Einschätzungen zur Übernahme von Ingram Micro durch die HNA-Group

18. Februar 2016, 16:49
image

Die Branche nimmt auf den Kauf von Ingram durch den Logistik-Spezialisten Tianjin Tianhai gelassen auf.

Die Branche nimmt auf den Kauf von Ingram Micro durch den zur chinesischen HNA-Gruppe gehörenden Logistik-Spezialisten Tianjin Tianhai gelassen auf.
Der Besitzerwechsel beim weltgrössten Broadliner Ingram Micro wird derzeit unbeeindruckt in der Branche registriert. Das scheint wenig erstaunlich, zumal wie berichtet aufgefallen, womit unter anderem die Wandlung vom klassischen "Grosshändler" zum Logistik-Dienstleister umgesetzt wird. Der Deal soll in den kommenden drei bis sechs Monaten abgeschlossen sein. Der Verwaltungsrat sei überzeugt, für den Deal die Zustimmung der Aktionäre zu erhalten, so Maurer weiter.
Gustavo Möller-Hergt, Verwaltungsratspräsident der ALSO Holding in Emmen, einem der grössten Konkurrenten von Ingram Micro in Europa, sieht durch den Verkauf das operative Geschäft ebenfalls nicht tangiert. Der Besitzerwechsel spiele sich auf Shareholder-Ebene ab, sagte er zu inside-channels.ch. Auswirkungen auf die Distribution in der Schweiz erwartet er denn auch nicht. Hier könne man der künftigen Entwicklung im Markt gelassen entgegen sehen. Möller-Hergt sieht die Übernahme sogar als positives Zeichen für die ganze Disti-Szene: "ALSO sieht diese Übernahme als Anerkennung für die Wertschöpfung, die einige ITK-Distributoren für ihre Lieferanten und Kunden generieren".
Der hiesige Konkurrent Roland Brack, Besitzer und Chef der Comptec Gruppe mit Alltron und Brack.ch, sieht aktuell ebenfalls keine besonderen Auswirkungen. Man müsse erst einmal die nun anstehende Entwicklung abwarten, empfiehlt er. Allenfalls würden sich in einiger Zeit Konsequenzen für die Distribution zeigen, die allenfalls durch den Besitzerwechsel ausgelöst werden.
In den USA hat sich beispielsweise Sam Haffar, CEO des in Houston ansässigen Systemintegrators Computex Technology Solutions, zu dem Verkauf geäussert. Er sagte dem Channel-Portal 'CRN', dass Ingram Micro auch unter dem neuen Besitzer nur den bisherigen Kurs halten müsse. Man arbeite seit 28 Jahren mit Ingram zusammen und erwarte, dass die Services und die Qualität weiterhin auf hohem Niveau bleiben, so Haffar. Darauf werde man nach dem Verkauf besonders achten und die Situation permanent analysieren. Haffar bestätigt aber auch Analysten-Einschätzungen, nach denen Ingram von den neuen Besitzern profitieren könnte. Jedenfalls würde Ingram der Zugang zum Markt in China durch die HNA-Gruppe erheblich erleichtert und dürfte die Möglichkeit bieten, neue Potentiale zu erschliessen.
Nicht so viel Optimismus und Vertrauen in den freien Markt herrscht hingegen in Deutschland. Dort problematisiert die 'FAZ' im Zusammenhang mit den Ingram-Verkauf den Vormarsch chinesischer Unternehmen in Europa. Die "Übernahmen aus dem Reich der Mitte mehren" sich, heisst es. China nutze die Gunst der Stunde, gemeint sind die gesunkenen Börsenkurse, um sich im Ausland einzukaufen. (vri)

Loading

Mehr zum Thema

image

Deutsche Telekom wird T-Systems nicht los

Die Verhandlungen zum Verkauf der IT-Dienstleistungssparte sind laut einem Medienbericht gescheitert.

publiziert am 22.9.2022
image

RZ-Ausfälle kosten schnell mal mehr als 1 Million Dollar

Eine internationale Studie zeigt, dass die Betreiber auch im nachhaltigen Umgang mit Strom und Wasser noch Verbesserungs­potenzial aufweisen.

publiziert am 22.9.2022
image

Nach Angriff warnt Revolut vor Phishing-Kampagne

Bei einem Cyberangriff auf das Fintech-Unternehmen sollen sich Hacker Zugang zu zehntausenden Kundendaten verschafft haben. Revolut bestätigt den Abfluss von Daten.

publiziert am 22.9.2022
image

Abermals steht der Verkauf von DXC im Raum

Das Verkaufsgerücht ist aufgekommen, nachdem der IT-Dienstleister eine Investorenpräsentation Anfang des Monats abrupt abgebrochen hatte.

publiziert am 22.9.2022