Digitale Identitäten auf 42 Poststellen

4. April 2007, 12:11
  • die post
  • abacus
  • siemens
image

Die Post lanciert "PostZertifikat": Für 90 Franken können sich Privatpersonen und Firmen auf 42 Poststellen rechtsgültige digitale Zertifikate ausstellen lassen. Nun fehlen noch die Anwendungen.

Die Post lanciert "PostZertifikat": Für 90 Franken können sich Privatpersonen und Firmen auf 42 Poststellen rechtsgültige digitale Zertifikate ausstellen lassen. Nun fehlen noch die Anwendungen.
Heute Morgen stellte die Post an einer Medienveranstaltung "PostZertifikat" vor. Ab sofort können sich Privatpersonen und Firmen auf 42 Poststellen rechtsgültige digitale Zertifikate ausstellen lassen. Die Post ist damit die erste Organisation, die nicht nur digitale Zertifikate ausgeben kann, sondern auch über ein einigermassen flächendeckendes Netz an Ausgabestellen verfügt. "PostZertifikate" sind jeweils für drei Jahre gültig. Das Start-Paket kostet 90 Franken, dazu kommt für Privatpersonen einen jährliche Benutzergebühr von 35 Franken (60 Franken für einzelne Mitarbeiter einer Firma, 90 Franken für Zertifikate für eine ganze Firma).
Physisch kommen die "digitalen Identitäten" der Post als kleine gelbe Schachtel daher, in der es eine CD mit Software, ein USB-Stick und und eine SIM-Karte gibt. Damit kann man dann elektronische Dokumente (PDF, E-Mails) verschlüsseln und rechtsgültig unterschreiben.
Erst wenige Anwendungen
Der Run auf die digitalen Identitäten der Post wird sich in den kommenden Monaten aber noch sehr in Grenzen halten. Peter Delfosse, Geschäftsführer der Post-Tochter DCL Data Care, rechnet nur mit "einigen Tausend" Zertifikaten, die noch dieses Jahr ausgestellt werden.
In der Tat gibt es erst wenige Applikationen, die mit den digitalen Zertifikaten und der PKI (Public Key Infrastructure) der Post arbeiten. Mit IncaMail bietet die Post eine Dienstleistung für den Versand von "eingeschriebenen", das heisst rechtlich unanfechtbaren (Inhalt, Absender, Empfänger) E-Mails. Ein "eingeschriebenene" E-Mail kostet 1.50 Franken. Ab Sommer wird die Post mit "IncaMail Public" eine Dienstleistung bringen, bei der der Empfänger nicht mehr zwingend auf der Mail-Plattform der Post registriert sein muss. Ein solches E-Mail kostet dann pro Sendung 50 Rappen.
Siemens hat zusammen mit dem Stadtzürcher OIZ und dem St. Galler VRSG eine Anwendung für die elektronische Umzugsmeldung zwischen Zürich und St. Gallen entwickelt. Natürlich hofft man nun, dass sich weitere Gemeindem dem System anschliessen und man möchte auf der Plattform auch weitere Dienstleistungen entwickeln, die einen eindeutigen Identitätsnachweis und damit eben digitale Zertifikate benötigen.
Zu guter Letzt lanciert der St. Galler Software-Hersteller Abacus am 5. Mai mit AbaWebTreuhand, eine erste "echte" SaaS-Lösung (SaaS = Software-as-a-Service). Treuhänder können dann ihren Kunden eine Finanzbuchhaltung und Personalverwaltung über das Internet anbieten. Der Kunde selbst braucht keine Software mehr, als Interface dient ein normaler Webbrowser. Sämtliche Daten bleiben auf dem Server des Treuhänders. Mit dem Einbezug der digitalen Zertifikate der Post erfolgt die Kommunikation zwischen Kunde und Treuhänder verschlüsselt und beide Parteien sind eindeutig identifiziert. Die Lösung ist ab 25 Franken pro Monat zu haben. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Post-Tochter Asmiq steht vor dem Aus

Die IT-Firma für die Zeitungsbranche will per Ende 2023 die Geschäftstätigkeit einstellen. 25 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle.

publiziert am 17.1.2023
image

Exklusiv: Prime Technologies setzt neu auch auf Abacus

Einer der grössten Gemeinde-IT-Dienstleister in der Romandie nimmt Abacus in sein Portfolio auf. Pro Concept und Innosolv sind und bleiben an Bord.

publiziert am 12.1.2023
image

Von Hensch zu Mensch: Wenn Monopolisten shoppen

Wurde ja mal Zeit: Das Parlament fühlt den Aktivitäten der Schweizerischen Post auf den Zahn (leider nur fiktiv).

publiziert am 10.1.2023
image

Post und Swisscom stärken IT-Zusammenarbeit

Swisscom und die Post wollen ihre IT-Kapazitäten künftig gemeinsam aufbauen, statt wie bisher jeder für sich.

publiziert am 15.12.2022