Einmal mehr steht die Schulsoftware Evento unter Beschuss

9. Februar 2011, 15:54
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Evento bleibt weiter in der Kritik und löst absurde Umweg-Aktionen aus.

Evento bleibt weiter in der Kritik und löst absurde Umweg-Aktionen aus.
In Bern gelingt es offensichtlich immer noch nicht, die teure und seit Jahren zum Teil scharf kritisierte Schulsoftware Evento breit in der schulischen Landschaft des Kantons zu verankern. Wie die in der Sache stets gut unterrichtete 'Berner Zeitung' heute schreibt, haben 80 Prozent oder 500 der 630 Lehrer der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern (Gibb) für die soeben erfolgte Notenvergabe nicht auf die Schulsoftware zurückgegriffen. "Sie umgingen das millionenteure Programm, indem sie die Noten in Excel-Tabellen erfassten und auf Sticks ablieferten", heisst es in dem Blatt.
Alternative Steinzeit
Evento hatte den Gibb-Lehrern zuletzt so viel Ärger bereitet, dass die Schulleitung auf den jetzt anstehenden Semesterschluss hin eine Alternative bieten musste: Neben der offiziell vorgesehenen Erfassung der Noten via Evento durften sämtliche Noten und Absenzen auch in Excel-Tabellen vorgelegt werden.
Den heutzutage steinzeitlich anmutenden und aufwendigen Umweg beschreibt die 'Berner Zeitung' so: Jeder Lehrperson, bei der Evento nicht funktioniert oder die dem Programm misstraut, wurde ein USB-Stick zusammen mit einer mehrseitigen Anleitung ausgeteilt. Wer die Variante Excel vorzog, musste vom Intranet vorbereitete Excel-Tabellen herunterladen, seine Daten eintippen, die Tabelle auf dem Stick zurückspeichern und den dann auf dem Sekretariat abliefern. Das Gibb-interne Evento-Büro hatte dann Stick für Stick erneut in einen Rechner einzustecken und die Daten Tabelle um Tabelle ins Evento zu importieren.
Evento kommt nicht vom Fleck
Gibb-Direktor Herbert Binggeli begründet den hohen Zuspruch für die Excel-Variante damit, dass viele Lehrkräfte Excel bereits aus ihrem Berufsalltag kennen. Die 'BZ' hingegen zitiert gut unterrichte Quellen, die zeigen, dass etliche Lehrer zunächst versucht hätten, die Noten über Evento einzugeben. Sie seien aber nur schon daran gescheitert, die Internetseite mit der Evento-Maske zur Eingabe der Noten aufrufen zu können. Würden sich die Berichte der anonymen Quellen bestätigen, wären alle Aktionen der Informatiker, die für die letzten Monate versprochen worden waren, erfolglos gewesen. Immerhin hatte das achtköpfige für Evento zuständige Informatiker-Team angeblich eine gross angelegte Fehlerbehebungsaktion eingeleitet. Laut 'BZ' stellte allerdings Martin Fischer, Chef des für Evento zuständigen Informatikteams bei der Erziehungsdirektion, klar, "dass die Verfügbarkeitsprobleme, die bei Evento am Semesterende im letzten Sommer auftraten, behoben wurden". Laut Fischer hätten alle Schulen die Semesterzeugnisse ohne Evento-Probleme erstellen können und die Rückmeldungen seien "durchwegs sehr positiv" gewesen. Und in der Tat gibt es auch von früheren Kritikern positive Meldungen, etwa von der Berner Schule für Detailhandel oder von der Thuner Berufsschule. Da fragt sich nur, wie man die USB-Stick-Aktion an Gibb einordnen soll.
Kritik, die nicht weichen will
Die 'Berner Zeitung' schreibt denn auch, dass die positiven Meldungen nicht darüber hinwegtäuschen können, dass Evento nach wie vor höchst umstritten ist. Die Programmoberfläche sei benutzerunfreundlich, unübersichtlich und veraltet, heisst es schon länger, viele Funktionen seien "hineingebastelt" und die Handhabung für Durchschnittsnutzer kaum zu durchschauen.
Und weiterhin stehen die hohen Kosten als Hauptkritikpunkt im Raum. Für Einrichtung, Einführung und Betrieb des Programms und weiterer Programmkomponenten hatte der Kanton Bern anfänglich einen Kredit von 26 Millionen Franken gesprochen. Der aber reichte nicht und ein Nachkredit von mehreren Millionen Franken war zusätzlich erforderlich. Zudem stellte sich heraus, dass die zunächst angegebenen jährlichen Unterhaltskosten von 1,2 Millionen Franken nicht der Realität entsprachen und vielmehr 2,5 Millionen Franken pro Jahr dafür fällig sind. (vri)

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