DSAG: Viele Anwender sind mit SAP unzufrieden

19. September 2019, 11:51
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Die deutschsprachigen Anwender kritisieren die Roadmap, die Produktstrategie und fordern andere Lizenzmodelle.

Die deutschsprachigen Anwender kritisieren die Roadmap, die Produktstrategie und fordern andere Lizenzmodelle.
"Digitale Transformation" ist schnell gesagt, aber schwer getan. Diese Binsenweisheit zeigt sich auch in der neuesten Mitglieder-Umfrage der einflussreichen, weil mitgliederstarken DSAG (deutschsprachige SAP-Anwendergruppe).
Die SAP-Roadmap und einige SAP-Lösungen sind dabei für manche Anwender keine grosse Hilfe, das zeigt die Umfrage unter Schweizer, deutschen und österreichischen SAP-Anwendern.
Es sind zwar mehr Schweizer mit der Roadmap und Produktstrategie des Konzerns zufrieden als im Rest des deutschsprachigen Raums, aber in den Zahlen verbirgt sich doch ernstzunehmende Kritik.
Die SAP-Produktstrategien und -Roadmaps halten 38 Prozent der Schweizer Unternehmen für "grösstenteils belastbar" (DACH: 22 Prozent). Ebenfalls 38 Prozent stimmen diesem Urteil teilweise zu (DACH: 45 Prozent).
Wenig oder gar kein Vertrauen in die SAP-Strategie haben immerhin 24 Prozent der befragten Schweizer Kunden (DACH: 30 Prozent).
"Klare verbindliche Roadmaps, die die zukünftige Produktstrategie langfristig abbilden, sind eine wichtige Forderung, die auch die Schweizer DSAG-Mitglieder unterschreiben", kommentiert Christian Zumbach, DSAG-Vorstand für die Schweiz, das Ergebnis in einer Mitteilung.
Diese Umfrage ist mit 29 Schweizer Teilnehmern zwar nicht repräsentativ, aber allein stehen dürften die Befragten kaum. Und auf der DSAG-Mitgliederliste finden sich hiesige Schwergewichte wie ABB, SBB, die Nationalbank oder V-Zug (obwohl unbekannt ist, ob diese teilnahmen).
Jedenfalls müsse SAP die Kunden "deutlich mehr unterstützen", sagt Zumbach, damit die Lösungen nicht als Bremser der Digitalisierung enden. Hausaufgaben hat Walldorf laut der DSAG dabei auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Die vier Forderungen der Anwender:
  1. flexible und skalierbare Lizenzmodelle
  2. einheitliche Stammdaten.

Zumbach sagt, diese Aufgaben müssten länderübergreifend besser gelöst werden und, wie er sagt, "zu adäquaten Lösungen für die Digitalisierung führen". Also praxistaugliche Lösungen sind gefragt, keine Ankündigungen.
In der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' (FAZ) priorisiert der deutsche DSAG-Vorstandsvorsitzende Marco Lenck die Roadmap aus Anwendersicht.
Statt dauernd Firmen hinzuzukaufen und Salesforce anzugreifen, müsse SAP zuerst und vor allem die Integrationsprobleme lösen und "endlich" einheitliche Stammdaten schaffen. Speziell einheitliche Stammdaten seien der USP, "in der Funktionalität sind andere besser", fügt Lenck nüchtern hinzu.
Die Kritik führt nun auch dazu, dass nur die Minderheit der Befragten mit dem Software-Hersteller zufrieden sind: 46 Prozent der Schweizer Befragten äussern sich als zufrieden, im DACH-Raum sind es gar nur 37 Prozent der befragten DASG-Mitglieder.
Der Unmut der Anwender ist SAP nicht verborgen geblieben, an der Harmonisierung der Stammdaten arbeite man. Zudem können Kunden "nach intensiven Diskussionen" mit der DSAG ab 2022 SAP Human Capital Management (SAP HCM) auch integriert in S/4HANA betreiben.
Nicht abgefragt wurde offenbar, wie sich der laufende Umbau von SAP auf das Vertrauen und die Kundenzufriedenheit auswirkt. In der 'FAZ' wird das Thema angesprochen. "Viele SAPler mit breitem Knowhow und Kundenverständnis verlassen das Unternehmen, diese Tendenz sehen wir mit Sorge", lässt sich Lenck zum Thema zitieren.
Die DSAG vertritt 60'000 Mitglieder aus über 3500 Unternehmen, und 67 Prozent der Schweizer Mitglieder (DACH: 68 Prozent) äusserten sich in der Umfrage mit der Anwendervereinigung zufrieden.
Aber natürlich ist SAP nicht alleine oder hauptsächlich schuld, wenn die DSAG-Mitglieder nicht so schnell und reibungslos vorankommen mit ihren Digitalisierungsprojekten wie gewünscht. Es gibt durchaus interne Herausforderungen: Die grössten Hürden seien fehlende personelle und finanzielle Ressourcen, die mangelnde digitale Unternehmenskultur oder auch die fehlende Flexibilität von Mitarbeitenden und Organisationsstrukturen.
Befragt wurden 271 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Mehr als 50 Prozent arbeitet in Unternehmen mit zwischen 500 und 5000 Mitarbeitenden. Knapp ein Drittel vertreten gar Unternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten. (mag)
(Interessenbindung: Wir sind Medienpartner der DSAG.)

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