EDS-Europachef freut sich über "fiaskofreie" Jahre

9. Januar 2007, 15:33
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"Es ist nicht einfach, zu vergessen, wie man drei Stunden lang vor Fernsehkameras von einer Untersuchungskommission 'gegrillt' wurde."

"Es ist nicht einfach, zu vergessen, wie man drei Stunden lang vor Fernsehkameras von einer Untersuchungskommission 'gegrillt' wurde."
Seit fast vier Jahren hat der britische 'Daily Telegraph' versucht, ein Interview mit dem Europachef von EDS, Bill Thomas, zu erhalten. Erst jetzt hat es geklappt. Das ist kein Zufall: In den Jahren 2002 und 2003 ging für EDS einiges schief bei grossen Projekten für die britische Regierung – und EDS wurde dafür mit hafenweise negativen Schlagzeilen bedacht. Da dürfte Thomas wenig Lust gehabt haben, sich den kritischen Fragen eines Interviewers zu stellen.
Es gab unter anderem Probleme bei Arbeiten für die Kinderhilfe und ein Riesenfiasko bei einem Projekt für die Steuerbehörde, war daneben fast nur noch eine Anekdote.
Zwei Jahre Ruhe
In der Folge musste EDS sogar, um bei einem Monsterprojekt der britischen Armee dabei sein zu dürfen, eine ungewöhnliche "Crash-Versicherungsklausel" unterschreiben.
Nun hat EDS aber in Grossbritannien zwei relativ problemfreie Jahre hinter sich. Die Probezeit bei der Army hat EDS ebefalls bestanden und eben die zweite Hälfte dieses Milliardenauftrags erhalten. Und Thomas, so schreibt der 'Telegraph' ist glücklich, dass er sich zurücklehnen und die "öffentliche Demütigung" anderer Unternehmen – vor allem BT, Accenture und iSoft – im Zusammenhang mit einem anderen Monsterprojekt für die Gesundheitsbehörde beobachten kann.
Im Rückblick übt Thomas leise Kritik am Verhalten der Medien: "Es ist nicht einfach zu vergessen wie man drei Stunden lang vor Fernsehkameras von einer Untersuchungskommission 'gegrillt' wurde." Und: "Ein grosses IT-System der Regierung in den Sechs-Uhr-Nachrichten 'debuggen' zu wollen, ist keine gute Sache." Allerdings räumt er auch ein, dass die Aufmerksamkeit der Medien bei Problemen in Projekten für die Öffentliche Hand kaum zu vermeiden ist: "Man bezahlt uns Milliarden von Dollar für die Arbeit, die wir tun. Dafür müssen wir in die Verantwortung genommen werden, das ist schon richtig so. Das ist Teil des demokratischen Prozesses."
Inzwischen hat EDS übrigens, trotz der früheren Fiaskos, gemäss 'Telegraph' wahrscheinlich in Grossbritannien als IT-Dienstleister im öffentlichen Bereich wahrscheinlich noch eine höhere Dominanz als früher. Aufträge der Steuerbehörde erhält EDS zwar vorerst keine mehr, aber dafür sind andere Projekte hinzugekommen. Von diesen hat aber noch kaum jemand gehört, denn so Thomas: "Es ist eine einfache Tatsache: Für die Projekte, die gut laufen, interessiert sich niemand."
Das komplette Interview mit EDS-Europachef Bill Thomas findet man hier. (Hans Jörg Maron)

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