Ein Schiedsrichter gewinnt die Grand Challenge

18. Juli 2016, 15:00
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Die "Idee der Ideen"? Ein "elektronischer Schiedsrichter" gewinnt die mit 50'000 Franken dotierte Auszeichnung der Hasler Stiftung.

Die "Idee der Ideen"? Ein "elektronischer Schiedsrichter" gewinnt die mit 50'000 Franken dotierte Grand Challenge der Hasler Stiftung.
Anfang Jahr hat die Hasler Stiftung den ICT-Wettbewerb "Hasler Grand Challenge" ins Leben gerufen. Damit wurden Ideen für die Schweizer ICT-Forschungscommunity gesucht. Die Ideen sollten einen Ansatz bieten, ein schwieriges Problem zu lösen, am besten gleich mit einem technologischen Durchbruch, der das ganze Gebiet in Zukunft beeinflussen könnte. Als Beispiele nannte die Stiftung die vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms oder die Mondlandung. Ganz so hoch hinaus will das Siegerprojekt nicht: Wie die Stiftung heute mitteilt, hat mit "Collina: an Automated Football Referee" die Idee für einen digitalen Fussballschiedsrichter des EPFL-Professors Willy Zwaenenpoel gewonnen. Um die mit 50'000 Franken dotierte Auszeichnung haben sich rund zwanzig Bewerber bemüht.
Collina zeige exemplarisch auf, dass elektronische Systeme komplexe Situationen erfassen und bewerten können. Die diesjährige Fussball-Europameisterschaft sei zwar auf sportlicher Ebene von grösseren Zwischenfällen verschont gewesen, doch immer wieder sorge die Fehlentscheidung eines Schiedsrichters für Diskussionen. Der automatisierte Schiedsrichter von Professor Zwaenenpoel soll dem nun Abhilfe schaffen. Das Projekt wurde übrigens nach Pierluigi Collina benannt, der laut dem Professor als einer der besten Schiedsrichter überhaupt gilt.
Breite Anwendung denkbar
Das Projekt wurde aber insbesondere deshalb zum Sieger gekürt, weil ein System, dass selbstständig sehen, hören, verstehen und richtige Entscheidungen treffen kann, weit über das Fussballspiel hinaus Anwendung finden könne. So sei es denkbar, solche Systeme bei autonomen Autos, bei medizinischen Notfällen oder zur Führung von Massenansammlungen, etwa bei Festivals, einzusetzen. Dank dieser multidisziplinären Breitenwirkung, schreibt die Stiftung, bringe das System für Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft grosses Potential.
Wie aus der Projektbeschreibung hervorgeht, soll das System aus vier Komponenten bestehen: einem Sensor inklusive einer Einheit zur Verarbeitung der Informationen des Sensors, einer AI-Komponente, einem Streaming-System sowie einem User-Interface. Bei der künstlichen Intelligenz (AI) handelt es sich bei der Fussball-Anwendung um die Spielregeln, mit denen "Collina" ausgestattet werden soll. Es sei jedoch auch denkbar, dass hier selbstlernende Systeme zum Einsatz kommen.
Zwaenenpoel stellt sich eine Ausarbeitung seiner Idee mit Vertretern aus der Forschung und dem professionellen Fussballsport vor. Getestet und konkret umgesetzt soll sie schliesslich in Zusammenarbeit mit Fussballverbänden. Das Ganze solle von einem Projektmanager geleitet und gleichzeitig von einem wissenschaftlichen Beirat, dem Zwaenenpoel vorstehen würde, überwacht werden, wie es weiter heisst. (kjo)

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