EFK: Fehlende Projekt­orga­nisation könnte Stammdaten­strategie des Bundes gefährden

21. Dezember 2021, 12:41
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Die Finanzkontrolle ist grundsätzlich zufrieden. Der Bundesrat hatte aber auf den Start eines Stammdaten-Projekts verzichtet. Das könnte sich rächen.

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat die Umsetzung der Stammdatenstrategie des Bundes unter die Lupe genommen. Im Zentrum steht die behördenübergreifende Verwaltung jener Daten, welche diese für ihr Handeln zwingend braucht. Vorerst wurden jene von Firmen in Angriff genommen und ein zentrales Betriebs- und Unternehmensregister (UID/BUR) aufgegleist, um die Mehrfachnutzung von einmalig erfassten Daten zu vereinfachen und den administrativen Aufwand für Firmen zu senken.
Alles in allem würden die Herausforderungen abgedeckt. "Die Arbeiten werden angemessen überwacht, ausserdem wird ein Bericht, der die Arbeiten der ersten Etappe zusammenfasst, derzeit ausgearbeitet. Die EFK hält jedoch fest, dass die Ergebnisse und Umsetzungsprozesse der Strategie verbessert werden müssen", heisst es im Bericht.
Der Bundesrat verzichtete 2018, als er die Strategie verabschiedete, auf den Start eines dedizierten Projekts. Denn "die Bundesverwaltung ist mit umfangreichen Projekten und Programmen mehr als ausgelastet", hiess es damals von der Regierung.
Die EFK weist nun darauf hin, dass es riskant war, keine Projektorganisation aufzubauen. Die Finanzkontrolle schreibt, "dass trotz der komplexen Umgebung, der Vielzahl der Beteiligten und des Spektrums an Aktivitäten keine Projektorganisation mit einer spezifischen Finanzierung gewählt wurde". Das ist folgenreich: So fehle ein Gesamtüberblick und auch die finanzielle Transparenz sei nicht gesichert. Zudem müssten die Ressourcen der involvierten Stellen intern kompensiert werden.
Auch fehlen nach Ansicht der EFK eine Roadmap und eine detaillierte Beschreibung der Zielarchitektur. "Geschäftsprozesse, Informationssysteme und Technologie, sowie die Integration von Architekturmodellen", müssten genauer bestimmt werden. Dazu müsse auch ein Modell für einen durchgängigen Prozess entwickelt werden.
Nicht zuletzt sieht man sich an die Kritik am SAP-Riesenprojekt "Superb" erinnert, bei dem die EFK explizit die Stammdatenverwaltung bemängelte. Dort werde das vorgeschriebene Prinzip verletzt, dass Stammdaten von Behördenkunden laut Bundesratsstrategie nur einmal gemeldet werden müssten.
Die erste Etappe der Stammdatenverwaltung des Bundes mit Fokus auf die Firmenstammdaten soll bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Danach werden die Personen- und Gebäudestammdaten in Angriff genommen, ein deutlich komplexeres Unterfangen. Das könnte zur Bewährungsprobe werden.

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