eEconomy: Ein "Board" für eine gescheitere Schweiz

13. September 2010 um 10:40
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Vertreter von Grossfirmen und aus der Lehre lancieren unter der Leitung des SECO das eEconomy Board. Ziel: Förderung der Wissensgesellschaft und des Transfers von Technologien.

Vertreter von Grossfirmen und aus der Lehre lancieren unter der Leitung des SECO das eEconomy Board. Ziel: Förderung der Wissensgesellschaft und des Transfers von Technologien.
Bundespräsidentin Doris Leuthard ist die Förderung von Hightech-Branchen, insbesondere der Informatik, wichtig. So liess sie es sich nicht nehmen, heute persönlich an einer Medienkonferenz in Bern die Lancierung eines schweizerischen Rats für die Förderung der Internet-Wirtschaft ("eEconomy Board") bekannt zu geben.
Das "Board" wird faktisch vom SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) geleitet und überwacht, denn der Verantwortliche für eGovernment für KMU beim SECO, Christian Weber, ist für die Geschäftsführung zuständig. Präsident ist Microsoft-Schweiz-Chef, Peter Waser, als Mitglieder dabei sind EPFL-Präsident Patrick Aebischer, Post-Konzernleiter Jürg Bucher, Axpo-CEO Heinz Karrer und die IBM-Schweiz-Chefin Isabelle Welton. Wohl als Vertreterin der High-Tech-KMU an Bord des "Boards" geholt wurde Nicola Thibaudeau von MPS Micro Precisions Systems. Swiss-Life-VR-Präsident Rolf Dörig und Rolf Soiron vom Grossfirmen-nahen Think-Tank Avenir Suisse werden als "Förderpartner" aufgeführt. Das "Board" sei für weitere Teilnehmer offen, so Peter Waser. Namentlich fehlten noch Vertreter der Finanz- und der Pharmaindustrie, so Waser.
Bioinformatik, "Smart Work", Cloud Computing und wie gehabt: Förderung der (Aus)Bildung
Die Forschung begrüsse die Gründung des "eEconomy Boards" ausdrücklich, betonte Professor Willy Zwaenepoel von der EPFL. Er habe 2003 nach seiner Rückkehr aus den USA mit Erstaunen festgestellt, wie schlecht Informatik in der Forschungsförderung der Schweiz (Nationalfonds, KTI, ETH-Rat) vertreten sei. "Die akademische Welt begrüsst es ausdrücklich, wenn die Interaktion zwischen Industrie und Forschung verstärkt wird," so Zwaenenpoel.
Keine Geldverteilung
Das neue "eEconomy Board" wird selbst keine Fördergelder zu verteilen haben, sondern wird technologische Trends und Chancen analysieren, und versuchen, Kompetenzen aus verschieden Bereichen (Wirtschaft, Behörden, Forschung) zu bündeln und so allenfalls Projekte anzustossen. Ein Schwerpunktthema ist die Bioinformatik, wo es in der Schweiz mit dem Institut für Bioinformatik und dem Projekt Swiss-Prot bereits erfolgreiche Aktivitäten gibt, wie Professor Zwaenepoel erläuterte. Zudem will das "Board" das Mega-Thema Cloud-Computing, insbesondere die Förderung von Rechtsgrundlagen dafür, aufgreifen. Weitere Themen sind "E-Skills" (Umgang mit der Internet-Wirtschaft), "Smart Work" (Einsatz von Informatik-Mitteln zur Rationalisierung) und soziale Netzwerke.
Waser nannte einige Beispiele für Projekte, die vom "eEconomy Board" angedacht werden könnten, die uns aber allesamt nicht überzeugten. So nannte er ein gemeinsames, 350'000 Franken teures "E-Skill"-Projekt von Microsoft und der Post, bei dem es um die Weiterbildung von Leuten mit "gefährdeten Jobs" geht. Wichtiger scheint uns der Hinweis von Waser auf Co-Invention, der Entwicklung von neuen Technologien (und Produkten) auf Basis von bestehenden Technologien aus anderen Branchen, die in den USA ein Wachstumsmotor ist (oder war).
Leuthard: "Weitere Persönlichkeiten herzlich willkommen."
Mit Peter Waser und Isabelle Welton holt Leuthard zwei Vertreter der US-IT-Industrie in ein Beratungsgremium. Die Frage, ob das "Board" in Bern, wo es im Parlament eine ausgesprochen Microsoft-kritische "Open-Source-Szene" gibt, nicht etwa auf reflexartige Ablehnung stossen könnte, liegt auf der Hand. Das "eEconomy Board" habe, so Leuthard, mit der Debatte um Open Source aber nichts zu tun. In dieser Frage werde der Markt entscheiden. Zudem sind gemäss Leuthard alle Player herzlich willkommen. "Das Board ist an Persönlichkeiten gebunden, die bereit sind, mitzuwirken," so Leuthard. Tatsächlich würde es dem neuen "IT-Rat" sicher gut tun, wenn auch VetreterInnen der hiesigen IT-Produktion dabei wären. Das kann ja noch werden. (Christoph Hugenschmidt)

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