Die Telco-Welt in den Augen von Gartner

4. November 2004, 10:38
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Zunehmende Überlappungen, sowohl zwischen Mobil- und Festnetztelefonie wie auch zwischen Telco- und IT-Services, sowie VoIP bedrohen gemäss Gartner die schöne, neue Profitabilität der europäischen Telcos.

Am Symposium/ITxpo, einer Veranstaltung von Gartner, stellten Analysten dieses Marktforschungsinstituts ihre Sicht der aktuellsten Tendenzen im westeuropäischen Telekommarkt dar. Ihre Hauptthese: Auch wenn die Umsätze der grossen Telekommunikationsanbieter in Westeuropa momentan stabil seien, so maskiere das eigentlich nur, dass sich dahinter eine grundlegende Veränderung im Markt abspiele.
Drei Haupttendenzen
"Obwohl der Telekomsektor die finanziellen Krise der letzten drei Jahre überwunden hat, müssen nun neue Gefahren überwunden werden, um eine längerfristige Profitabilität zu sichern", meinte Jean-Claude Delcroix, einer von Gartners Chefanalysten für den Telco-Sektor. Das traditionelle Geschäft mit der Festnetztelefonie bröckle unter dem Druck der Mobiltelefonie und IP-basierten Services wie VoIP, E-Mail usw. langsam aber sicher ab. Traditionelle Telekomanbieter müssten darum dringend nach neuen Umsatzquellen suchen.
Dieser Veränderung liegen gemäss Gartner drei Haupttendenzen zu Grunde:
  1. Die Konvergenz von mobilen und Festnetzangeboten.
  2. Die Tatsache, dass Sprachübertragung zu einer IT-Anwendung wird.

Konvergenz von Mobil- und Festnetzservices
Technologien wie UMTS, WLAN und andere machen es gemäss Gartner nun möglich, Services anzubieten, welche die gleichen Features und die gleichen Möglichkeiten bieten, egal ob man nun ein mobiles Endgerät oder einen stationären PC verwendet. Die Nachfrage nach solchen konsistenten Angeboten werde sowohl von Unternehmen kommen, die ihre Kosten in den Griff kriegen wollen, als auch von Privatanwendern, die den Komfort eines nahtlosen Services suchen, prognostiziert Gartner. Telcos, die ihre Kundenbasis halten wollen, müssten daher solche konvergenten Angebote ausarbeiten.
Kollision von Telekommunikations- und IT-Dienstleistern
Die Serviceorganisationen von Telekomanbietern drängen immer stärker auch in den traditionellen IT-Dienstleistungsmarkt. Wer sich durchsetzen will wird, so Gartner, beweisen müssen dass er Infrastruktur-, Applikations- und Business-Prozess-Management gleichermassen im Griff hat. Telcos seien hier in einer guten Ausgangslage. Der Trend geht zum "Utility-Computing". Das heisst das "IT" genau so einfach, zuverlässig und dem Verbrauch entsprechend bezogen werden können soll, wie grundlegende Versorgungsgüter, zum Beispiel Wasser, Strom – oder eben traditionelle Telefonie. Telcos haben also in dieser Beziehung Erfahrung, die sie ins Spiel bringen können.
Sprachübertragung wird eine IT-Anwendung
Sprache wird zunehmend über IP, statt analog, übertragen, was die Kosten reduziert. Nur an die Kosten zu denken, sei aber zu kurz gegriffen, findet Gartner, denn als IP-Anwendung kann Sparache auch immer stärker in IT-Lösungen integriert werden. Noch befinde man sich in dieser Beziehung in der Anfangsphase, aber das zusammenwachsen von Telefonie-, E-Mail, Instant Messaging und anderen Kommunijkationsformen sei absehbar. Und für diesen Markt hat Gartner auch gleich eine knackige Prognose parat. Neil Rickard, Vice President Enterprise Communications bei Gartner: "Ende 2007 werden 'Unified Communications'-Plattformen bereits in einem heftigen Konkurrenzkampf mit reinen Sprachlösungen stehen. Wir glauben, das 85% der Anbieter, die bis 2005 in den Markt eingetreten sein werden, 2010 schon wieder konkurs sind oder übernommen sein werden oder sich zumindest mit anderen zusammengeschlossen haben werden." (Hans Jörg Maron)

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