Energiesparen in Rechenzentren? Nationalrat will Potenzial nicht abklären

1. Dezember 2021, 15:00
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Der Rat hat ein Postulat seiner Kommission WBK-N abgelehnt. Diese wollte vom Bundesrat eine Untersuchung der Energieeffizienz von Schweizer Datacentern.

Rechenzentren sind Stromfresser: Dies zeigte eine im Juni 2021 veröffentlichte Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE). Die Studie "Rechenzentren in der Schweiz – Stromverbrauch und Effizienzpotenzial" errechnete für das Jahr 2019 einen Stromverbrauch der RZs und Serverräume von 2,1 TWh, was bereits 3,6% des Gesamtstromverbrauchs der Schweiz ausmachte. Fast die Hälfte des Energieverbrauchs der RZs könnte aber mit Effizienzmassnahmen eingespart werden, hielt das BFE fest.
Das Thema "Energieeffizienzpotenzial der Datencenter" hat nun auch die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK-N) des Nationalrates in einem entsprechenden Postulat aufgegriffen. Die Kommission hatte das Postulat mit 12 zu 10 Stimmen bei 1 Enthaltung angenommen.

Kommission: "Zentren mit erneuerbaren Energien"

Im Namen der Kommissionsmehrheit erklärte Mustafa Atici (SP/BS) im Rat: "Die Kommission will den Bundesrat mit ihrem Postulat beauftragen, mit Daten, Massnahmen und Konzepten aufzuzeigen, wie das bedeutende Energieeffizienzpotenzial von Rechenzentren und Serverräumen in der Schweiz ausgeschöpft und die Versorgung und der Betrieb dieser Zentren mit erneuerbaren Energien sichergestellt werden kann." Er bezog sich dabei explizit auf die BFE-Studie.
Für die Kommissionsminderheit erklärte Peter Keller (SVP/NW): "Es ist tatsächlich so, dass der Betrieb von Datencentern energieintensiv ist. Dass nun aber der Staat eine Branche herausgreift und diese quasi zwingen will, ihre Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sicherzustellen, halten wir von der Minderheit für willkürlich." Was die Energieeffizienz betreffe, bewege sich dieser Markt schon lange – "notabene ohne staatliche Vorgaben".

Bundesrätin: "Die Antworten liegen auf dem Tisch"

Bundesrätin und BFE-Vorsteherin Simonetta Sommaruga betonte, dass Postulat greife "ein sehr wichtiges Thema" auf. Mit der BFE-Studie würden aber bereits mögliche Einsparungen beim RZ-Energieverbrauch aufgezeigt. Auch würden Schweizer RZs bereits Fotovoltaikanlagen einsetzen oder Abwärme nutzen. "Deshalb ist der Bundesrat der Meinung, dass die Antworten auf dem Tisch liegen. Sie müssen jetzt einfach umgesetzt werden", sagte Sommaruga.
Im Rahmen des Programms Energie Schweiz unterstütze das Bundesamt für Energie zum Beispiel auch den Verband Swiss Datacenter Efficiency Association. "Wir haben das Programm Kilowatt, worin Massnahmen in Rechenzentren finanziell gefördert werden", so die Bundesrätin weiter. Der Bundesrat sei deshalb der Meinung, "dass man jetzt nicht wieder eine neue Prüfung in Auftrag geben muss". Sie beantrage eine Ablehnung.
Der Nationalrat folgte ihrem Antrag mit 101 zu 83 Stimmen und lehnte das Postulat ab. Das Geschäft geht weiter in den Ständerat.

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