Die Strategie hinter dem Pro-Concept-MBO

2. November 2009, 16:42
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Neu gegründete SolvAxis AG wird Pro-Concept, aber auch Sage ERP X3 vertreiben. Neue Besitzer sind das Management und die Mitarbeitenden.

Neu gegründete SolvAxis AG wird Pro-Concept, aber auch Sage ERP X3 vertreiben. Neue Besitzer sind das Management und die Mitarbeitenden.
Die 1987 gegründete jurassische Software-Schmiede Pro-Concept ist definitiv wieder selbständig. 2007 wurde Pro-Concept vom britischen Software-Konzern Sage für 18,5 Millionen Franken übernommen SolvAxis, wie die Firma nun heisst, hat den Hauptsitz in Sonceboz und Niederlassungen in St. Gallen, Baden und Gland.
Pierre-Alain Schnegg, der neu-alte Chef von Sage Pro-Concept und jetzt eben SolvAxis wollte keine Angaben darüber machen, wieviel Pro-Concept, zweieinhalb Jahre nach dem Verkauf, noch gekostet hat. SolvAxis habe auf jeden Fall genügend Geld, um auch konjunkturell harte Zeiten zu überleben, versichert Schnegg. Ausserdem sei man in Verhandlungen mit einer Beteiligungsgesellschaft, die allenfalls einsteigen wird, um künftige Ausbauschritte zu finanzieren.
Teures "Missverständnis"
Die neue Besitzerin von Pro-Concept heisst SolvAxis AG. Angaben zum Preis werden keine gemacht, sicher scheint uns aber, dass Sage den einst bezahlten Preis von stolzen 18,5 Millionen Franken nicht nicht mehr in voller Höhe zurück erhält.
Schnegg mag den damaligen Verkauf von Pro-Concept durch die Gründergeneration nicht als "Flop" bezeichnen. Doch man habe die Unterschiedlichkeit der Geschäftsmodelle von Sage und Pro-Concept damals unterschätzt. Sage stelle "Produkte", die sich in eine Schachtel verpacken lassen, her und vertreibt diese über Implementierungspartner. Pro-Concept oder heute eben SolvAxis arbeite hingegen projektorientiert. "Da hat man während der Verkaufsphase wohl zu wenig genau hingeschaut," gibt Schnegg zu.
Doch der "Umweg" über Sage habe auch seine guten Seiten. So sei die Besitzerschaft heute breiter verteilt und man sei zu einer interessanten Partnerschaft mit Sage gelangt. Und Pro-Concept habe sich in den Jahren seit der Übernahme gut entwickelt. Ausserdem habe Pro-Concept seit April 2007 einige sehr schöne neue Kundenprojekte gewonnen. So ist Pro-Concept vom Markenspezialisten DKB (Diethelm Keller Brands) als 2nd-tier-ERP-Lösung ausgewählt worden.
Bei Sage Schweiz war heute Nachmittag leider niemand für eine Stellungnahme zu sprechen. Die Frage, wieviele Millionen Franken das "Abenteuer Pro-Concept" dem britischen Software-Riesen gekostet hat, bleibt damit unbeantwortet.
Fokus auf Pro-Concept - mit X3 in die andere Industrien
SolvAxis wird ungefähr 110 Mitarbeitende haben. Als Pro-Concept zu Sage stiess, hatte die jurassische Firma noch 150 Mitarbeiter. Allerdings, so Schnegg auf Anfrage gegenüber inside-channels.ch, muss man berücksichtigen, dass einige Mitarbeitende von Pro-Concept in Frankreich bei Sage blieben. "In der Schweiz beschäftigen wir ungefähr gleich viele Leute wie zum Zeitpunkt des Verkaufs. Wir haben höchstens einige Abgänge nicht ersetzt," so Schnegg.
Die Tatsache, dass SolvAxis nun neben Pro-Concept auch Sages 'ERP X3', eine französische Lösung für mittelgrosse Unternehmungen, die bereits in 38 Ländern angeboten wird, implementiert, ist gemäss Schnegg auf keinen Fall als Abkehr von Pro-Concept zu werten. "Der Fokus liegt ganz klar auf Pro-Concept. Aber mit X3 können wir Industrien bedienen, die wir mit Pro-Concept bisher nicht erreicht haben," sagt Schnegg. So eigne sich 'X3' auch für die Prozessindustrie und für multinationale Firmen.
Pro-Concept schneller implementieren
Pro-Concept ist bekannt dafür, keine "fertige" Lösung zu sein, sondern einen relativ hohen Aufwand für Implementation und Parametrisierung zu verursachen. Dieses Problem sei man mit dem Projekt "QI" (Quick Implementation) angegangen. Heute sei der Aufwand für die Implementation der vor allem in der Uhren- und Hightech-Industrie sowie bei Behörden und Werken verbreiteten Lösung etwa noch halb so gross, wie vor zwei Jahren, so Schnegg. Nächstes Jahr soll es dann branchenspezifische Versionen geben, mit denen der Aufwand für eine Standard-Implementation einmal mehr verkleinert wird. (Christoph Hugenschmidt)

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