E-Commerce-Report: Sinkende Preise im Online-Handel

18. Juni 2013, 14:57
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    Seit 2009 wird der Online-Handel in der Schweiz alljährlich analysiert. Diesmal sind Zeichen einer Überhitzung des Marktes unübersehbar.

    Seit 2009 wird der Online-Handel in der Schweiz alljährlich analysiert. Diesmal sind Zeichen einer Überhitzung des Marktes unübersehbar.
    Aus der Sicht des Online-Handels sind auch beim nun vorliegenden fünften E-Commerce-Report Schweiz wieder der Stellenwert, Wandel und die Trends des hiesigen Onlinehandels auf den Prüfstand gekommen. Und dabei wollen die Herausgeber, der Online-Zahlungsverarbeiter Datatrans und die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), erneut ein intaktes Wachstum ausgemacht haben: "E-Commerce wächst stärker als der Gesamtmarkt".
    Doch trotz des positiven Ausblicks warnen die Autoren des Reports überdeutlich vor Preiszerfall und weiteren "grossen Herausforderungen", die ohne strukturelle Änderungen etwa bei den Online-Konzepten und der Logistik nicht gemeistert werden könnten. Denn Wachstum, so das Fazit der Studie, sei trotz der Marktentwicklung schwieriger als früher zu generieren.
    Internationalisierung frisst Marge
    Gründe dafür seien, dass das Angebot in den vergangenen Jahren in vielen Branchen deutlich stärker gewachsen sei als die Nachfrage. Zudem sei es aufwendiger geworden, sich im Wettbewerb zu differenzieren insbesondere auch gegenüber grossen Anbietern aus dem Ausland. Es werde selbst für reine Online-Anbieter "immer schwieriger und teurer, hochwertigen Traffic auf die eigene Seite zu holen", heisst es in dem Report. Neben der Konkurrenz drückten zudem die hohe Preistransparenz und steigende Werbekosten auf die Erträge, wie es weiter heisst. Um rentabel zu arbeiten, seien die Online-Händler gezwungen, weiter zu wachsen - was ohne erneute Investitionen nicht möglich sei.
    Befragt wurden für die Studie im ersten Quartal dieses Jahres 34 wichtige Online-Anbieter von Konsumgütern und Dienstleistungen. Deren Aufzählung liest sich von Brack über eBay bis hin zu Ifolor, Ticketcorner und Zattoo wie ein Who-is-Who der Branche. Der Report repräsentiert nach eigenen Angaben ein Umsatz-Volumen von über 3,5 Milliarden Franken.
    Das dreifache Dilemma
    Studienautor Ralf Wölfle sieht insgesamt den Druck auf die Branche wachsen. Nicht nur das Dilemma, dass das Angebot stärker wachse als die Nachfrage, sondern auch ausländische Anbieter machten sich hier bemerkbar. Wie das Beispiel Zalando zeige, können sich internationale Anbieter im Schweizer Markt durchaus positionieren und, so Wölfle, "weitere werden folgen". 80 Prozent der Befragten beobachten bereits sinkende Preise. Wer mithalten will, so das nächste Dilemma, müsse weiter investieren, um nicht zurückzubleiben. Ohne "Ausdauer und Kapital", werde es schwierig.
    Nötig seien zudem strategische Anpassungen, weil immer mehr Befragte sehen, dass künftig der einstige Widerspruch zwischen klassischem und Online-Verkaufskanal in der Hintergrund treten werde. Einkanalmodelle wandeln sich in Richtung Multichannel. Aktuell, so der Report, stehe hierbei die Einbindung von Läden, Mobile-Shops und optimierte Geschäftskonzepte im Vordergrund. "Wer klassische Läden hat, verzahnt diese mit dem Onlinegeschäft", hat die Studie ermittelt.
    Ausserdem stünde die "bessere Unterstützung mobiler Endgeräte weit oben auf der Prioritätenliste, gleich hinter der Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit der Onlineshops". Darüber hinaus hätten diesmal bereits zwei Drittel der Studienteilnehmer darauf verwiesen, dass die Logistikprozesse angepasst werden müssten: "Der Kunden will in Zukunft Ort und Zeit für die Übergabe der Einkäufe flexibler steuern können", heisst es dazu im Report.
    Fazit
    Gleichwohl bleibt der Report tendenziell positiv gestimmt. Seit 2011 hätten fast 75 Prozent der befragten E-Commerce-Anbieter ihren Umsatz um 20 Prozent und mehr steigern können. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, wenn es nach dem E-Commerce-Report geht: "Rund drei Viertel der Antwortenden rechnen für 2018 mit besseren Erträgen als heute". (vri)

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