Digitec und Galaxus akzeptieren ab sofort auch Bitcoins und Co.

19. März 2019, 16:44
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In den Schweizer Online-Shops von Digitec und Galaxus besteht ab sofort für Experimentierfreudige die Möglichkeit, Waren mit Krypto-Währungen zu bezahlen.

In den Schweizer Online-Shops von Digitec und Galaxus besteht ab sofort für Experimentierfreudige die Möglichkeit, Waren mit Krypto-Währungen zu bezahlen. Damit übernehme man eine Pionierrolle im hiesigen E-Commerce-Geschäft, heisst es in einem Blog der Migros-Tochter. Die Selbsteinschätzung gilt allerdings nur eingeschränkt, da beispielsweise kleinere Online-Händler wie beispielsweise Lehner Versand aus Sursee diese Bezahlart schon seit 2017 anbieten.
Es handle sich jedoch keineswegs nur um eine PR-Aktion, erklärt Pressesprecher Alex Hämmerli auf Anfrage. Man sei der erste grosse Onlinehändler, der rund 2,7 Millionen Artikel zum Kauf via Bitcoin und Co. ermögliche, wie er anfügt. Amazon oder Zalando seien beispielsweise noch nicht so weit, so Hämmerli weiter.
Konkret ist Digitec und Galaxus für die neue Zahlungsoption eine Kooperation mit dem Schweizer E-Payment-Experten von Datatrans eingegangen, die in diesem Fall mit dem dänischen Fintech Coinify zusammenarbeiten. Coinify amtet gleichsam als Wechselstube für die jeweilige Kryptowährung, denn beim Online-Händler kommen immer Schweizer Franken an.
Wer die Bezahloption wählt, wird zu Coinify weitergeleitet, die dann den Bezahlvorgang starten. Dort wählt man die gewünschte Krypto-Währung aus und erhalte dann die Zahlungsdetails als Text und QR-Code zu einem für eine Viertelstunde gültigen Umrechnungskurs. Danach werde dann die Zahlung über die Krypto-Wallet des Kunden ausgelöst.
Bezahlen kann man mit Bitcoin, Bitcoin Cash ABC, Bitcoin Cash SV, Ethereum, Ripple (XRP), Binance Coin, Litecoin, TRON, NEO oder OmiseGO. Zu beachten ist nur der Mindestbestellwert von 200 Franken. Während bei Digitec und Galaxus keine Gebühren fällig sind, kassiert Coinify 1,5 Prozent des Kaufbetrags.
Der Mindestkaufbetrag habe sich aufgrund von Tests ergeben. Denn bei geringeren Beträge sei es immer wieder mal zu Problemen gekommen, weil kleinere Beträge einfach unberücksichtigt geblieben seien, so Hämmerli.
"Der neuste Streich"
Der Pressesprecher betont übrigens, dass es kein Ausstiegsszenarium gebe, konkrete Erfolgskriterien habe man nicht vorgegeben. Das sei auch deshalb nicht nötig, weil die Entwicklung der Bezahloption so gut wie nichts gekostet habe. Ausserdem habe man bereits erste Bestellungen auf diesem Weg erhalten.
Oliver Herren, CIO und Mitgründer von Digitec Galaxus, gibt sich in einem Blog genauso betont locker.
So spricht Herren gleichsam von einem Experiment, mit dem man Leute anspreche, die ihre Kryptos einfach mal nutzen möchten oder gern Neues ausprobieren. Zwar sei die Zukunft der Krypto-Währung unsicher, auch sei ihm "bis heute nicht klar, was genau mit der Blockchain besser abgebildet werden kann als mit anderen Datenbanktechnologien". Zumal die Transaktionen bisher teurer und langsamer sind als eine normale Zahlungen, und die Dezentralisierung dazu führt, dass Verbesserungen nur schwerfällig möglich sind. Ausserdem skaliere noch keine der Technologien genügend: "Aber vielleicht habe ich zu wenig Zeit investiert und verstehe darum zu wenig gut, wie das Blockchain-Ökosystem funktioniert", schiebt Herren süffisant nach.
Die Entwicklercrew von Spectre, einem Team aus dem Engineering von Digitec Galaxus, ist offiziell zuständig für die Bezahlvorgänge der beiden Plattformen. Inoffiziell sieht man sich als "das wohl disruptivste und frechste Team" im Unternehmen. Immerhin haben sie auch Zeit für eigne Projekte. Das Bezahlen mit Krypto-Währungen sei ihr "neuester Streich", heisst es denn auch.
Man habe das nötige Wissen über Anwendung, Implementation und Risiken von der zugrundeliegenden Blockchain-Technologie aus allen Ecken des Unternehmens zusammengetragen. Am Ende habe man sich dann eben nicht für ein eigenes Wallet oder gar eine eigene Kryptowährung wie "digicoin oder so" entschieden, sondern auf Coinify zurückgegrifffen. (vri)

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