"Die Zeit ist reif für BPO in der Finanzbranche"

30. Januar 2012, 13:42
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B-Source sieht bei Banken ein enormes Potenzial bei der Auslagerung von Backoffice-Funktionen. Erst Anfang Jahr hat die Banque Cramer auf die Avaloq-basierte Plattform von B-Source migriert.

B-Source sieht bei Banken ein enormes Potenzial bei der Auslagerung von Backoffice-Funktionen. Erst Anfang Jahr hat die Banque Cramer auf die Avaloq-basierte Plattform von B-Source migriert.
Banken befinden sich zunehmend unter Druck: Schärfere Regulierungen, kleinere Margen und politische Begehrlichkeiten zwingen Finanzinstitute dazu, ihre Kosten zu reduzieren und planbar zu machen. Um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben, müssten Banken ihre Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören, auslagern, so die Meinung vieler Dienstleister. Im Zuge der Finanzkrise habe sich das Bedürfnis nach der Auslagerung von Geschäftsprozessen verstärkt, sagten denn auch Vertreter des Tessiner IT-Dienstleisters und Business Process Outsourcers B-Source vergangene Woche vor den Medien in Zürich. Der Dienstleister gehört seit Mitte 2011 zur Avaloq-Gruppe.
Eine Spitze gegen Swisscom IT
Nachdem Schweizer Banken in den letzten zehn Jahren ihre Softwareplattformen weitgehend modernisiert haben, steht nun also Business Process Outsourcing (BPO) auf der Agenda. B-Source ist vor zehn Jahren durch eine Akquisition in den damals noch kleinen BPO-Mark für Banken eingestiegen und sieht sich heute als Marktführer. CEO Markus Gröninger (Foto) sagte, hierzulande gebe es "zweieinhalb" Arten von BPO-Dienstleistern: Erstens die Banken, wie etwa die Crédit Agricole. Zweitens bankenunabhängige Dienstleister (nach Meinung von B-Source ist das nur B-Source). Die "zweieinhalbte" Kategorie wären dann Dienstleister, die keine eigene Plattform haben, sondern bloss auf den Systemen ihrer Kunden "Daten eintippen". Gröninger meint damit vor allem den Mitbewerber Swisscom IT Services (SITS), der vor zweieinhalb Jahren den BPO-Dienstleister Sourcag gekauft hat. Gröninger bezeichnet nicht etwa SITS sondern die Crédit Agricole als härtesten Mitbewerber, obwohl diese Bank für ihre BPO-Dienste eine Eigenentwicklung einsetzt. B-Source hingegen verwendet Avaloq als Basis für die eigene BPO-Plattform.
Im Visier hat B-Source bislang vorwiegend Privatbanken, denn diese stehen im Vergleich zu Retailbanken unter grösserem regulatorischen Druck. Mitbewerber SITS liess vor wenigen Monaten in einem Interview verlauten ein Coup gelungen.
Cramer hat migriert
Als Beispiel einer Privatbank, die erfolgreich die B-Source-Plattform eingeführt hat und auch die BPO-Dienstleistungen bezieht, präsentierte B-Source die Banque Cramer, die nach einer Projektlaufzeit von neun Monaten per Anfang Jahr auf den Avaloq-basierten "B-Source Master" migriert hat. Neben der Hauptniederlassung in Genf und der Filiale in Lugano wechselte gleichzeitig auch die unter dem Namen Private Investment Banking Ltd. firmierende Schwestergesellschaft in Nassau auf die neue Plattform. "Der Entscheid der Banque Cramer & Cie für B-Source zeigt, dass die Zeit reif ist für BPO in der Finanzbranche", so B-Source-CEO Gröninger.
Marco Netzer, Verwaltungsratspräsident der Banque Cramer, sagte vor den Medien, dass die Bank vorher mit einem System namens "New Banking" arbeitete. Nach einem Kauf durch Temenos habe der Hersteller jedoch der Bank mitgeteilt, dass es das System in dieser Form nicht mehr geben werde. Also habe man eine umfassende Evaluierung gestartet.
Man spare mit dem jetzigen Modell "deutlich" Kosten, so Netzer: "Das Projekt konnte pünktlich und im Budget abgeschlossen werden. Ich habe bisher noch nie erlebt, dass ein IT-Projekt im Rahmen des vorgegebenen Budgets beendet wurde", sagte Netzer, der seit Jahrzehnten in der Finanzbranche tätig ist. (Maurizio Minetti)

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