Diese Tech-Trends sollten Versicherer im Auge behalten

31. Mai 2018, 11:20
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Der Sonar-Bericht von Swiss Re zeigt Risiken für Versicherer auf. Darunter diskriminierende Algorithmen, Hardware-Lücken und vernetzte Systeme.

Der Sonar-Bericht von Swiss Re zeigt neue Risiken für die Versicherungs- und Finanzbranche auf. Darunter sind diskriminierende Algorithmen, Hard- und Software-Lücken und vernetzte Systeme.
Im Sonar-Bericht 2018 untersucht Swiss Re neue Risiken und Trends, die die Versicherungs- und Finanzbranche auf dem Radar haben sollte. Neben Risiken in den Bereichen Geopolitik, Umwelt und Gesundheit befasst sich der Rückversicherer auch mit Themen wie Cyberrisiken, Algorithmen und Kryptowährungen.
Eine steigende Anzahl an Geschäftsprozessen wird durch Algorithmen gesteuert. Oft werden Algorithmen als objektiv dargestellt, aber die Anwendungen sind nicht unfehlbar, denn sie basieren auf menschlichen Urteilen. Eine diskriminierende Voreingenommenheit kann ebenfalls in fehlerhafte Modelle und Voraussagen münden, wodurch ein Risiko für Versicherungen und vor allem auch für die Finanzbranche entsteht.
Nicht zum ersten Mal nennt der Bericht auch Cyber-Risiken. Fehler und Schwachstellen in Hard- und Software können lange unentdeckt bleiben. Bedrohung könne in Form von alten Bugs in alten Geräten vorliegen, wie man nun an den Meltdown- und Spectre-Lücken sieht. Je mehr digitale Systeme ausserdem integriert und miteinander verbunden sind, desto grössere Verluste können entstehen.
Als Beispiel nennt der Bericht den DDoS-Schutz-Anbieter Cloudflare. Das Unternehmen wurde von der Schaltsekunde überrascht, was den Service für gewisse Kunden unerreichbar machte. Auch wenn Cloudflare das Problem innert 90 Minuten beheben konnte, sei der verursachte Reputationsschaden nicht unerheblich – alles wegen einem unterschätzten oder übersehenen Programmierfehler.
Fehler werden schliesslich auch von Cyberkriminellen ausgenutzt, die rasch Chaos und finanziellen Schaden anrichten können. 2017 zeigte sich dies am Beispiel der Ransomware WannaCry, die weltweit ihr Unwesen trieb und einen Gesamtschaden von Hunderten Millionen bis Milliarden von US-Dollar verursachte, schreibt Swiss Re.
Bitcoin-Bubble ist kein grosses Risiko
Fast ein Jahrzehnt lang waren Krypto-Währungen denjenigen vorbehalten, die anonym – in manchen Fällen zu kriminellen Zwecken – handeln wollten. In den vergangenen zwei Jahren verbreiteten sich dann nicht nur Bitcoin und Co. sondern auch ICOs immer mehr, vor allem als Möglichkeit für Startups an Kapital zu gelangen.
Die Marktkapitalisierung von Kryptowährungen wird heute auf rund 400 Milliarden Dollar geschätzt, was aber im Vergleich zu traditionellen Währungen und Vermögenswerten vernachlässigbar bleibt. Obwohl befürchtet wird, dass der schnelle Anstieg des Wertes von Kryptowährungen sich zu einer Blase entwickelt, die sehr wohl platzen könnte, seien die Auswirkungen auf eine relativ kleine Gruppe von Menschen beschränkt, so das Fazit des Berichts.
Für die Versicherungsbranche stehen in diesem Zusammenhang die Auswirkungen auf die Umwelt im Vordergrund. Der Stromverbrauch von RZs für das Mining von Bitcoins oder die Energie, die für eine Transaktion benötigt wird, sei nicht zu vernachlässigen. Müssen wir in diesem Zusammenhang an die globale Erwärmung denken? Vielleicht sollten wir, so der Rückversicherer.
Mangelnde Rohstoffe stellen ein Risiko dar
Was wird die Ressource des 21. Jahrhunderts? Nach Kohle, Öl und Gas werde es Big Data sein, glauben viele. Aber was ist Big Data ohne Computer? Wenn man über Big Data, Digitalisierung und smarte Maschinen spreche, dürfe man die Rohstoffe nicht vergessen. Mineralien und Metalle werden häufig nicht nachhaltig sowie unter unhaltbaren Arbeitsbedingungen zu Tage gefördert. Ein Beispiel ist Kobalt, ein wichtiger Bestandteil von Lithium-Akkus. Die globalen Ressourcen, die künftig knapp werden, stammen grösstenteils aus der politisch instabilen Demokratischen Republik Kongo. Dort werde ein Fünftel davon von Kindern abgebaut.
Auch die steigende Nachfrage nach den Metallen der Seltenen Erden dürfe nicht unterschätzt werden. Der Verbrauch von magnetischen Seltenen Erden wachse allein für elektrische Autos von 2000 Tonnen vergangenes Jahr auf über 12'000 Tonnen im Jahr 2024. China ist eines der wenigen grossen Länder, die diese Materialien abbauen: Im Jahr 2016 trug China 85 Prozent zur weltweiten Produktion von Seltenen Erden bei. Dies bedeute auch, dass die Kontrolle der Marktverfügbarkeit und Preisgestaltung konzentriert werde. (kjo)

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