Ein Pilot wird "frühestens 2020 durchgeführt"

26. April 2019, 08:33
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Am Schweizer Polizeiinformatik Kongress (Spik) war die mobile breitbandige Sicherheits­kommunikation grosses Thema. Das BABS gibt Auskunft über die Fortschritte.

Am Schweizer Polizeiinformatik Kongress (Spik) war die mobile breitbandige Sicherheits­kommunikation grosses Thema. Das BABS gibt Auskunft über die Fortschritte.
Am ersten Tag des diesjährigen Schweizer Polizeiinformatik Kongress (Spik) hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) die jüngsten Entwicklungen für die künftige mobile breitbandige Sicherheitskommunikation (MSK) vorgestellt. Bereits zur Eröffnung des Kongresses hatte BABS-Direktor Benno Bühlmann die Bedeutung der Kommunikationssysteme betont. Man müsse wissen, dass erst sie den Einsatzorganisationen ermögliche, zu führen und ihren Auftrag zeitgerecht zu erfüllen und "ohne Führung ist keine Rettung möglich", wie Bühlmann unmissverständlich ausführte.
Für das weitere Vorgehen in Sachen MSK werde dem Bundesrat auftragsgemäss noch im zweiten Quartal dieses Jahres ein entsprechendes Aussprachepapier vorgelegt. In dessen Zentrum stehe die Kooperation mit allen beteiligten Partnern, die Aufwärtskompatibilität der Systeme und eine landesweit einheitliche Lösung mit wenig Schnittstellen, so der BABS-Direktor.
Die Konzeptarbeiten sind also voll im Gang und jetzt steht ein Pilotprojekt auf der Agenda. Auf Anfrage von inside-it.ch unterstreicht BABS-Sprecher Kurt Münger, "Gegenstand des geplanten Aussprachpapiers an den Bundesrat ist das weitere Vorgehen in Hinblick auf die Vorbereitung und Umsetzung eines Pilotversuchs für ein künftiges MSK". Konkret werde der zu erwartende Beschluss des Bundesrates zur Umsetzung eines Pilotversuchs aber "die Konzeptphase lediglich für diesen engeren Aspekt des" Versuchs abschliessen. Eine mögliche flächendeckende Realisierung von MSK, so Münger weiter, sei damit noch nicht definiert. Vielmehr werde "für das umfassende MSK-Projekt das Konzept erst nach der Durchführung eines Pilotversuchs erarbeitet". Wobei der Pilot "frühestens 2020 durchgeführt" werde.
In einem weiteren Referat am Spik hatte Sanne Stijve, seit Ende letzten Jahres Gesamtprojektleiter im BABS für MSK, bereits einige Eckpunkte der künftigen MSK vorgestellt. Der vor seinem Wechsel langjährige Ericsson-Mitarbeiter stellte klar, dass mit dem voraussichtlich Anfang 2020 in Kraft tretenden totalrevidierten Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetzes (BZG) die Grundlagen für das Aufgleisen eines Pilotprojektes gegeben sei. Das MSK-Pilotprojekt könne voraussichtlich noch in diesem Jahr initiiert werden, sofern der Bundesrat dem vorgeschlagenen Vorgehen zustimmt.
Laut Stijve wird MSK auf einer Infrastruktur beruhen, die mehrere Elemente umfasst: Den Aufbau MSK-eigener Zellen mit eigener Frequenz, die Nutzung kommerzieller Netze, der Betrieb mobiler Stationen sowie einer hybriden Lösung, die alle drei Varianten integriert. Als besonderes Problem stellte Stijve dabei die kostspielige Härtung des MSK-Netzes heraus.
Testergebnisse Streetparade 2018
Da die Nutzung kommerzieller Netze integraler Bestandteil des Pilotprojekts sein werden, hat inside-it.ch beim federführenden BABS nach den Resultaten der letztjährigen Tests an der Streetparade in Zürich. Damals hiess es, man könne allenfalls darüber streiten, ob das Glas halbvoll oder halbleer sei, denn beide getesteten Priorisierungsdienste, BLUnet von Axpo-WZ-Systems auf dem Sunrise-Netz wie Public Safety LTE von Swisscom Broadcast auf dem Swisscom-Netz, hätten nur "halblebendig" funktioniert.
Diesmal, so Münger, seien hingegen gute Resultate erzielt worden. So haben man an der Streetparade 2018 die Qualität der MSK-Priorisierungsdienste erhoben. Hauptzweck dieser Messungen sei gewesen, die "Servicequalität der gegenwärtig angebotenen Priorisierungsdienste auf dem Sunrise-Netz (BLUnet) und von Swisscom (Public Safety LTE) im Vergleich mit den nicht priorisierten SIM-Karten zu überprüfen".
Ausserhalb des Vergleichs ist dabei auch ein von Bund zu Testzwecken errichtetes separates kleines LTE-Mobilfunknetz zum Einsatz gekommen. Laut BABS haben man dabei auf der Frequenz von 733 MHz die Anzahl der Behandlungen in den Sanitätsposten vor Ort an die Zentrale beim Flughafen Kloten übermittelt.
So haben man im Detail festgestellt, "mit welcher Geschwindigkeit und mit welcher Verzögerung die Übertragung der getesteten Kommunikationsdienste erfolgte". Zusammengefasst hätten die Messungen drei zentrale Erkenntnisse erbracht respektive bestätigt:
"Die öffentlichen Mobilfunknetze von Salt, Sunrise und Swisscom mit nicht priorisierter SIM-Karte waren permanent überlastet und für die Blaulichtorganisationen im Stadtzentrum von Zürich während der Street Parade 2018 nicht nutzbar. Mit den beiden Priorisierungsdiensten von Sunrise (BLUnet) und Swisscom (Public Safety LTE) wurden gute Resultate erzielt. Das vom Bund getestete kleine LTE-Netz war immer und ohne Einschränkungen betriebsbereit und konnte exklusiv für die Blaulichtorganisationen genutzt werden."
Laut BABS wurden die Netze aber nur in ihrer Standardkonfiguration getestet, also keine speziellen Massnahmen zu ihrer Härtung getroffen: "Aufgrund der Tests können zur spezifischen Anforderung der Härtung somit keine Aussagen gemacht werden".
Fazit
Abgesehen von den vier MSK-Elementen des Pilotprojektes ist inzwischen auch klar, dass der Bundesrat im Rahmen des Nationaler Frequenzzuweisungsplans spezielle Frequenzbereiche für die spezifische Nutzung durch BORS festgelegt hat. Sie sind im nationalen Frequenzzuweisungsplan bereits unter dem Begriff Public Protection Disaster Relief (PPDR) zu finden, schreibt Münger.
Was die MSK-Infrastruktur einst kosten werde, lasse sich allerdings noch nicht sagen. Das sei noch Gegenstand laufender Abklärungen. Die Kosten "können erst im Rahmen eines Gesamtkonzepts genauer ausgewiesen werden", hält Münger fest und verweist darauf, dass ein solches Gesamtkonzept erst nach der Durchführung eines Pilotversuchs erarbeitet werde. (Volker Richert)

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