Die erste Version der UK-Corona-App von Zühlke ist tot

2. Juli 2020, 15:45
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Nach Problemen mit dem Proximity-Tracing-System soll das Schweizer IT-Haus aber auch bei der neuen App für Grossbritannien federführend sein.

Mitte Mai sorgte ein prestigeträchtiger Auftrag für Zühlke in Grossbritannien für Aufsehen. Die Londoner Niederlassung des Schweizer IT-Hauses sollte für 3,9 Millionen Pfund zusammen mit Pivotal und der staatlichen britischen Gesundheitsorganisation NHS eine Proximity-Tracing-App fertigstellen und betreiben.
Mitte Juni meldete dann allerdings 'CNN', dass die britische Regierung ihren eigenen Ansatz für eine App aufgegeben habe und stattdessen auf das System von Google und Apple setze. Dies, nachdem sich die Einführung der App, an der auch Zühlke mitarbeitete, wiederholt verzögert hatte. 
Die "UK-App" war bereits im Testbetrieb auf der Isle of Wight und hätte einige Wochen später landesweit ausgerollt werden sollen, wie es noch im Mai von Seiten der Regierung hiess. Was hinter der Abkehr steckt, wollte man auf Anfrage bei Zühlke nicht beantworten und verwies stattdessen an den NHS.
In der 'Financial Times' kam Ende Juni Alan Woodward, IT-Professor an der Universität von Surrey, zu Wort und liess sich über das "klassische IT-Projekt der Regierung" aus: "Die Anforderungen änderten sich laufend. Die Entwickler bauten, was ihnen aufgetragen wurde, dann wurde die Aufgabenstellung geändert und die bisherige Arbeit wurde hinfällig."
Eine solche Änderung dürfte die Einbindung der APIs von Google und Apple gewesen sein. Diese sind für ein dezentrales System ausgelegt, wohingegen Grossbritannien vorerst eine zentrale Datenbank für die Auswertung haben wollte. Dies hatte zu Protesten im Land geführt: Experten bemängelten den Datenschutz aber auch die länderübergreifende Interoperabilität.
Zühlke wurde auf jeden Fall im Mai damit beauftragt, zu überprüfen, ob und wie man die nativen APIs, die Google und Apple für Corona-Tracing-Apps entwickelt haben, in die bestehende App und deren Plattform einbinden könnte.
Möglicherweise hat sich das schlicht als zu komplex erwiesen. Eine Bestätigung von Zühlke dazu gibt es nicht, aber in der 'Financial Times' wird davon berichtet, dass bereits im Mai ein neues Team innerhalb des NHS im Stillen zu arbeiten begonnen habe. Es sollte mit Hilfe der Technologie von Apple und Google eine neue Version der Anwendung entwickeln.
Diese App wurde dann laut dem Bericht auf Militärbasen getestet. Es stellte sich demnach heraus, dass sie deutlich mehr Kontakte und potenzielle Übertragungen des Virus registrieren konnte. Die UK-App war tot.
In der 'Financial Times' wird nun berichtet, dass bei der neuen App wiederum Zühlke federführend sei, während Pivotal das Boot verlassen habe. Einige der erarbeiteten Technologien sollen in die neue Applikation Eingang gefunden haben.
Update 3. Juni: Der Titel wurde präzisiert.

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