Drôle de ICT-Markt

12. Januar 2010, 14:32
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In der schwer abschätzbaren Wirtschaftslage fahren viele Schweizer Unternehmen weiterhin eine "Wait and See"-Strategie in Sachen ICT-Investitionen.

In der schwer abschätzbaren Wirtschaftslage fahren viele Schweizer Unternehmen weiterhin eine "Wait and See"-Strategie in Sachen ICT-Investitionen.
Anfangs des zweiten Weltkriegs gab es ein kurze Phase, in der die Franzosen lediglich in ihren Festungen hockten und darauf warteten, was die Deutschen machen würden: Mann nannte dieses Wartezeit "Drôle de Guerre". Der Schweizer ICT-Markt befindet sich gegenwärtig in einer ähnlichen Phase.
Wie wir bereits vor einem Monat berichteten, schätzt das Marktforschungsinsititut MSM Research, dass der Business-ICT-Markt (Markt für IT- und Kommunikationstechnologien für Unternehmen) im letzten Jahr hierzulande verglichen mit 2008 um 4 Prozent auf rund 15,54 Milliarden Franken geschrumpft ist. 2009 schrumpfte der IT-Markt damit rund doppelt so stark, wie in den beiden letzten, grossen IT-Krisenjahren 1996 und 2001.
MSM Research befragt für seine vierteljährlich erscheinende Marktschätzung jeweils Kunden nach ihren ICT-Ausgaben und –Ausgabeplänen. Die endgültigen Zahlen für 2009 wird MSM erst Anfang März präsentieren. Wie MSM-Chef Philipp Ziegler heute morgen in einem Presegespräch erklärte, dürfte aber auch die Schlussabrechnung im Rahmen der jetzigen Schätzung liegen.
Hansdampf im Schneckenloch...
Der ICT-Markt litt 2009 einerseits unter einer allgemeinen Preiserosion, und zusätzlich versuchten einige Anbieter, sich im starken Wettbewerb mit Kampfangeboten profilieren. Die Hardwareumsätze litten besonders, aber auch in Dienstleistungegeschäft gab es einen Preiszerfall, unter anderem aufgrund des Trends zu standardisierten Servicepaketen.
Die Festung, welche sich die Anwender in der Krise bauten, sind die generell tieferen ICT-Ausgaben. Investitionsprojekte wurden laut Ziegler vor allem nach drei Grundsätzen behandelt: Verschieben, Kürzen, Neuverhandeln. Und die Dauerausgaben wurden unter anderem durch Arbeitsplatzabbau zurückgefahren. Generell warteten laut Ziegler 2009 viele Unternehmen einfach die Konjunkturentwicklung ab, und diese "Wait and See"-Strategie herrscht auch gegenwärtig noch vor.
...hat (immer noch) alles was er will?
Entsprechend vorsichtig sind auch die Prognosen zu den IT-Ausgaben. Zwar erwartet man generell, dass die Ausgaben wieder etwas steigen werden, aber einen grossen Investitionsschub erwartet kaum jemand. Gegenwärtig prognostoziert MSM Research aufgrund der Ausgabenschätzungen der Unternehmen für 2010 ein Marktwachstum von insgesamt 1,8 Prozent auf 15,82 Milliarden Franken. Die Ausgaben für Dienstleistungen (52,4 Prozent des Gesamtmarkts) sollen um 2,3 Prozent steigen, die Hardwareinvestitionen (18,4 Prozent) um 0,9 Prozent und die Softwareausgaben (16,9 Prozent) um 2,5 Prozent. Für die Kommunikationsausgaben (12,2 Prozent) erwartet MSM einen weiteren leichten Rückgang um 0,1 Prozent.
Keydriver für Investitionen
Dass Schweizer Unternehmen weiterhin nicht planen, in Sachen IT-Ausgaben in die Vollen zu gehen, zeigen auch die auktuellen Hauptbeweggründe für ICT-Investitionen. Am Häufigsten genannt wurde zwar (von knapp 75 Prozent) die Optimierung beziehungsweise die Verbesserung der Effizienz von ICT-Geschäftsprozessen. Gleich dahinter folgt aber weiterhin (von 68 Prozent genannt) die Senkung von ICT-Betriebskosten beziehungsweise die Optimierung und Konsolidierung der ICT-Systeme.
Das schmale Mittelfeld der "Keydriver" bildet die Anpassung der IT an Businessveränderungen (52 Prozent). Jeweils von einer Minderheit genannt wurden zudem die steigende Datenflut (32 Prozent), die Steigerung der IT-Verfügbarkeit (23 Prozent), steigende Risiken beziehungsweise Security (21 Prozent), die Erfüllung vom gesetzlichen Vorgaben (18 Prozent) und ein besseres Verständnis und eine bessere Betreuung von Kunden und Märkten (16 Prozent). (Hans Jörg Maron)

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