Durchbruch? Belgien verlangt "Open Document Format"

27. Juni 2006, 16:28
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Ab September 2008 soll ODF zum Standard für Dokumentenformate im belgischen Bundesstaat werden. Gibt Microsoft nun nach?

Ab September 2008 soll ODF zum Standard für Dokumentenformate im belgischen Bundesstaat werden. Gibt Microsoft nun nach?
Ab September 2008 sollen Abteilungen des belgischen Bundesstaats standardmässig ODF-Dateien (Open Document Format) für den Datenaustausch verwenden. Bis September 2007 sollten alle Regierungs-Institutionen Belgiens Büro-Software (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware) einsetzen, die ODF-Dateien lesen können.
Da Microsoft auch im kommenden Office 12 das quelloffene Dateiformat ODF nicht unterstützen will, würde dies alternative Büro-Software wie OpenOffice, IBMs Workplace oder StarOffice tendenziell unterstützen. Microsoft hat allerdings auf Druck des Bundesstaats Massachusetts - man zweifelt daran, dass Microsoft dies mit dem eigenen Format schaffen wird.
Der Entscheid der belgischen Zentralregierung, bedeutet noch nicht zwingend einen Entscheid gegen Microsoft. Den einzelnen Institutionen ist es grundsätzlich selbst überlassen, in welchen Formaten sie Dokumente speichern wollen und welche Software sie einsetzen wollen. Nur für den Datenaustausch müssen sie - verlaufen die Tests bis September 2007 gut - ab Herbst 2008 ODF einsetzen.
Massachusetts, Norwegen, Dänemark... Der Druck auf Microsoft wächst
Offene Dokumentenformate wie ODF könnten Microsofts Dominanz im lukrativen Markt für Bürosoftware zumindest ankratzen. Treiber der Bewegung hin zu ODF sind oft öffentliche Institutionen. Sie müssen je nach Gesetzeslage ("Öffentlichkeitsprinzip") Dokumente wie Gesetzesvorlagen, Protokolle und ähnliches in Formaten zur Verfügung stellen, die ihre BürgerInnen lesen können, ohne dass sie dazu die Software eines bestimmten Herstellers kaufen müssen.
Microsoft könnte dem Druck nun nachgeben und ODF als Format in Office 12 doch noch unterstützen. Doch der De-fakto-Monopolist steckt in der Zwickmühle. Unterstützt Office ODF, so ist ein Alleinstellungsmerkmal dahin, können die Office-Programme weiterhin kein ODF schreiben und lesen, so wird der Druck seitens der Kunden weiter wachsen. (Christoph Hugenschmidt)

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