EMC: Unsere Software managt alle Storage-Systeme

7. Mai 2014, 08:34
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EMC besinnt sich auf alte Softwarestärken und will vor allem mit virtueller Storage seinen Beitrag zum Software-definierten Rechenzentrum leisten. Dazu unterstützt man sogar die ungeliebte Konkurrenz. Bei den Speicherprodukten gibt es eine Erweiterung im Bereich von Hochleistungs-Flash. Hier hat man das Startup DSSD von Andreas von Bechtolsheim aufgekauft.

EMC besinnt sich auf alte Softwarestärken und will vor allem mit virtueller Storage seinen Beitrag zum Software-definierten Rechenzentrum leisten. Dazu unterstützt man sogar die ungeliebte Konkurrenz. Bei den Speicherprodukten gibt es eine Erweiterung im Bereich von Hochleistungs-Flash. Hier hat man das Startup DSSD von Andreas von Bechtolsheim aufgekauft.
Bei der Ankündigung von EMCs Storage-Virtualisierung ViPR auf der EMC World 2013 ging es vor allem um das einheitliche Verwalten der vielen unterschiedlichen EMC-Systeme. Zwar gab es auch damals schon den Hinweis, dass man ViPR zu einer universellen virtuellen Storage-Plattform für alle Speichersysteme - also auch NetApp, HP und HDS - ausbauen will. Es gab aber keinen Zeitplan und keine Roadmap, sodass dieser Ausblick von vielen als Zukunftsmusik abgetan wurde. Doch jetzt, ein Jahr später, hat das Unternehmen auf der diesjährigen EMC World in Las Vegas die Erwartungen erfüllt: Mit dem Controller von ViPR 2.0 können jetzt als native Lösung auch NetApp FAS, Hitachi HUS VM und Hitachi VSP gemanagt werden. Über den Umweg der OpenStack-Architektur lassen sich auch IBM (XIV, SVC, DS8000), HP (3PAR, Left-Hand), Dell Equal-Logic, Oracle ZFS, NetApps E-Serie und Solidfire aus ViPR heraus verwalten. Verwalten bedeutet in diesem Fall Provisioning, Selbst-Service, Automation und Reporting.
Produktvielfalt verwirrt die Kunden
Auf die Frage, warum EMC seine ViPR-Plattform für die Konkurrenz geöffnet habe, verweist deren Software-Chef Amitabh Srivastava lapidar auf den Druck des Marktes. "Es gibt keinen Kunden, der nur EMC im Einsatz hat und keiner will diverse separate Management-Programme einsetzen", gibt er als Begründung für diese Öffnung an. Performance-Unterschiede soll es beim Managen der Fremdsysteme keine geben, allerdings ist die Bereitschaft der Konkurrenz zur Kooperation noch relativ gering. "Einige wenige Systeme können wir direkt über deren offene APIs ansprechen, doch die viele Fremdsysteme sind über deren OpenStack-Schnittstellen erreichbar, sodass wir hier guter Hoffnung sind, dass sich die Zahl der ansprechbaren Produkte bald deutlich erweitern wird", sagt Srivastava über die Zukunft von ViPR.
VMware-Chef Pat Gelsinger sieht die vielen APIs und Schnittstellen im Rahmen von OpenStack als den einzigen Sinn dieser Initiative. "Kaum eine Firma ist daran interessiert sich selbst einen eigenen Cloud-Rahmen zu schaffen, die meisten kaufen so etwas lieber direkt komplett von der Stange", sagte er in einer Podiumsdiskussion. Auch wenn er damit vor allem die eigenen Produkte VCloud und VSphere meinte, so ist es doch interessant zu sehen, wie das Konzept von OpenStack durch die Öffnung von bislang proprietären Systemzugängen ganz andere Nutzungsmöglichkeiten schafft.
Einer der Referenzkunden von EMC ist die Bibliothek des Vatikans. Deren CIO Luciano Ammenti beklagte, dass EMC so viele Storage-Produkte habe, die schwer zu unterscheiden seien. "Man verliert schnell die Übersicht", sagte er auf der Bühne. Srivastava bestätigte dieses Problem, erklärte die Produktvielfalt aber vor allem mit sehr unterschiedlichen Nutzungsprofilen. "Es gibt Kunden, deren Daten-Volumen im Bereich von Big Data liegt, die aber nur sehr selten und dann meistens zeitunkritisch auf ihre Daten zugreifen und dann gibt es Kunden, die zwar relativ wenige Daten haben, die diese aber stets in allerkürzester Zeit abrufen müssen – und dann gibt es noch alles dazwischen", lautete seine Erklärung dazu. Hinzu kommt noch, dass viele der heutigen EMC-Storage-Produkte aus diversen Akquisitionen stammen und sich von Anfang an mit bestehenden EMC-Produkten überlappt haben. Aus Kundentreue konnte man diese aber nicht konsequent konsolidieren, sodass das Gesamtangebot in der Tat sehr umfangreich geworden ist.
EMC, VMware und Pivotal: Eine Föderation
Weiter hat EMC in Las Vegas unter anderem die Cloud-Storage-Infrastruktur Elastic Cloud Storage (ECS) vorgestellt. ECS war bisher unter dem Namen "Project Nile" bekannt. Diese hochskalierbare Cloud-Storage-Infrastruktur weist laut EMC neun bis 28 Prozent niedrigere Gesamtbetriebskosten auf als vergleichbare Public-Cloud-Alternativen von Amazon und Google. Kunden sollen damit Private- und Public-Cloud-Umgebungen mit hyperskalierenden Fähigkeiten ergänzen. Die ECS-Appliance ist eine modulare Scale-Out-Lösung, die 2,9 Petabyte in einem Rack bereitstellen kann. Die Appliance kann bis in den Exabyte-Bereich geclustert werden.
Und um die bestehende Verwirrung noch zu vergrössern, hat EMC jetzt das auf Hochleistungs-Flash spezialisierte Startup DSSD für eine nicht genannte Summe akquiriert. DSSD wurde von der IT-Legende Andreas von Bechtolsheim (links auf dem Foto mit EMC-CEO Joe Tucci) gegründet und das Unternehmen besitzt eine Reihe an Patenten im Bereich schneller und leistungsstarker Flash-Speicher. Beispielsweise erreichen deren Chips die höchste Packungsdichte bei den Bits pro Kubikmillimeter. Das bedeutet zum einen schnellerer Datenzugriff und zum anderen kleinere Baugruppen. "Beim Datentransfer hat DSSD ein Verfahren gefunden, bei dem die Daten vom Flash-Chip unter Umgehung der CPU direkt in den Hauptspeicher geschrieben werden können", schwärmt EMCs Software-Spezialist Dan Cobb über die Arbeit seiner neuen Kollegen. Von Bechtolsheim selbst ging in seiner kurzen Rede nicht auf die Technik ein. "EMC und DSSD passen sehr gut zusammen und beide können im Markt noch viel erreichen", war alles, was er über die gemeinsame Zukunft sagen wollte.
Strategisch besinnt man sich bei EMC wieder auf die Software-Stärken. "Wir sind kein Hardware-Unternehmen, wir haben die meisten Ingenieure in der Software-Entwicklung und wir sehen uns als eine Software-Firma, die ihre Programme mit handelsüblicher Hardware in Form von Appliances auf den Markt bringt", erläuterte EMCs Storage-Chef David Goulden das eigene Selbstverständnis. Zur weiteren EMC-Strategie gehöre auch, dass man selbst kein Cloud-Anbieter werden will, doch die Tochtergesellschaften VMware und Pivotal sollen hier weiterhin aktiv sein und ihre Angebote ausbauen. Die Abstimmung zwischen EMC und den Tochtergesellschaften Pivotal und VMware erfolgt dann laut EMC-Chef Joe Tucci in Form einer "Föderation", bei der jedes Unternehmen weitestgehend selbständig operiert. "Das Ziel lautet: so viel Synergie wie möglich und so wenig Überlappung wie nötig", sagte Tucci über die Marschvorgabe an die CEOs. Diese bestätigten ihrerseits, dass es Abgrenzungs-Probleme mit den jeweiligen Partnern gibt. "Jeder hat unterschiedliche Investoren, Kunden und Partner. Gerade bei den Partnern gibt es unterschiedliche Auffassungen. Wir arbeiten eng mit NetApp zusammen, was bei EMC nicht gern gesehen wird, andererseits arbeitet man bei Pivotal eng mit Microsoft zusammen, was wir nicht so gerne sehen", erläuterte Gelsinger die "Coopetition" der drei EMC-Töchter untereinander. Eine Zusammenlegung der drei Firmen ist jedenfalls vorerst nicht geplant. Das würde auch auf massiven Widerstand bei den jeweiligen Investoren stossen, denn die neue Firma wäre vermutlich weniger Wert als es gegenwärtig die Summe der drei Einzelunternehmen ist. (Harald Weiss, Las Vegas)

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