Digitalisierung: "Schweiz besteht Corona-Stress-Test nur teilweise"

1. Oktober 2020, 13:13
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Die Schweiz spielt immer noch in der digitalen Champions-League, hat aber in Sachen Technologie an Stärke verloren. Dies besagt eine IMD-Studie.

Die Schweiz kann ihren Spitzenplatz im internationalen Vergleich der digitalen Wettbewerbsfähigkeit nicht ganz verteidigen. Laut dem "IMD World Digital Competitiveness Ranking" 2020 rutscht der Standort Schweiz vom fünften auf den sechsten Rang ab.
Das digital wettbewerbsfähigste Land ist die USA, gefolgt von Singapur, Dänemark und Schweden. Und nun hat sich auch noch Hong Kong vor die Schweiz geschoben.
Die Studie des Lausanner Management-Instituts IMD vergleicht 63 Länder nach den Haupt-Kriterien Wissen, Technologie und Zukunftsfähigkeit. Die diesjährige Ausgabe untersuchte am Fallbeispiel der Corona-Pandemie, wie die Volkswirtschaften digitale Technologien einsetzen, die zur Bewältigung der Gesundheitskrise beitragen könnten. Die Corona-Pandemie sei eine Art "digitaler Stresstest" für jede Nation, fasste Martin Vetterli, Präsident der EPFL, die Studienergebnisse zusammen.
Die Schweiz schneidet insbesondere unter dem Stichwort "Wissen" nachwievor gut ab, ist aber vom zweiten auf den dritten Rang abgerutscht. In dieser Kategorie beurteilt IMD die Fähigkeit, neue Technologien zu verstehen und zu lernen. Dennoch wird festgehalten, dass die Schweiz in Sachen internationaler Erfahrung und immigrierter, hoch gebildeter Fachkräfte den ersten Rang belegt. Hingegen mangle es bei der Gleichstellung und in einigen Aspekten bei Forschung und Entwicklung.
Ebenfalls einen Rang verliert die Schweiz im Bereich "Technologie", in dem die Kompetenz beurteilt wird, digitale Innovation zu entwickeln. 2020 reicht es der Schweiz nur noch auf Rang 11. Hier waren die geringe Zahl an Firmengründungen und die tiefe Marktkapitalisierung von IT-Firmen Hemmschuhe, während die Schweiz in Sachen Regulation generell relativ gut abschneidet.
Im Unterschied dazu verbessert sich die "Zukunftsfähigkeit" des Standorts Schweiz enorm: Ganze fünf Ränge springt die Schweiz nach vorne und kommt auf den fünften Rang. Offenbar glaubt die IMD, dass die Schweiz deutlich offener gegenüber künftigen Entwicklungen geworden ist. Die Entscheidenden Argumente hierfür: In der Business-Agilität schafft es die Schweiz auf den sechsten Rang und verbesserte sich um volle 8 Plätze. Bei der IT-Integration bleibt man auf dem guten siebten Rang.
Das IMD-Klassement zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit wurde im Mai 2017 zum ersten Mal erstellt. Dabei werden Daten wie etwa Patentanmeldungen im High-Tech-Sektor, Nutzerdaten oder Statistiken zu Studienabsolventen und anderen Themen herangezogen. Aber auch "weiche Daten" wie etwa Meinungsumfragen unter Managern fliessen in die Rangliste ein, wie das Institut schreibt.

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