E-Mail macht fett

21. Oktober 2005, 16:05
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Und hier noch unsere Freitag-Abend-Nachricht…

Und hier noch unsere Freitag-Abend-Nachricht.
In Grossbritannien wird heute der "E-Mail freie Freitag" gefeiert (Wenigstens wenn "Sports England", der Initiator der Aktion, wirklich ein paar Leute dazu bringen kann, ihre liebste Tätigkeit am PC zu unterlassen.)
Was, so fragen Sie sich vielleicht, ist den Briten denn jetzt über die Leber gelaufen. Was haben sie auf einmal gegen E-Mail? Nun, Sports England hat festgestellt, dass E-Mail anscheinend der Volksgesundheit schadet. Der Gesundheitsberater Dr Dorian Dugmore meinte im Gespräch mit dem 'Observer': "Wir verlieren Millionen von Stunden an körperlicher Betätigung wegen der explosionsartigen Verbreitung von E-Mail."
Da hat er schon irgendwie Recht, der gute Doktor Dugmore. Früher musste man noch in der ganzen Firma herumrennen, um wichtige Unternehmens-Infos zu verbreiten. Zum Beispiel dass man im Papierlager den Müller aus der Buchhaltung beim Knutschen mit Frollein Rosmarie erwischt hat.
Statt ihre Hinterteile aber für ein Gespräch kurz vom Bürostuhl zu heben, so Dugmore, "machen die Leute heute sogar den Kollegen, die direkt neben ihnen sitzen, lieber ein Mail. Dass sie mit jemandem auf der anderen Seite des Büros reden, kann man ganz vergessen. Wir müssen die faule Einstellung der Leute ändern!".
Wenn man den Aktivitätslevel der Leute um nur 10 Prozent anheben würde, so haben kluge Experten anscheinend berechnet, könnte man in Grossbritannien 6000 Leben retten (und 500 Millionen Pfund sparen.) Wir fragen uns dazu allerdings: Was ist ein "Aktivitätslevel"? Und was sind 10 Prozent mehr? Gilt auch wildes Fuchteln, wenn die IT wieder einmal streikt? Und sinkt ohne E-Mail nicht die Effizienz? Was, wie einige andere kluge Experten sicher gerne vorrechnen werden, wohl auch hunderte von Millionen wegen "verlorenen" Arbeitsstunden kosten würde.
Bei uns im Verlag wird der flammende Aufruf von Dr. Dugmore jedenfalls leider wenig nützen. Wir können zwar gerne auf interne E-Mails verzichten. Dummerweise brauchen wir uns nur im Stuhl zu drehen und können dann schon mit der ganzen Firma reden. Pech gehabt. (Hans Jörg Maron)

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