Diese Technologien könnten die Welt verändern

25. Februar 2021, 15:18
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Neue Fähigkeiten für Künstliche Intelligenz und ein neuer Ansatz für unsere Privacy könnten 2021 prägen. Glaubt zumindest die 'MIT Technology Review'.

Die renommierte 'MIT Technology Review', die mit der berühmten gleichnamigen Tech-Hochschule verbunden ist, hat eine Liste der bahnbrechenden Technologien für 2021 veröffentlicht. Letztes Jahr hatte das Tech-Magazin erklärt, dass es Hypes nicht auf den Leim gehen, sondern tatsächlich umwälzende Technologien erkennen wolle. Die Prognosen für 2020 lauteten: Ein nicht-hackbares Internet, digitale Geldkriege, neue Medikamente dank KI, der Kampf um Quantenherrschaft. Diese Technologien brauchen noch etwas Zeit, teilweise dürfte die Pandemie neue Prioritäten an ihre Stellen gesetzt haben. Dennoch haben wir aus den neuen Tech-Trends wiederum drei herausgepickt.

GPT-3: König unter den Natural-Language-Modellen

Grosse Natural-Language-Computermodelle, die schreiben und sprechen lernen, seien ein grosser Schritt in Richtung einer Künstlichen Intelligenz, die die Welt besser verstehen und mit ihr interagieren können, schreibt die 'Mit Technology Review'. GPT-3 sei bei weitem das grösste und bisher sprachbegabteste Modell. Es wurde mit dem Text von Tausenden von Büchern und dem grössten Teil des (gefilterten) Internets trainiert. GPT-3 könne menschlich geschriebenen Text mit unheimlichem – und manchmal bizarrem – Realismus nachahmen, was es zum beeindruckendsten Sprachmodell mache, das bisher mit maschinellem Lernen erstellt wurde, lobt das Tech-Magazin.
Bizarr heisst aber auch, dass die Resultate zum Teil unsinnig anmuten. GPT-3 versteht schliesslich nicht, was es schreibt. Dazu kommt, dass das Internet, mit dem das Modell trainiert wurde, voller Fakes und Vorurteile ist, die zum Teil in die Trainingsdaten einfliessen: Das Resultat sind Verzerrungen. Zugleich verbraucht das Modell ungeheure Rechenleistung, Daten und Geld, um zu trainieren. Das hinterlasse einen riesigen CO2-Fussabdruck und beschränke das Modell auf den Einsatz in Forschungseinrichtungen, relativiert die 'MIT Technology Review' ihr Lob.
Das KI-Projekt stammt von der sagenumwobenen Non-Profit-Organisation OpenAI. ETH-Professor Benjamin Grewe hatte im Sommer zum Modell festgehalten: "Gemäss den Entwicklern stösst GPT3 mit der Datenmenge wohl bereits an die Grenzen des Machbaren. Das zeigt auch, dass hochspezialisierte Lernalgorithmen mit noch mehr Daten das maschinelle Lernen nicht mehr entscheidend verbessern werden."

Vielfachbegabte KI: Sehen, fühlen, hören

Der Weg zu einer allgemeinen Künstlichen Intelligenz ist lang und das Ziel nicht wirklich bekannt. KI sei immer noch dumm, wenn es darum gehe, neue Probleme zu erkennen oder sich in unbekannten Umgebungen zurecht zu finden, heisst es bei der 'MIT Technology Review'. Künstlicher Intelligenz geht schliesslich die Fähigkeit ab, die schon kleine Kinder haben: Zu erkennen und zu lernen, wie die Welt funktioniert und dieses allgemeine Wissen auf neue Situationen anzuwenden.
Ein vielversprechender Ansatz zur Verbesserung der Fähigkeiten von KI sei die Erweiterung ihrer "Sinne". Derzeit könne KI mit Computer Vision oder Audioerkennung zwar Dinge wahrnehmen, aber nicht über das, was sie sieht und hört, mit natürlichsprachlichen Algorithmen "sprechen". Aber was wäre, wenn man diese Fähigkeiten in einem einzigen KI-System kombinieren würde? Könnten diese Systeme anfangen, menschenähnliche Intelligenz zu erlangen? Könnte ein Roboter, der sehen, fühlen, hören und kommunizieren kann, ein produktiverer menschlicher Assistent sein? Fragen, die die 'MIT Technology Review' umtreiben.
Einen Ansatz bietet ebenfalls OpenAI. Die Organisation hat im Januar ein Modell vorgestellt, das Sprache in Bilder umsetzen kann: Dall·E könne durch den Input mit natürlicher Sprache unterschiedliche Ideen zusammensetzen und freie Bilder erzeugen. Man sei aber noch weit davon entfernt, Fotografen und Künstler mit einem eigenen Stil und einer kreativen Vision zu ersetzen, hiess es damals. Das liege daran, dass Maschinen in diesem Stadium Schwierigkeiten hätten, wirklich neue Ideen zu entwickeln und auszuführen.

Data Trusts: Das Modell des Datentreuhänders

Technologieunternehmen hätten sich als schlechte Verwalter persönlicher Daten erwiesen. Unsere Daten seien geleakt, gehackt, verkauft und weiterverkauft worden, öfter als die meisten von uns zählen können, schreibt die 'MIT Technology Review' und fragt: "Vielleicht liegt das Problem nicht bei uns, sondern beim Modell der Privatsphäre, an dem wir lange festgehalten haben?" Ein Modell, bei dem wir selbst für den Schutz unserer Privatsphäre zuständig sind.
Data Trusts bieten hier einen alternativen Ansatz, den einige Regierungen zu erforschen beginnen. Im Datentreuhänder-Modell ist eine juristische Person zuständig, die persönlichen Daten von Menschen in deren Namen zu sammeln und zu verwalten. Obwohl die Organisation und Funktion dieser Trusts noch definiert werden müssten und viele Fragen offen seien, würden Datentrusts eine potenzielle Lösung für seit langem bestehende Probleme im Bereich Datenschutz und Sicherheit bieten, hofft das Tech-Magazin.
Ob das bei den Anwendern auch ankommt ist eine offene Frage: Bei der Corona-Tracing-App wurde in der Schweiz Anonymisierung und Speicherung in RZ der staatlichen Verwaltung versprochen. Dennoch waren die Befürchtungen in der Bevölkerung gross, dass ihre Daten nicht in sicheren Händen seien. Der Ansatz ist allerdings auch noch nicht sehr weit gediehen.

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