe der Hürden aber auch der Mangel an Fachkräfte, in der ICT-Branche ist der Fachkräftemangel der Hinderungsgrund Nummer 1. Demgegenüber wurde die staatliche Regulierung immer weniger als grosses Hindernis für die Innovation wahrgenommen.

Die ICT-Branche gibt viel Geld für Innovation aus

Differenziert man nach Teilsektoren zeichnet sich ein sehr buntes Bild. Unternehmen aus dem Bereich "moderne Dienstleistungen", wozu auch die ICT-Unternehmen zählen, haben ihre Umsätze mit innovativen Produkten seit 2012 kontinuierlich steigern können. In diesem Teilsektor weisen alle F&E-Indikatoren nach oben und es zeigt sich ein deutlich grösserer Markterfolg mit Produkten und Dienstleistungen, die neu für den Markt entwickelt wurden, als in anderen Bereichen. Die F&E-Ausgaben liegen im Bereich "moderne Dienstleistungen" bei über 6% des Umsatzes, deutlich mehr als die 3,6% der gesamten Wirtschaft.
Andrin Spescha, Co-Autor der Studie, stellt auch die Zahlen für die ICT-Branche – nach NOGA Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Medien – zur Verfügung. Diese zeigen: Die Innovationskraft ist in der Branche über fast alle Bereiche nochmals deutlich höher und dürfte Spitzenwerte erreichen. In der Produkt- und Prozessinnovation sind etwas weniger als 60% der Firmen in der ICT-Branche aktiv, während dies bei den modernen Dienstleistungen insgesamt 40% sind. Übertroffen wird die ICT nur von der Hightech-Industrie mit ihren Chemie-, Pharma- und Elektrotechnik-Firmen.
Die Innovationskraft schlägt sich auch in den Umsätzen nieder: In der ICT-Welt ist der Anteil von innovativen Produkten am Gesamtumsatz hoch. Sie machen in der ICT-Branche insgesamt mehr als die Hälfte der Umsätze aus, im Gesamtbereich moderne Dienstleistungen liegt der Anteil wesentlich tiefer. Und in der ICT stieg der Anteil an neu für den Markt entwickelten Produkten und Dienstleistungen am gesamten Umsatz von unter 0,5% im Jahr 2014 auf etwas weniger als 2% zwei Jahre später. 
Die KOF der ETH Zürich hat die Untersuchung im Auftrag de Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) erstellt. 8625 Unternehmen erhielten einen Fragebogen zu ihren Innovationsaktivitäten zwischen 2016 und 2018, fast 23% beteiligten sich. Die KOF betreibt ein regelmässiges Monitoring der Innovationsaktivitäten seit 1998. 
Die Studie kann von der Website des SBFI bezogen werden.

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