Ein bisschen San Francisco an der Limmat

13. März 2015, 16:01
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Viel Inspiration, moderate Information: Von Mentoren, Scheitern und dem "Beer Test".

Viel Inspiration, moderate Information: Von Mentoren, Scheitern und dem "Beer Test".
"Digitale Transformation und Leadership" war das Motto des Worldwebforum Zurich 2015, das am 10. März im Zürcher Komplex 457 über die Bühne ging. Die Segnungen und Fallstricke des digitalen Wandels erfuhr das Publikum – laut den Organisatoren war der Event mit 550 Teilnermern ausverkauft, "70% C-Level" – anhand von zwölf erfrischend kurz gehaltenen Präsentationen. Referiert haben so illustre Persönlichkeiten wie der Präsident des Collaboration-Anbieters Atlassian, der Director of Engineering von Twitter, ein Regional Manager von Airbnb sowie zwei Professoren der Uni und der ETH Zürich.
Und dann war da noch Apple-Mitgründer Steve Wozniak (kleine Bild auf der Startseite), der bereits im Vorfeld klar als Aushängeschild der Veranstaltung diente. Im moderierten Gespräch betonte er, er sei Ingenieur und kein Unternehmensführer: "Herumspielen mit Technik ist die grosse Freude meines Lebens".
Dennoch hatte er einige Ratschläge mitdabei. Für Startup-Gründer: So solle man nicht alles allein erledigen und bei Bedarf Rat einholen. "Sogar Steve Jobs hatte Mentoren." Für gestandene Unternehmen: "Nehmt mehr Risiko." Viele hätten Angst vor dem Scheitern oder davor, den guten Ruf zu verlieren und scheuten deshalb neue Ideen. Apple zum Beispiel sei oft gescheitert.
Mehr oder weniger bahnbrechende Erkenntnisse
Wie der fast einstündige Talk mit Woz boten auch die übrigen Präsentationen viel Inspirierendes und waren durchaus unterhaltsam. So erörterte Ibrahim Bashir von Twitter, wie aus Ideen nachhaltiger Erfolg wird und mahnte unter anderem, langfristig zu denken und Usability nicht mit Perfektion zu verwechseln. Alexandra Reich von Swisscom fragte sich, wie man in Zeiten der Übersättigung mit Marketingbotschaften den Kunden überhaupt noch erreichen könne. Abgesehen davon, ihn weiter mit Werbung zu bombardieren, bis wenigstens etwas hängen bleibt, empfiehlt Reich, auf den "Need Space" der angezielten Kundschaft einzugehen. "Es geht nicht darum, was das Unternehmen sagen möchte, sondern was der Kunde hören will."
Christopher Cederskog vom Hotelbranchen-Disruptor Airbnb liess sich passend zu "Revolutionizing established Industries" aus. "Hundert User, die dich lieben, sind wichtiger als eine Million, die einfach konsumieren" lautet eine Kernphilosophie seines Unternehmens. Atlassian-Präsident Jay Simons kam in seiner Betrachtung, wie ein Unternehmen kulturell mit rasantem Wachstum fertig wird und die Magie der Anfangszeit in der Garage bewahren kann, zu folgendem Schluss: Eine Firmenkultur ergibt sich nicht einfach so. Sie muss geplant werden wie ein Garten. Die gewünschte "Culture of Happiness" lasse sich unter anderem durch "Fun with Coworkers" erreichen, vom gemeinsamen Picknick bis zur Geburtstagsfeier. Und neue Kandidaten würden, nebst der fachlichen Qualifikation, vom Team anhand eines "Beer Test" beurteilt: Ist das jemand, mit dem man ein Bier trinken möchte?
Zum Schluss noch etwas ganz anderes. Eine wichtige Erkenntnis liess sich aus der Gesamtheit der Referate nämlich entnehmen: Die Bullet-geschwängerte Powerpoint-Präsentation ist out. Alle Präsentatoren setzten auf hohe Ästhetik. Gefragt sind Slides mit klaren Einzelbotschaften in wenigen Worten oder grosse und schöne Bilder. Jedenfalls dort, wo es nicht um technische Details, sondern um allgemeine Weisheiten geht. (Urs Binder)
Foto gross: Worldwebforum. Foto klein: Steve Wozniak.

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