Die Tessiner Forscher, die eine halbe Milliarde von Google kassieren

12. Februar 2014, 13:20
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Der Spezialist für künstliche Intelligenz DeepMind wird für schätzungsweise eine halbe Milliarde Dollar von Google übernommen. Hinter dem Startup stehen Tessiner Forscher.

Der Spezialist für künstliche Intelligenz DeepMind wird für schätzungsweise eine halbe Milliarde Dollar von Google übernommen. Hinter dem Startup stehen Tessiner Forscher.
Ende Januar gab Google den Kauf von DeepMind bekannt. Laut Medienberichten soll Google 400 Millionen Dollar dafür bezahlt haben. Nun teilt heute die Universität der italienischen Schweiz (USI) mit, dass Google "geschätzte" 500 Millionen Dollar für DeepMind bezahlt habe. Mehr noch: Die Uni Lugano schreibt, dass der Gründer von DeepMind, Shane Legg, seine Doktorarbeit an der Fakultät für Informatik (am Swiss AI Lab IDSIA) verfasst habe. Das Startup mit Sitz in London, das von Legg mitbegründet wurde, ist auf Technologien an der Schnittstelle zwischen künstlicher Intelligenz und Neurowissenschaften und insbesondere auf Lernverfahren spezialisiert. Auch Facebook soll an DeepMind interessiert gewesen sein.
Neben Shane Legg waren mit Alex Graves, Daan Wierstra und Tom Schaul drei weitere DeepMind-Mitglieder in der Forschungsgruppe von Professor Schmidhuber tätig, schreibt die Uni. Schmidhuber ist Ko-Direktor beim IDSIA, einem gemeinsamen Institut der USI und der Fachhochschule der italienischen Schweiz SUPSI. Der Professor, der auch die Forschungsgruppe Deep Learning leitet, sei stolz auf seinen ehemaligen Studenten: "Wir sind seit 1989 im Bereich der künstlichen neuronalen Netze tätig. Diese lassen sich vom menschlichen Gehirn inspirieren und sind dank anpassungsfähiger Prozesse in der Lage, komplexe Aufgaben zu erlernen. Gewisse Netze kommen bereits in der Praxis zur Anwendung. Einige davon gehören heute zu den führenden Methoden, um handgeschriebene Texte in Französisch, Arabisch und sogar Chinesisch zu erkennen. Der grosse Vorteil ist, dass die Netze dank ausgeklügelter Algorithmen selber lernen. Dabei stützen sie sich auf Millionen von Bildvorlagen und wenden das Gelernte auf Testbilder an, die sie zuvor noch nie gesehen haben."
Selbstfahrende Autos und Verkehrsschilder-Erkennung
Für Schmidhuber macht der Kauf von DeepMind für Google Sinn: "Dank ihrer Fähigkeit zur Bilderkennung spielen die neuronalen Netze eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der Suchmaschinen, medizinischer Diagnosen und selbstfahrender Fahrzeuge."
Seit 2009 haben die Methoden des Teams um Schmidhuber an internationalen Wettbewerben im Bereich der visuellen Erkennung neun Mal den ersten Preis gewonnen. In einigen Fällen übertrafen die Methoden gar die menschlichen Fähigkeiten, schreibt die Uni. "Besonders beeindruckt bin ich davon", so der Professor, "dass Shane es geschafft hat, durch die Kombination von Unternehmergeist und Fachwissen im Bereich des Deep Learning einen solchen finanziellen Erfolg zu erzielen."
In der Mitteilung wird auch Andrew Ng, Leiter des Stanford Artificial Intelligence Laboratory sowie des Projekts Large-scale deep learning bei Google, zitiert. Ihm zufolge zählte Schmidhubers Labor zu den Pionieren des Deep Learnings. Die Forschungsgruppe habe jüngst "verblüffende Ergebnisse" bei der Erkennung von Verkehrsschildern durch Fahrzeuge erzielt. (mim)

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