E-Health: Schweizer Marktstudie zeigt Trends und Expertenstreit

21. November 2017, 15:10
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Das Patientendossier wird sich durchsetzen, die Umsätze mit Digital-Health-Produkten wachsen, so die Studie. Aber bei zwei Trends sind sich die Experten uneins.

Das Patientendossier wird sich durchsetzen, die Umsätze mit Digital-Health-Produkten wachsen, so die ZHAW-Studie. Aber bei zwei Trends sind sich die Experten uneins.
"Digital Health: Die Zukunft des Schweizer Gesundheitswesens" betiteln die Autoren des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW eine neue Studie. Diese ist also gross und breit angelegt und hat hohe Ansprüche: Ordnung im Schweizer Feld schaffen, den Markt ausloten und mit Hilfe von Best Cases Trends ableiten.
Die gesamte Studie, 84 Seiten dick, überlassen wir den E-Health-Playern (PDF). Einige Kernaussagen sind aber von allgemeinem Interesse, sind ja die kommerziellen Prognosen vielversprechend und die Hoffnungen hoch.
Erkenntnis eins: Noch sei der globale Markt für Digital Health zwar nicht wirklich gross, aber er wachse rasant und locke viele Investoren an. Auch in der Schweiz geht etwas.
In der Schweiz sei die Digitalisierung des Gesundheitswesens noch "im Mittelfeld" zu verorten, aber man hole rasant auf, insbesondere die Einführung des Gesetzes zum elektronischen Patientendossier (EPDG) dürfte als Katalysator gelten. Post und Swisscom haben den Markt geentert, Migros mischt mit und hiesige Pharma-Konzerne wie Roche und Novartis investieren in entsprechende Unternehmenssparten. Auch Startups schiessen aus dem Boden. 20 Prozent aller Startups hierzulande seien in den Bereichen Pharma, Biotech, Medtech und Diagnostics tätig. Den EPD-Markt scheinen sich Post und Swisscom aufzuteilen (s. Grafik).
Erkenntnis zwei: Es gibt es auch Hürden im Schweizer Markt zu überwinden. Wie immer bei Digitalisierungsthemen wird der Föderalismus als Bremser identifiziert: "Die 26 Kantone machen häufig sehr unterschiedliche Vorgaben", wird bemängelt und auf die zentralistische Lösung von Österreich als Vorbild verwiesen. Datenschutzfragen sind noch nicht zur allseitigen Zufriedenheit gelöst und die Regulierungen für Kostenübernahmen durch Krankenkassen sind nicht digitalisierungsfreundlich, um es salopp zu formulieren.
EPD, Wearables, Fitness und Telemedizin im Trend
Als vielversprechende Trends gelten in der Schweiz, wenig überraschend, das elektronische Patientendossier (EPD), aber auch Wearables, Telemedizin und Fitness sollen Geld (und Gesundheit) bringen.
Das EPD dürfte sich am Markt durchsetzen, so die Autoren, während sich beim Telemedizin-Trend die Befragten gar nicht einig sind.
Langsam interessant wird der Markt mit Digital-Health-Produkten. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent gestiegen, so die Studie und "ein starkes Wachstum zeichnet sich auch für die Zukunft ab".
Aber wie steht es in Sachen Fitness und den damit verbundenen Hoffnungen, dass wir generell gesünder und damit billiger werden? Die "Experten erkennen keine nennenswerten Auswirkungen durch den Fitness-Trend auf Kosten und Qualität des Gesundheitswesens".
Das generelle Fazit der Studie: Beim Thema Digital Health wird nicht nur viel versprochen, gesprochen und geschrieben, es ist auch mehr als ein Hype-Thema geworden. Allerdings ist die künftige Rolle des Sektors laut der Studie ein Hype: "Die Experten sind sich einig, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweizer Digital-Health-Startup-Szene zum europäischen Silicon Valley wird, eher gering ist". (Marcel Gamma)

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