Ein Stück IT-Geschichte im Appenzell gefunden

20. Juni 2016, 11:46
  • technologien
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Wirt entdeckt 100 Jahre alten automatisierten Mega-Rechenschieber.

Wirt entdeckt 100 Jahre alten automatisierten Mega-Rechenschieber.
Beim Aufräumen seines Hauses ist der Wirt des Drehrestaurants Hoher Kasten, Urs Brülisauer, auf eine seltene logarithmische Rechenwalze gestossen. Es handelt sich um eine über 100-jährige 15-Meter-Loga-Rechenwalze, die früher wahrscheinlich im Appenzeller Textilunternehmen Alba Albin Breitenoser im Einsatz stand, wie der Technikhistoriker und Informatiker Herbert Bruderer gegenüber inside-it.ch erklärt. Gefertigt habe sie die Firma Loga-Calculator. Es handelt sich um einen Art automatisierten Rechenschieber, der allerdings mit rund 60 Zentimeter Länge (Durchmesser rund 16 Zentimeter) viel grösser ist. Im Gegensatz zum Rechenschieber lassen sich mit einer solchen Rechenwalze aber auch viel genauere Berechnungen anstellen.
Bereits vor zwei Jahren hatte der Fund von gleich zwei 24-Meter-Rechenwalzen in Basel bei der UBS und Zürich an der ETH für einiges Aufsehen gesorgt. Auch daran war Bruderer beteiligt, der darauf hinweist, dass von solchen grossen Rechenwalzen weltweit nur noch sechs bekannt sind. Drei davon befänden sich in der Schweiz, eine von ihnen in Privatbesitz in Windisch, wie er anfügt. Wie viele 15-Meter-Loga-Rechenwalzen noch existieren, kann Bruderer zwar nicht sagen, vermutet aber einige in diversen Museen auf der Welt.
Aufgrund der Ortsbezeichnung Zürich auf dem Metallring des jüngst gefundenen Rechengeräts datiert er es auf spätestens 1911, weil in diesem Jahr die Firma Loga-Calculator ihren Sitz von Zürich nach Uster verlegte. Vorläufig wird diese 15-Meter-Loga-Rechenwalzen im Privatbesitz von Brülisauer verbleiben, wie Bruderer anfügt.
Wie beim Rechenschieber erlaubt die Rechenwalze anspruchsvolle mathematische Berechnungen mit bis zu sechs Stellen nach dem Komma. Sie ist laut Bruderer jedoch deutlich schwieriger zu benutzen. Denn statt wie beim zum Beginn des 17. Jahrhunderts erfundenen Rechenschieber die Zahlenwerte nur mit der Zunge einzustellen und die Ergebnisse mit dem Läufer abzulesen, werden bei der Rechenwalze Trommel und Käfig (Manschette) gedreht und der Käfig zusätzlich hin- und her bewegt. So muss man sich in den "verwirrend vielen Skalenabschnitten" zurechtfinden. Das seien bei einer 15-Meter-Walze 60 parallele Abschnitte zu 50 cm, die sich jeweils überlappen. "Die Überschneidungen sind eine Voraussetzung, damit man überhaupt damit rechnen kann", so Bruderer. (vri)

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