DSAG: Mit dem EU-Netzwerk GAIA-X auf dem richtigen Weg

7. Juli 2020, 15:03
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Trotz einiger Vorbehalte sieht die deutschsprachige SAP-Anwendergruppe GAIA-X als Wegbereiter für eine europäische Cloud- und Dateninfrastruktur.

Da zuletzt die Corona-Krise gezeigt habe, wie abhängig Europa von Produkten und IT-Services aussereuropäischer Anbieter sei, "wären mehr Eigenständigkeit und damit mehr digitale Souveränität mithilfe des Staates und der Europäischen Union durchaus sinnvoll". Das schreibt die Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) in einem Positionspapier (PDF) namens "GAIA-X – Auf dem Weg zu einer europäischen Cloud- und Dateninfrastruktur". 
Es geht um das Ende letzten Jahres angekündigte unabhängige Cloud-Projekt, das Europa mehr IT-Souveränität geben soll. Im GAIA-X-Ökosystem, das schon nächstes Jahr live gehen soll, sind laut der Zusammenfassung der DSAG, "Serverkapazitäten vieler kleiner und grosser Unternehmen in Europa so miteinander zu vernetzen, dass die Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können".
Das angestrebte Agieren in Netzwerken sei für Unternehmen essenziell, wenn sie in einer digitalen Welt erfolgreich sein wollen, begrüsst die DSAG das Vorhaben. Dazu wäre es allerdings wichtig, "dass Unternehmen die eigenen Geschäftsprozesse nicht aus Effizienzgründen optimieren, sondern in komplett neuen zum Beispiel serviceorientierten Modellen denken". Denn man müsse zur Kenntnis nehmen, dass sich erfolgreiche Supply-Chains bei jenen Unternehmen finden, "die mit offenen Infrastrukturen gross geworden sind", so die Anwendergruppe.
Allerdings sei der Einsatz von offenen Infrastrukturen und Cloud-Diensten nicht für jede Branche problemlos möglich und teilweise mit vielen Herausforderungen und Unbekannten verbunden. Wesentlich sei jedoch, dass "die Souveränität von Daten und Systemen gewahrt bleiben muss", stellt sich die DSAG auch diesbezüglich hinter das Projekt.
Kritisch sehen sie hingegen den dezentralen Ansatz. Wichtiger als ein eigenes Ökosystem für eine gemeinsame Dateninfrastruktur in der Cloud sei vielmehr Planungssicherheit für kleine und mittelständische Unternehmen. Kritisiert wird weiter, dass zurzeit vor allem innerhalb der GAIA-X-Initiative produktorientiert diskutiert wird und nicht langfristig auf Veränderungsprozesse hin. Das sei kontraproduktiv.
Damit GAIA-X ein Erfolg werde, sei es zudem unabdingbar, dass alle Beteiligten ihre Anforderungen einbringen. Sie dürften "die Verantwortung für die Initiative nicht in die Hände von Unternehmen geben, die primär daran interessiert sind, ihre Produkte zu platzieren".
Auch die "Hoffnung einiger Experten, dass sich mit GAIA-X der Wettbewerb verändern und die Marktmacht der Tech-Giganten durchbrochen wird", teilt die DSAG nur bedingt. Denn auch wenn sich das Projekt mit dem Aufbau einer europäischen, souveränen und offenen Dateninfrastruktur beschäftige, werde es Kooperationen geben müssen, wird festgehalten. Es wäre Ressourcenverschwendung, wolle man "ein Alternativprodukt zu bestehenden Hyperscalern über ein Konsortium" abwickeln.
Die DSAG sieht sich zum Engagement gefordert, weil sie die Sicht seiner Mitgliedsunternehmen positiv in die GAIA-X-Diskussionen einbringen will. Nicht zuletzt, weil es einen enormen Transformationsaufwand brauche, um die neue GAIA-X-Welt in der Praxis umzusetzen, wie es heisst. Insgesamt, resümiert die DSAG, müssen die "Unternehmen schnellstmöglich eine Orientierung erhalten, in was sie bei GAIA-X konkret investieren".

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