Die Zukunft der Business Intelligence

11. Juni 2009, 10:17
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John Schwarz, SAP-Topmann und und Chef der BI-Einheit Business Objects, über BI als eigenständige Disziplin, die Zukunft von Java und die Frage, ob Business Objects auch ausserhalb des SAP-Marktes bestehen kann.

John Schwarz, SAP-Topmann und und Chef der BI-Einheit Business Objects, über BI als eigenständige Disziplin, die Zukunft von Java und die Frage, ob Business Objects auch ausserhalb des SAP-Marktes bestehen kann.
Anlässlich der 'SAPWorldtour' diese Woche in Mannheim ergab sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit John Schwarz. Schwarz war CEO von Business Objects während der Übernahme durch SAP und leitet heute die unabhängige BI-Geschäftseinheit von SAP. Er gehört zudem der Geschäftsleitung des deutschen Software-Konzerns an.
Business Objects sei heute bezüglich Mitarbeitenden, Verkauf, Services und Support in SAP integriert. "An der völligen Integration der Produktentwicklung arbeiten wir noch", so Schwarz. Immerhin habe SAP mit dem 'SAP Business Objects Explorer' das erste gemeinsame Produkt lanciert. Dieses Werkzeug kombiniere 'Polestar', eine Lösung für die Navigation innerhalb von grossen Datenmengen von Business Objects mit SAPs 'TREX'-Technologie für die Speicherung von Daten innerhalb des Hauptspeichers ("in-memory"). Das Resultat seien eine zwei- bis dreifach erhöhte Geschwindigkeit bei der Zusammenstellung und Präsentation von Daten und eine phänomenale Flexibilität bei der Navigation innerhalb von Datenbeständen jeder Grösse, so Schwarz.
Vor Produktelawine
SAP werde nun rasch weitere, gemeinsame Produkte auf den Markt bringen: "Wir haben viele neue Technologien, die erst noch auf den Markt gebracht werden müssen. Wir werden dieses und nächstes Jahr ein Produkt nach dem anderen lancieren, bei denen wir die Technologien von SAP und Business Objects kombinieren. Wir arbeiten hart daran, dass 'Business Intelligence' alle, nicht nur strukturierte, Daten auswerten kann und wir wollen BI für alle Leute, nicht nur für Experten und Analysten, zugänglich machen. Jeder soll BI ohne IT-Kenntnisse benützen können. Zudem integrieren wir die Werkzeuge für Planung, Profitanalyse und Bedarfsplanung, die sowohl SAP wie Business Objects hatten. Daraus wird noch dieses Jahr eine einzige, integrierte Suite von Finanzlösungen entstehen. Zu guter Letzt arbeiten wir an Lösungen für die Zusammenarbeit über die Grenzen von einzelnen Unternehmen hinweg. Es geht um die Möglichkeit, dass man Daten, Visualisierung und Werkzeuge über Unternehmen hinweg austauschen kann."
Braucht es noch unabhängige BI-Hersteller?
Betrachtet man die Kommunikation von Business Objects seit der Übernahme durch SAP, so scheinen die Energien auf die Verbesserung und Ergänzung von SAP-Software gerichtet. Braucht es also noch unabhängige BI-Hersteller oder wird die Disziplin der Auswertung und Zusammenfassung von verstreut herumliegenden Daten eine Domäne der klassischen ERP-Hersteller? Schwarz' Antwort: "Ich glaube, es gibt so etwas wie eine Demarkationslinie zwischen Prozess-Anwendungen wie ERP oder SCM und BI-Software für Planung oder Prognosen. Prozess-Applikationen werden zwar mehr Analyse-Fähigkeiten bekommen, aber diese werden auf Transaktionen beschränkt bleiben. Man will aber auch Analyse darüber hinaus machen und Firmen, Fabriken oder Organisationseinheiten vergleichen können. Dafür braucht man ein übergreifendes BI-Tool. Wir wünschten uns zwar, dass unsere Kunden ausschliesslich SAP-Software einsetzen, aber die Realität ist nicht so. Die Kunden benützen Applikationen unterschiedlicher Anbieter. Also wird BI eine unabhängige Disziplin bleiben und es wird spezielle Software für Performance Management geben. In diesem Kontext wird Business Objects ein Player für heterogene Umgebungen bleiben. Wir werden Kunden mit und ohne SAP-Anwendungen unterstützen."
Nehmen die Kunden Schwarz' diese auch Botschaft ab? Wie haben sich die Verkäufe von BO-Software an Nicht-SAP-Anwender entwickelt? Vor der Akquisition durch SAP seien etwa zwei Drittel der Umsätze von BO ausserhalb des SAP-Markts erzielt worden, so Schwarz auf unsere Frage. Nun wachse das SAP-Geschäft schneller, vor allem deshalb, weil BO auch von SAP-Verkäufern zu den Kunden gebracht würde. Aber auch das Geschäft mit Nicht-SAP-Anwendern wächst gemäss Schwarz weiterhin "signifikant". "Ich kenne keinen einzigen Kunden, der unsere Software wegen der Übernahme nicht mehr einsetzt," beteuert Schwarz. Ob dies auch für die Kunden von Infor oder Lawson gelte, die heute eigene BI-Funktionalitäten entwickeln, wollten wir von Schwarz wissen: "Niemand behauptet, BI werde zu einer Welt ohne Konkurrenz," so Schwarz. "Der BI-Markt ist der schnellst wachsende in der Industrie. Also will jeder dort sein. Aber wir sind weiterhin Partner von Infor, J.D. Edwards und Lawson und verkaufen unsere Produkte über sie. Möglicherweise ersetzen sie die eine oder andere BO-Komponente durch eigene Produkte. Aber ich frage mich, wieviel diese Strategie wirklich bringt. Wir sind seit 17 oder 18 Jahren im BI-Geschäft - und es braucht lange, um die Technologie und die Glaubwürdigkeit zu erringen, um das tun zu können, was wir tun. Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Führungsposition behalten können."
Hardware: "No Sir", aber...
Seit dem angekündigten Kauf von Sun Microsystems durch Oracle liegt die Frage, ob nun SAP / BO ebenfalls zum Hardware-Hersteller werde, auf der Hand. Schwarz' Antwort : "No Sir". BO vertreibe zwar Appliances, baue aber deshalb noch lange keine Hardware selber und habe auch keinerlei Absicht, ein Hardware-Hersteller zu werden.
Ausser Frage stehe allerdings, dass man langfristig voll integrierte Lösungen "als Service" anbieten müsse, wenn man erfolgreich bleiben wolle. Es sei ein Muss für SAP, eine "Cloud", aus der heraus Lösungen angeboten werden, zu haben oder mindestens zu betreiben. Doch dafür müsse SAP noch lange kein Hardware-Hersteller werden. O-Ton Schwarz: "Zwischen dem Geschäftsmodell, eine "Computer-Cloud" selbst zu bauen und zu betreiben und demjenigen, seine Software aus der "Cloud" eines Partners heraus anzubieten, gibt es einen breiten Graben. Wir sind weit weg vom Entscheid, ob wir diesen Graben überschreiten wollen oder nicht." Unzweifelhaft sei allerdings, so der SAP-Topmanager weiter, dass SAP Software-as-a-Service über das ganze Portfolio hinweg anbieten müsse und das ja teilweise bereits mache.
SAP und die Java-Frage
Macht die Übernahme von Sun Microsystems durch den Konkurrenten Oracle John Schwarz und der SAP-GL Bauchweh? Schliesslich ist Suns Java eine der Basistechnologien, die SAP einsetzt. Schwarz: "Wenn Oracle Java weniger offen macht oder die Standardisierungsgremien weniger zu sagen haben, werden wir unsere Abhängigkeit von Java verkleinern. Oder wir müssen unseren Fokus auf eine der proprietäreren Versionen von Java von IBM oder Microsoft umlenken. Sie sind nicht so verschieden. Aber wir würden es bevorzugen, wenn Oracle Java so offen halten würde, wie es war. Allzu besorgt sind wir nicht. Denn man fragt sich angesichts von neuen Sprachen wie Ruby on Rails sowieso, welche Langzeitperspektive Java hat." (Christoph Hugenschmidt)

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