"Disruptiv" oder Steuer­vermeidung?

6. Oktober 2017, 15:55
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Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.

Und hier noch unser Freitagabend-Kommentar.
"Wenn irgendjemand in einer Session hier sagt, Reseller sollten ihr Geschäft 'disruptiv' verändern, dann habt ihr die Erlaubnis, aus der Session zu laufen." Canalys-Gründer Steve Brazier, einer der gescheiteren Leute aus der Zunft der Marktforscher, erntete Applaus, als er diese Bemerkung in seiner Eröffnungsrede zur Computerhändler-Konferenz Canalys Channels Forum machte.
Die Konferenz fand diese Woche in Venedig statt, wo der Volkszorn gegen den vielgelobten "disruptiven" Ferienwohnungsvermittler AirBnB an jeder Ecke zu spüren ist. Viele hassen die Plattform in Venedig wie auch in anderen schönen Orten wie Barcelona oder New York, weil es sich für Hausbesitzer lohnt, Mieter loszuwerden und Wohnungen über AirBnB tage- und wochenweise an Touristen zu vermieten. In Venedig zu wohnen, sei undenkbar, viel zu teuer, so eine Guide, die uns Kongressbesucher von der Bootsanlegestelle zum Hotel führte.
Vieles, was die "Disruptoren" machten, sei schlicht Steuervermeidung, sagte Brazier. Und sie entwickelten sich mehr und mehr zu Monopolen, die, wie Google in der EU und Facebook in Deutschland, ins Visier der Antimonopol-Behörden gerieten. Die öffentliche Meinung wende sich gegen die "Disruptoren", sagte Brazier. "Disruptors have decided to disrupt themselves."
Es war erfrischend, an einer IT-Konferenz für einmal einen realistischeren Blick auf die in Schweizer IT-Szene so bewunderten "Disruptoren" zu hören. Denn wenn Uber oder AirBnB in Sachen Steuern, Arbeitsrecht und der Regulierung von Transport und Parahotellerie nach den gleichen Regeln handeln müssten, wie lokale Ferienwohnungsvermittler und Taxi-Zentralen, dann wären sie einfach nur Entwickler einer sehr coolen Cloud-Software-Plattform. Neuartige Software zwar, die Funktionen von sozialen Medien mit Karten und Geoinformationen verknüpft, die aber kopierbar wäre. Das Geschäftsmodell von Playern wie Uber aber, die gewaltige Mengen von Risikokapital mit Steuervermeidung und Umgehung des Arbeitsrechts kombinieren, lässt sich lokal nicht kopieren. Aber Sharoo und Mobility sind auch nicht schlecht, oder? (Christoph Hugenschmidt)

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