EPFL: Computer-Simulation des Herzen für bessere Diagnose

7. Juni 2017, 13:18
  • innovation
  • epfl
image

Forschende der ETH Lausanne (EPFL) stellen einen Prototyp eines virtuellen Patientenherzes mitsamt Aortenklappe vor.

Forschende der ETH Lausanne (EPFL) stellen einen Prototyp eines virtuellen Patientenherzes mitsamt Aortenklappe vor. Dabei handelt es sich um individuelle Computersimulationen, die bei der Diagnose von Herzkrankheiten helfen sollen.
Herzkreislaufkrankheiten sind weit verbreitet und seit Jahrzehnten die häufigste Todesursache in der Schweiz. Künftig könnten Mediziner ein neues Werkzeug haben, um ohne Operationen oder andere invasive Mittel die Diagnose zu stellen und die Behandlung zu planen: eine individuelle Computersimulation des Patientenherzens.
Alfio Quarteroni und sein Team von der EPFL arbeiten an einem mathematischen Modell des Herzens und seiner Funktion, das sich durch Patientendaten individualisieren lassen soll. Nun ist es den Forschenden gelungen, ihrem Herzmodell auch die Aortenklappe mit ihrer komplexen Struktur hinzuzufügen, wie die Hochschule am Mittwoch mitteilte.
Rekonstruktion mit MRI-Bildern
Mithilfe von Magnetresonanztomografie (MRI)-Bildern eines Patienten konnten die Forschenden die Form der Aorta rekonstruieren und virtuell darstellen. Indem sie die Mechanik der Aorta mathematisch charakterisierten, gelang es ihnen, die Bewegung der drei Segel der Aortenklappe zu beschreiben. Schliesslich fügten sie noch die Simulation der Bewegung des Blutes hinzu. Davon berichten sie im Fachblatt 'Biomechanics and Modeling in Mechanobiology'.
"Eine mathematische Beschreibung einer Aortenklappe und ihrer Interaktion mit dem Blutfluss existiert zwar in der Literatur, aber nicht in diesem Detail für einen spezifischen Patienten", liess sich Quarteroni in der Mitteilung zitieren. Selbst bei dieser noch vorläufigen Version des virtuellen Herzens liesse sich die Anpassung an einen anderen Patienten relativ einfach vornehmen mit einem neuen Satz an MRI-Bildern, hiess es weiter.
Fernziel virtuelles Herzkreislaufsystem
Die langfristige Vision des EU-finanzierten Projekts iHeart, dessen Leiter Quarteroni ist, besteht darin, das komplette Herzkreislaufsystem Patienten-spezifisch zu simulieren, mitsamt dem Herzen in all seiner Komplexität, sämtlichen Blutgefässen und den rund fünf Litern Blut, die im Körper zirkulieren.
"Wenn wir Erfolg haben, wird iHeart Medizinern helfen, wichtige Fragen in der Diagnostik und Behandlung effizient anzugehen", so Quarteroni. Dieses nicht-invasive "mathematischen Mikroskop" werde zudem eine einzigartige Forschungsumgebung schaffen, um das Herz und Erkrankungen des Herzkreislaufsystems zu erforschen.
Bis es soweit ist, wird es allerdings noch dauern, um die spezifische Simulation der Herzfunktion mathematisch robust für jeden einzelnen Patienten abzubilden. Zwar könnten erste Prototypen des Herzmodells für die klinische Anwendung in den nächsten fünf Jahren entwickelt und getestet werden. Bis das virtuelle Patientenherz Einzug in die Praxis hält, könnten aber noch zehn Jahre vergehen, schätzt Quarteroni. (sda/kjo)

Loading

Mehr zum Thema

image

Kundenkommunikation für Versicherer: Chats und Chatbots verbreiten sich langsam

Aber die Mehrheit der Schweizer Kundinnen und Kunden bevorzugt weiterhin E-Mail oder Telefon.

publiziert am 16.5.2022
image

Zürcher ML-Startup Lightly sammelt 3 Millionen Dollar

Der Algorithmus von Lightly soll dabei helfen, Daten zu beschriften und zu bewerten. Dadurch soll die sich die Qualität von KI-Anwendungen verbessern.

publiziert am 13.5.2022
image

Google I/O: Verbesserte KI, neue Developer-Tools und Geräte

Google versucht sich erneut an einer AR-Brille. Auch das Google Wallet feiert ein Comeback.

publiziert am 12.5.2022
image

16,5 Millionen für Simulationsspezialist Akselos

Das Schweizer Unternehmen will einen grossen Schritt nach vorne machen.

publiziert am 10.5.2022