Die versteckten Kosten der Cyber-Kriminalität

7. Dezember 2020, 12:18
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Laut einer Studie erreichen die von Cyber-Kriminalität verursachten Kosten dieses Jahr weltweit eine Billion Dollar.

Das Technologie-Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne hat im Auftrag von McAfee 1500 IT- und Geschäftsentscheider von Grossunternehmen aus grossen Industrieländern zu den Kosten von Cyberangriffen befragt. Laut der Hochrechnung der Studienautoren kostete Cyber-Kriminalität die Weltwirtschaft letztes Jahr über eine Billion Dollar. Dies entspreche ungefähr einem Prozent des weltweiten BIP. 2018 wurden die Kosten im Rahmen einer ähnlichen Studie noch auf 600 Milliarden Dollar geschätzt.
Gemäss McAfee erklärten zwei Drittel der befragten Unternehmen, im Jahr 2019 mindestens einem Cyberangriff zum Opfer gefallen zu sein. Dabei hätten es die Kriminellen besonders auf zwei Bereiche abgesehen, Finanzdaten und geistiges Eigentum. Angriffe auf diese beiden Sektoren machten 75% aller böswilligen Aktivitäten bei den befragten Grossunternehmen aus.
Cyberangriffe können direkte finanzielle Auswirkungen haben. Gemäss den Studienautoren gibt es aber auch viele mehr oder weniger versteckte Kosten. Dazu gehören Betriebsausfälle, Effizienzeinbussen, Behebungskosten und Reputationsschäden
Gemäss der Studie beträgt die durchschnittliche Dauer von Betriebsausfällen aufgrund von Cyberangriffen weltweit 18 Stunden. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben an, dass Cyberangriffe bei ihnen zu Betriebsausfällen geführt haben. In Deutschland waren es sogar 77% und die durchschnittlichen Kosten der längsten Betriebsausfälle beliefen sich in Deutschland letztes Jahr auf über eine Million Dollar.
Als Folge der durch Cyberangriffe verursachten Downtime verloren Unternehmen im Schnitt neun Arbeitsstunden pro Woche.
Im Schnitt brauchten die befragten Unternehmen nach der Erkennung eines Angriffs 19 Stunden, um ihn abzuwehren. Die meisten Sicherheitsvorfälle können von der Unternehmens-IT selbst gelöst werden, aber bei gravierenden Vorfällen müssen oft auch externe Berater und Experten herangezogen werden, die wiederum viel kosteten.
Viele Unternehmen, die nach einem Cyberangriff unter Reputationsschäden leiden, arbeiten zudem ebenfalls mit externen Beratern zusammen oder stellen neue Mitarbeiter ein, um Sicherheitsvorfälle in der Zukunft besser vermeiden zu können. Die Kosten, die dadurch entstehen sind auch ein Teil der finanziellen Schäden durch Cyber-Kriminalität. 26% der befragten Unternehmen gaben an, dass sie nach einem Betriebsausfall aufgrund von einem Cyberangriff an Reputationsschäden litten.
Die quantitative Analyse wurde laut Vanson Bourne zwischen April und Juni 2020 durchgeführt. Insgesamt wurden 1500 IT- und Geschäftsentscheider befragt. Sie kamen aus den USA (300), Kanada (200), Grossbritannien (200), Frankreich (200), Deutschland (200), Australien (200) und Japan (200). Die Unternehmen der Befragten haben 1000 oder mehr Mitarbeiter und sind in allen Industrien angesiedelt, ausser dem Bauwesen und dem Immobilienwesen.
Zusätzlich wurde für die Studie eine Erhebung von öffentlichen Daten über Verluste durchgeführt, die von Interviews mit Regierungsbeamten begleitet wurde. Ausserdem wurde basierend auf den nationalen Einkommensniveaus unter Verwendung der Einkommensdaten des Internationalen Währungsfonds versucht, die Gesamtkosten der Cyber-Kriminalität zu schätzen.

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