"Doorstart": Unic Benelux in Troubles

5. Dezember 2012, 11:20
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Die Unic-Gruppe muss ihre niederländische Niederlassung in ein kontrolliertes Insolvenzverfahren schicken. Neuaufbau und Rekapitalisierung geplant. Unic Schweiz, Deutschland und Österreich nicht betroffen.

Die Unic-Gruppe muss ihre niederländische Niederlassung in ein kontrolliertes Insolvenzverfahren schicken. Neuaufbau und Rekapitalisierung geplant. Unic Schweiz, Deutschland und Österreich nicht betroffen.
2011 sagte uns Unic-Schweiz-Chef Stephan Handschin noch, die Niederlassungen in Benelux und in Österreich schrieben "schwarze Zahlen". Er bezog sich auf den Geschäftsgang 2010. Heute ist Unic Benelux in einem "kontrollierten Insolvenzverfahren", am Steuer sitzt der Konkursverwalter. Was ist passiert?
Unic Amsterdam war 2010 und 2011 tatsächlich sehr erfolgreich und schrieb bereits 2010 - nur zwei Jahre nach der Gründung 2008 schwarze Zahlen, so Handschin im Gespräch mit inside-channels.ch. 2010 gründete Unic Benelux eine Niederlassung in Brüssel. Ab 2011 setzte der E-Commerce-Spezialist zum grossen - zu grossen - Wachstumssprung an. Man verkaufte seine Dienstleistungen so gut, dass für einzelne Projekte Freelancer angeheuert werden mussten, was der Profitabilität nicht gut tat, so Handschin. Unic Benelux wuchs auf über 70 Mitarbeitende.
2012 kamen rasch dunkle Wolken auf. Ein Grosskunde beschloss, seine E-Commerce-Projekte wieder selbst umzusetzen und eine Reihe von anderen Projekten wurden abgeschlossen. Gleichzeitig hat sich die holländische Konjunktur eingetrübt, so dass es schwierig war, neue Projekte zu finden. Da Unic den Niederlassungen aber sehr viel Freiheit gelassen hatte, bemerkte das Management erst zu spät, dass man in Benelux die Niederlassung in ernsthafte Gefahr gebracht hatte.
"Neustart" mit dem Konkursverwalter
Gerrit Taaks, Chef der Unic Gruppe, musste diesen Sommer offenbar einen Crash-Kurs in holländischem Arbeitsrecht über sich ergehen lassen. Denn das holländische Recht verunmöglicht es, so Handschin, wenigstens Teile der Firma mittels Stellenabbau zu retten. Denn ein Stellenabbau aus wirtschaftlichen Gründen ist kaum möglich und bei "Massenentlassungen" (mehr als ungefähr 20 Stellen) reden die Sozialbehörde und Arbeitnehmerverbände mit, wer unter welchen Bedingungen weggeschickt wird. So hätte man allenfalls Leute, für die Projekte und Arbeit da sind, entlassen müssen, während andere geblieben wären.
Also musste Unic ein kontrolliertes Konkursverfahren, das unter der Leitung des Konkursverwalters einen Neustart der Firma (Niederländisch "Doorstart") ermöglicht, einleiten. Aktuell laufen die Verhandlungen, so Handschin. Er hofft, dass noch im Dezember eine Einigung mit dem Konkursverwalter erreicht werden kann und Unic Niederlande mit etwa 25 Mitarbeitenden und einer Reihe von Kunden aus laufenden Projekten wieder starten kann.
Kunden und Mitarbeitende in der Schweiz, Deutschland und Österreich, wo der Internet-Dienstleister heute ungefähr 225 Leute beschäftigt, sind gemäss Handschin keineswegs betroffen, da diese Ländergesellschaften sehr erfolgreich und profitabel operieren.
Festhalten an der Europastrategie
Trotz des massiven Rückschlags von Unic in Amsterdam will man weiter in Europa präsent sein. Denn immer mehr Kunden, so Handschin, wünschen Ansprechpartner in ihrer Nähe auch ausserhalb der Schweiz, so Audi in Deutschland. Ausserdem wird Unic bei allem Erfolg in der Schweiz irgendeinmal an eine Wachstumsgrenze stossen, sagt Handschin. Gelingt die Rettung wenigstens eines Teils des holländischen Arms aber nicht, so werde man sich in den nächsten Jahren auf den DACH-Raum beschränken, so Handschin.
Wie auch immer: Sicher wird man am Sitz der Unic-Gruppe in ein Gruppen-Controlling investieren. (Christoph Hugenschmidt)

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