Die Schweizer Softwarebranche zeigt sich verunsichert

27. Oktober 2020, 16:57
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Die grosse, jährliche Umfrage SSIS zeigt, wie es den Schweizer Softwarefirmen im Krisenjahr ergangen ist und was sie für 2021 erwarten.

Die Softwarebranche sei eine der wachstumsstärksten der Schweizer Volkswirtschaft und trage zum internationalen Wettbewerbsvorteil bei, schreibt ICTswitzerland anlässlich der Publikation des aktuellen Swiss Software Industry Surveys (SSIS).
Für das laufende Jahr rechnet die Branche allerdings nur mit einem geringen Umsatzwachstum von 2,7%. Vergangenes Jahr prognostizierte die Branche für 2020 noch ein Umsatzplus von 11,3%.
Allerdings glauben die für den SSIS befragten Softwarefirmen, dass 2021 der Umsatz wieder deutlicher ansteigen wird. Auch geht die Branche von einem deutlichen Mitarbeiterzuwachs aus. Es bleibe abzuwarten, ob sich dieser optimistische Ausblick bewahrheitet, schreiben die Studienautoren. 
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Die Grafik vergleicht das erwartete Umsatzwachstum für 2020 aus der Perspektive von 2019 mit den aktuellen Erwartungen für 2020. Die Softwarebranche rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum von lediglich 2,7%. Nächstes Bild: Hauptgründe für sinkenden Umsatz. Quelle: SSIS 2020

Softwarefirmen nehmen den Markt unsicherer wahr

Auch die Softwarefirmen sind von der Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen nicht verschont geblieben. Insgesamt aber seien die Firmen gut auf den Lockdown vorbereitet gewesen, zeigt die Studie. Nur rund 10% der Firmen hätten für das Arbeiten im Homeoffice grössere Investitionen in die firmenweite Basis-Infrastruktur wie Kommunikations- und Kollaborationssoftware tätigen müssen. Allerdings seien bei gut 85% der befragten Unternehmen grössere Investitionen für die Ausstattung des Homeoffice-Arbeitsplatzes nötig gewesen, etwa für Notebooks oder Monitore der Angestellten.
Fast 70% der Unternehmen gaben an, dass sie den Schweizer Softwaremarkt als viel instabiler, unsicherer und unberechenbarer empfinden. Dies lasse sich höchstwahrscheinlich mit der Covid-19-Pandemie erklären, so die Autoren, und könnte ein Grund für die geringen Umsatzerwartungen sein.

Erfolgreiches Jahr für Auslandsgeschäfte

Im Jahr 2020 erwirtschaftete die Schweizer Softwarebranche gut 20% ihres Umsatzes im Ausland. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang im Jahr 2018 auf rund 14% bedeutet dies eine Rückkehr zur Exportquote von 2017. Der mit Abstand wichtigste Exportmarkt bleibt laut der Studie Deutschland mit einem Anteil am Gesamtumsatz im Ausland von rund 55%, gefolgt von den übrigen europäischen Ländern. Der Exportanteil in nichteuropäische Länder bleibt mit 14,6% weiterhin verhältnismässig gering.
Fast zwei Drittel der Schweizer Softwareunternehmen konzentrieren sich auf bestimmte Branchen. Die wichtigste Branche für diese Unternehmen ist die Finanzindustrie mit einem Anteil von 18,6% des Umsatzes. 
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Neben der Finanzbranche sind Industrie und Herstellung sowie Versicherungskunden wichtigsten Branchen für die Schweizer Softwareanbieter. Quelle SSIS 2020
Interessenbindung: inside-it.ch/inside-channels.ch ist Medienpartner des SSIS. 
Der SSIS erscheint seit 2015 jährlich und liefert zukunftsorientierte Aussagen über das Umsatz- und Mitarbeiterwachstum der Schweizer Softwarebranche. Im Mittelpunkt der diesjährigen Studie standen die Auswirkungen von Covid-19. Der SSIS 2020 wurde im Auftrag des Dachverbands ICTswitzerland in Kooperation mit Sieber & Partners unter der Federführung der Universität Bern durchgeführt. Über 700 Personen aus allen Sprachregionen haben sich daran beteiligt.

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