Die sieben grossen Herausforderungen der Informatik

14. April 2008, 13:18
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Gartner wagt einen Blick in das nächste Vierteljahrhundert der Informationstechnologie.

Gartner wagt einen Blick in das nächste Vierteljahrhundert der Informationstechnologie.
Die US-Marktforschungs- und Beratungsfirma Gartner identifiziert sieben so genannte "IT Grand Challenges". Dies sind technologische Herausforderungen, deren Bewältigung weit reichende und ausgesprochen positive Auswirkungen auf die ökonomischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte unseres Lebens haben werden. Die Lösungen für viele der "Grossen Herausforderungen" sind heute bereits als Prototypen, Patente oder wissenschaftliche Artikel beschrieben, bis zur konkreten Umsetzung dürften aber noch fünf bis zwanzig Jahre vergehen. Hier ein Überblick über die Gartnerschen sieben "IT Grand Challenges":
Sich selbst aufladende tragbare Geräte: Jedermann kennt das Problem: Es ist heute oft schwieriger, an eine Stromversorgung für das Smartphone oder den tragbaren Computer heranzukommen, als eine Verbindung zum Internet aufzubauen. Entsprechend gross wäre der Bedarf an Geräten, die automatisch, berührungslos und immer wieder aufladen könnten - bis hin zum Wegfall der Batterie. Die ersten Experimente mit der drahtlosen Übertragung von Strom wurden zwar vor 100 Jahren durch Nikola Tesla und am MIT.
Software für Mehrkern-Prozessoren: Da die Chiphersteller bei der Erhöhung der Leistungsfähigkeit von Prozessoren mittels höherer Taktung an physikalische Grenzen (u.a. Wärmeentwicklung) gestossen sind, bauen sie heute vermehrt CPUs mit mehreren Kernen. Noch ist es aber eine grosse Herausforderung - so Gartner - Software zu entwickeln, die diese Mehrkern-Chiparchitekturen wirklich ausnützen. Man wird Prozesse in mehrere Sub-Prozesse, die dann einzelnen Kernen zugeteilt werden, aufbrechen müssen, um die Vorteile der neuen CPUs wirklich nützen zu können.
Berührungslose Mensch-Maschine-Schnittstellen: Noch sind fast alle Schnittstellen zwischen Menschen und Computern (Tastatur, Maus, Bildschirm) auf direkte Berührungen angewiesen. Die Herausforderung bei der Entwicklung von berührungslosen Interfaces besteht darin, Gesten zu entdecken und mittels eines Verzeichnisses in Echtzeit zu "verstehen", so Gartner. Zudem sind auch Spracherkennung und -Synthese eine grosse Herausforderung geblieben.
Automatische Sprachübersetzung: Damit verwandt ist die Herausforderung der Übersetzung von (gesprochenen) Sprachen in Computersprachen oder in eine andere menschliche Sprache. Dafür gibt es erste rudimentäre Systeme, wir sind aber noch weit weg von den Sprachübersetzungssystemen, die etwa Captain Kirk die Kommunikation im Weltraum erlaubten.
Haltbarer und zuverlässiger Speicher: Es gibt noch einige Barrieren, die zu überwinden sind, bevor Daten wirklich für lange Zeit (länger als 100 Jahre) gespeichert werden können. Gartner nennt akzeptierte Datenformate, Hardware, Software, Formate für Metadaten und das Problem der künftigen Lesbarkeit von digitalen Medien.
Die Produktivität von Programmierern um Faktor 100 erhöhen: Dieser Punkt mag angesichts des angeblich fast unbeschränkten Ingenieur-Nachwuchses in Asien überraschen. Doch Gartner weist auf die steigende Nachfrage nach (immer komplexerer) Software und die sinkende Zahl von Informatik-StudentInnen hin und bezeichnet die Erhöhung der Produktivität von ProgrammiererInnen als eine der sieben "IT Grand Challenges". Gartner nennt den zunehmenden Einsatz von "wiederverwendbarem" Code einen "Hoffnungsstrahl". Doch es gebe noch viele Herausforderungen, so der Aufwand, der benötigt wird, um das richtige Software-Modul zu finden und die Minimierung des Bedarfs an Anpassungen.
Berechenbarkeit finanzieller Auswirkungen von IT-Investitionen: Der letzte Punkt bei Gartners sieben "Grossen Herausforderungen" ist ein altes Berater-Steckenpferd: Den Wert von Investitionen in Informatik wirklich nachweisen zu können. Die Herausforderung wäre bewältigt, so Gartner, wenn der Einfluss von IT-Investitionen auf den Gewinn pro Aktie nachvollziehbar voraussagbar wäre.
Die oben genannten "IT Grand Challenges" werden am Gartner Emerging Trends Symposium in Barcelona im Mai diskutiert. (Christoph Hugenschmidt)

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