Distis in der Pandemie: "Wir sind verhalten positiv"

18. September 2020, 14:39
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Welche Hilfe von Also, Alltron, Littlebit und Tech Data haben ihre Partner in Anspruch genommen? Und wie geht es ihnen? Wir haben nachgefragt.

Im Frühling haben wir berichtet, was Also, Littlebit, Alltron und Tech Data in der Krise für die Reseller tun. Letztere waren mit verschiedenen Baustellen konfrontiert: Geschlossene Ladengeschäfte, Umsatzeinbussen, Lieferengpässe, teilweise höhere Preise und ein Mangel an Mitarbeitern im E-Commerce waren nur einige der mannigfaltigen Probleme.
Bei den Distis reagierte man mit Kreditlinien, verlängerten Zahlungszielen und anderen Massnahmen zur Unterstützung der Partner. Wir haben nun bei den Distributoren nachgefragt: Wie sieht die Lage bei den Resellern aus? Wurden die Kredite abgerufen? Welche Hilfe wurde sonst in Anspruch genommen? Was sind die nächsten Schritte der Distis?

Wie geht es den Partnern mittlerweile?

Bei Also zeigt man sich auf Anfrage sehr wortkarg. "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir sehr gerne mit, aber nicht über unsere Kunden reden", heisst es von Driton Deda, Head of Digital Commerce beim Emmener Disti, lediglich.
Etwas auskunftsfreudiger ist Gian-Piero Furioso, Managing Director bei Littlebit Technology Schweiz: Inzwischen spüre man bei vielen Partnern ein vorsichtiges erstes Aufatmen. Allerdings falle auf, dass häufiger, aber für geringere Reichweiten geordert werde, sagt er.
Auch bei Alltron ist man "verhalten positiv" gestimmt, wie Pressesprecher Daniel Rei erklärt. Man beobachte die Entwicklung und rechne nun wegen der Maskenpflicht nochmals mit einer Auswirkung auf das Geschäft. "Wir sind auf die Situation sensibilisiert und stellen so sicher, dass wir auf Veränderungen frühzeitig und partnerschaftlich reagieren können", so Rei.
Christine Pallmann, die Chefin der Markting-Kommunikation von Tech Data Schweiz, bleibt sehr allgemein: "Covid-19 hat die Digitalisierung beschleunigt. Davon konnten nicht nur wir, sondern auch verschiedene Partner und Hersteller profitieren. Das Channel Geschäft in der Schweiz, zeigt für 2020 – bis Ende August laut Context – ein solides Wachstum im Jahresvergleich."

Welche Segmente sind von der Krise besonders betroffen?

Das Geschäft ist je nach Segment sehr unterschiedlich betroffen, bestätigt man bei Alltron. Man beobachte, dass im Multimedia-Bereich – zum Beispiel bei Fotokameras oder grossen teuren TV-Geräten – das Geschäft rückläufig sei, sagt Rei. Im Projektgeschäft verzeichne man derweil bereits eine leichte Erholung. Und bei den Cloud-Dienstleistungen gebe es eine starke Nachfrage, so dass sich viele Partner in diesem Bereich entwickeln wollten.
Bei Littlebit gibt sich Furioso generell optimistisch: "Mit den Video-Conferencing- und Homeoffice-Lösungen in unserem Portfolio bieten wir dem Handel Produkte, die heute auf einen überproportional wachsenden Markt stossen." Man habe das Portfolio entsprechend nochmals ausgebaut.

Welche Massnahmen wurden genutzt?

Der Littlebit-Schweiz-Chef bleibt vage, wenn es darum geht, welche Hilfestellungen Partner abgerufen haben: "Während des Lockdowns war die Verunsicherung gross. Die Nachfrage nach Unterstützung war vielfältig." Man habe die Zahlungsziele verlängert, ein IT-Leasing-Angebot aufgegleist, um die Liquidität der Partner zu schonen, und die Zulieferungen an E-Tailer auf deren sehr beanspruchte Logistikzentren abgestimmt, so Furioso.
Gegen einen kleinen Aufpreis könnten Partner ihre Bestellungen direkt in ihrem Namen an ihren Endkunden nach Hause schicken, erklärt Alltron-Pressesprecher Daniel Rei. Man zähle immer noch eine leicht erhöhte Anzahl an solchen "Direktlieferungen". Zudem seien auch die Anfragen zum digitalen Bezug von Produktdaten, die in den Webshop der Partner eingebunden werden, höher als vor der Krise.
"Tech Data unterstützt auf kontinuierlicher Basis die einzelnen Partner – neben vielen anderen Bereichen – auch bei Kreditthemen. Dies geschieht unabhängig von der momentanen Markt- oder Wirtschaftslage", heisst es vom Distributionsriesen wenigsagend.

Wie geht es nun bei den Distis weiter?

Bei Littlebit sei Kurzarbeit kein Thema, die Mitarbeitenden hätten aus dem Homeoffice verlässlich die Verbindung zwischen Herstellern und dem Handel sichergestellt, sagt Furioso im Rückblick. Mit Mauro Valloncini habe man einen neuen Director of Sales für den Schweizer B2B- und B2C-Channel angeheuert, um das Geschäft zu verstärken.
Man arbeite laufend an der Optimierung der Logistik, auch im Hinblick auf das Endjahresgeschäft, und am Onlineshop, sagt Alltron-Sprecher Rei. Zudem seien die Aussendienstmitarbeitenden und Key Account Manager leicht per Skype, Telefon oder E-mail erreichbar – gingen aber mittlerweile auch wieder öfter persönlich bei den Kunden vorbei.
Inside-channels.ch hat sich im Sommer im Rahmen des Digital Channels Forums die Entwicklung in der Schweizer ICT-Branche genauer angeschaut und mit Gewinnern und Verlierern der Krise gesprochen.

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