Druck auf Mobilfunk-Terminierungsgebühren wächst

6. April 2010, 15:43
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Britischer Regulator will Mobilfunk-Terminierungsgebühren bis 2015 massiv senken.

Britischer Regulator will Mobilfunk-Terminierungsgebühren bis 2015 massiv senken.
Die britische Regulierungsbehörde OfCom möchte die Terminierungsgebühren der Mobilfunkanbieter massiv senken. Mobilfunkdienstleister verlangen diese Gebühren, wenn sie Anrufe aus einem anderen Netz auf Geräte in ihrem Netz durchleiten. Diese Gebühren gelten europaweit als überhöht und haben verschiedentlich - auch in der Schweiz - zu Klagen seitens Konsumentenschützern Anlass gegeben.
OfCom hat nun im Rahmen eines Konsultationsverfahrens ein Papier veröffentlicht, in dem die massive Senkung der Terminierungsgebühren, und zwar gleich auf einen Achtel der bisherigen, vorgeschlagen wird. Können die grossen Mobiltelefonieanbieter heute noch 4,3 respektive 4,6 Pence pro Anrufminute verlangen, so sollen die Gebühren bis 2015 schrittweise auf 0,5 Pence (1 Penny = ca. 1,6 Rappen) sinken.
OfCom hat das Konsultationsverfahren eröffnet, weil die aktuelle Regulierung der Terminierungsgebühren Ende März 2011 ausläuft. Begründet wird die massive, vom Regulator verordnete Senkung damit, dass die EU im Mai 2009 die Verwendung einer neuen Berechnungsmethode ('pure long-run incremental cost' oder 'pure LRIC') empfohlen hat. Im Gegensatz zur bisher verwendeten Berechnungsmethode werden bei der nun vorgeschlagenen Methode nur inkrementelle Kosten (Kosten, die bei einem Anruf zusätzlich entstehen) berücksichtigt werden.
Der britische Regulator schlägt weiter vor, dass nur die Terminierungsgebühren der vier grossen Carrier, die ein nationales Mobilfunknetz besitzen, festgelegt werden sollen. Alle anderen Provider sollen "faire und vernünftige" Terminierungsgebühren festlegen.
Mehr Datenverkehr, günstigere Netze
OfCom argumentiert, dass der Anteil des Datenverkehrs am gesamten Volumen des Mobilfunkverkehrs sehr stark steigt. Damit, so OfCom, reduziere sich der Kostenanteil, den man dem Sprachverkehr zuordnen kann. Ausserdem würden sich 3G-Technologien mehr und mehr etablieren, was zu sinkenden Preisen für Netzwerkausrüstungen führe.
Selbst wenn man die alte Berechnungsmethode LRIC+ anwenden würde, müssten die Carrier die Terminierungsgebühren massiv senken, nämlich von heute 4,3 Pence auf noch 1,5 Pence pro Gesprächsminute, schreibt OfCom.
Fallen die hohen Terminierungsgebühren in Grossbritannien, so steigt der Druck auf die Carrier zur Senkung dieser Gebühren in der EU und früher oder später auch in der Schweiz. (Christoph Hugenschmidt)
OfCom hat eine ganze Reihe von Papieren (Klick öffnet 6-seitiges PDF).

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